Speyer Sprachlos an der Kaiserlinde

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Spiesen-Elversberg. Die Kaiserlinde hat hundert und mehr Jahre allen Stürmen getrotzt, war aber morsch. Als Ende März ein rauer Wind fegte, knickte der wohl 1906 Kaiser Wilhelm II. zu Ehren gepflanzte Baum einfach weg, futsch. Einen Steinwurf vom Stamm entfernt knickten am Samstag gegen 15.50 Uhr Fußballer in sich zusammen. Inklusive Bank-Besatzung kauerten gut 20 Häuflein Elend auf dem Rasen. Gerade hatte die Elf von TuS Mechtersheim – mal wieder – in der Nachspielzeit verloren (RHEINPFALZ am SONNTAG berichtete).

„Kein Vorwurf, an niemanden“: Eleftherios Konstantakis fand als einer der wenigen nach dem Abpfiff wieder Worte. Doch auch der Co-Trainer wusste keinerlei Rezept, wie die Mannschaft nach dem neuerlichen Last-Minute-Schock nun wieder aufzurichten sei. „Gut gespielt in der zweiten Halbzeit, prima gearbeitet, die Zweikämpfe angenommen“ – ja, und spielerisch war das auch sehenswert, was Mechtersheim da bot. An der Ex-Linde wächst zurzeit ein Schmuckkästchen von Stadion. Das Kunstgrün nebenan ist Heimstatt der SVE-Regionalliga-Reserve. Nur weil die den Zusatz „Zweite“ trägt, kicken dort aber nun nicht Hinz und Kunz, sondern Schmidt, Zimmer und Groß. Und ein gewisser Adigüzel: Eine Ansammlung hoch veranlagter und gut ausgebildeter Spieler, die als Ensemble nicht von ungefähr auf Rang vier vorrückten. Die können alle prima Fußball spielen, haben am 1. April völlig humorlos Liga-Konkurrent Arminia Ludwigshafen 7:0 zerpflückt. Und jene SVE II bekamen die Römerberger an den Rand der Niederlage. Die erste Halbzeit war nicht gut. Verwandelt aber preschten Kevin Sigl – diesmal als Kapitän – und Kameraden nach der Pause über den Linden-Kunstrasen – klasse die Balleroberung im Mittelfeld (Jannick Immel, Pavlos Osipidis), sehenswert zwei schnelle Züge über rechts, die Doppel-Szene über links nur drei Minuten nach Wiederanpfiff, bei der Sigls schwachem Abschluss der erfolgreichere von Lukas Olbrich folgte. Die Führung auszubauen, vergaß der TuS. Die unverdiente Strafe kam spät. Aber sie kam halt. Ausgleich in der 84. Minute. Auch das Pünktchen ging plötzlich flöten, wieder in der Nachspielzeit, wie gegen Pfeddersheim, wie in Mainz. Coach Manfred Schmidt spazierte lange nach Abpfiff noch immer um Fassung ringend auf dem Platz umher. Wortlos auch die Spieler: Fabian Eck fand keine Erklärung. „Näää“, entfuhr es dem völlig frustrierten Florian Hornig. SVE-Kapitän Rouven Weber räumte unumwunden ein, dass die Gäste „mindestens einen Punkt verdient“ gehabt hätten. Mehr als bitter lächelt wegen derlei Lobs keiner. Als der TuS führte, hockte fünf Kilometer Luftlinie entfernt „Calli“ Calmund im Ellenfeld – als pfundiges Zugpferd für Zuschauer und Sponsoren, die die von Pleite bedrohte Borussia Neunkirchen retten sollen. Deren ebenso gebeutelte Startruppe gastiert am Samstag beim TuS. Da hilft nur eins: Im Cup am Mittwoch Mut fassen – und am Samstag bis Minute 90 plus x hellwach sein.

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