Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel St. Bernhard feiert: Speyerer Denkmal für 70 Jahre Versöhnung

St. Bernhard: eine Kirche für den Frieden.
St. Bernhard: eine Kirche für den Frieden.

Eine besondere Kirche in Speyer feiert Jubiläum: St. Bernhard wird 70 Jahre alt. Die Katholiken der Innenstadt haben aus diesem Anlass mehrere Veranstaltungen am 28. und 29. September vorbereitet. Dabei wird auch erklärt, warum St. Bernhard eine Friedenskirche sowie eine Kirche der Bundeskanzler ist.

Das mit den Bundeskanzlern und St. Bernhard ist schnell erklärt: Seit 2017 grenzt die Ruhestätte des früheren Regierungschefs Helmut Kohl auf dem Friedhof des Domkapitels an das Kirchengelände von St. Bernhard an. Und der erste deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer, war 1953, als die Bundesrepublik gerade vier Jahre alt war, zur Grundsteinlegung für die Kirche nach Speyer gereist. Diese war als deutsch-französisches Versöhnungsprojekt initiiert worden: Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten sich die einstigen Erzfeinde wieder angenähert und wollten das mit dem Gotteshaus untermauern.

Zu der besonderen Geschichte der Speyerer Friedenskirche gehört, dass aus Frankreich der Bischof von Metz zur Grundsteinlegung kam und die Hälfte des Baupreises, 300.000 Mark, in bar mitbrachte: Die Kosten teilten sich beide Nationen – auch das ein Symbol der Völkerverständigung. Die Kapelle in der Krypta wurde zum geistlichen Ort für die 1945 gegründete katholische Friedensbewegung Pax Christi. In einer Wand sind dort Behälter mit Erde aus ganz verschiedenen Ländern eingelassen, darunter von mehreren Schlachtfeldern der Kriege. „Frieden ist keine Selbstverständlichkeit“, so die damit verbundene Mahnung. Die Speyerer Katholiken haben sie aufgegriffen, als sie 2015 „Pax Christi“ – der Friede Christi – als Namen für ihre Pfarrei wählten.

Markante Stelle der Stadt

Der langgezogene Kirchenbau am Hirschgraben und sein freistehender Glockenturm prägen seit der Weihe 1954, nach einjähriger Bauzeit, das Erscheinungsbild an markanter Stelle der nördlichen Kernstadt. Sie ist nach Plänen des Speyerer Architekten Ludwig Ihm entstanden und dem Heiligen Bernhard von Clairvaux gewidmet. St. Bernhard gehört dem Bistum, gilt aber als Filialkirche der Domgemeinde. Die Gemeinde dürfe sie nutzen und komme für den Unterhalt auf, eventuelle Baukosten trage aber das Bistum, erklärt Bernhard Kaas vom Gemeindeausschuss der Pfarrei.

Im vergangenen Jahr ist das einstige Pfarrhaus umgebaut worden, weil nach dem Auszug von Spiritaner-Patern, die dort jahrelang gewohnt haben, Generalvikar Markus Magin eingezogen ist. Auch in die Orgel wurde laut Kaas investiert, was dringend nötig gewesen sei. Im Turm können aus Brandschutzgründen nicht mehr wie in früherer Zeit die Räume auf mehreren Stockwerken genutzt werden. In der untersten Ebene sei weiterhin Kinder- und Jugendarbeit möglich.

Angebote zum Jubiläum

Die Turmbesteigung gehört somit nicht zu den Angeboten, die die Domgemeinde beim Gemeindefest anlässlich des Jubiläums am Sonntag, 29. September, macht. Ab 14 Uhr werden dann Führungen angeboten: mit Christoph Keggenhoff zur Orgel und mit Monika Bossung-Winkler sowie Bernhard Kaas zur Pax-Christi-Kapelle. Auch für ein Kinderprogramm ist gesorgt. Den Auftakt macht um 11 Uhr ein Festgottesdienst, den der Chor der Domgemeinde mitgestaltet. Beim Gemeindefest wird bewirtet.

Bereits am Samstag, 28. September, 15 Uhr, findet die Mitgliederversammlung des Diözesanverbands von Pax Christi im Pfarrsälchen statt. Die Jubiläumsfeier beginnt am Samstagabend, 18 Uhr, in der Kirche. Elmar Werel spielt die Orgel, die Pax-Christi-Vertreter Norbert Rönn und Gerold König halten Impulsvorträge zur Friedensarbeit. Es folgen ein Umtrunk und um 19.30 Uhr ein Friedensgebet.

Pax-Christi-Kapelle: besonderer Sinn.
Pax-Christi-Kapelle: besonderer Sinn.
x