Speyer
Sprung aus dem Fenster: Speyerer soll Mann bedroht haben
Geplant war für den vierten Verhandlungstag in dieser Woche die Vernehmung eines von der Verteidigung benannten weiteren Zeugen, mit dem der Angeklagte zusammen gewesen sein will zum Schwimmen im Reffenthal – genau zu der Zeit, zu der er laut Anklage die Tat begangen haben soll. Der Zeuge erschien nicht und war auch durch die Polizei in Speyer nicht aufzutreiben, die sofort losgeschickt worden war, ihn dem Gericht vorzuführen. Sie wird zum nächsten Termin einen neuen Versuch starten.
Der zweite Programmpunkt war das psychiatrische Gutachten der Leitenden Oberärztin Beate Funk der Forensischen Abteilung des Pfalzklinikums in Klingenmünster, die vom ersten Tag an als Beobachterin am Verfahren teilgenommen hatte. Ein Gespräch mit der Gutachterin habe er verweigert, berichtete diese, so dass sie auf das vorliegende schriftliche Material der behandelnden Ärzte angewiesen gewesen sei. Davon allerdings gab es mehr als genug, denn der Mann hat eine lange Behandlungshistorie mit Aufenthalten sowohl in der Pfalzklinik als auch in anderen Einrichtungen. Es ging um die Abhängigkeit von Cannabis, Kokain und diverse andere Suchtmittel; auch eine Alkoholabhängigkeit war damals noch dabei. Mit elf Jahren habe er angefangen zu konsumieren. Parallel habe er Verhaltensauffälligkeiten in der Schule gezeigt, so der Bericht der Gutachterin. Das familiäre Umfeld mit Alkoholsucht in der Eltern- und Großelterngeneration habe dies begünstigt.
Rückfällig nach Therapien
Der Mann habe Therapien in der Pfalzklinik erfolgreich abgeschlossen, sei aber danach wieder rückfällig geworden. Im März 2014 kam er in eine Klinik in Hessen, wo auch eine depressive Störung diagnostiziert worden sei. In den Unterlagen von dort wird sein Rededrang, seine Weitschweifigkeit, sein Drang, sich in den Mittelpunkt zu stellen, und seine motorische Unruhe erwähnt. Nach der Entlassung dort kam er im Juli 2014 zur Entgiftung in die Pfalzklinik. 2017 und 2019 ging es laut Bericht wieder nach Hessen. Heroin und andere Opiate waren dazugekommen.
Dazwischen verbrachte der Speyerer insgesamt vier Jahre in Haft. Elf Einträge weist sein Bundeszentralregisterauszug auf. Gutachterin Funk geht davon aus, dass seine Steuerungsfähigkeit infolge eingenommener Betäubungsmittel während der Taten gemindert war. Weiter wurde mit ihr die Möglichkeit seiner Unterbringung in einer Entziehungsanstalt erörtert. Der Angeklagte erklärte sich dazu bereit und motiviert. Nächster Verhandlungstag: 13. Dezember.