Kampfsport RHEINPFALZ Plus Artikel Sportakademie Müller Römerberg 40 Jahre alt

40 Jahre Kampfkunst: die Sportakademie Müller in Römerberg.
40 Jahre Kampfkunst: die Sportakademie Müller in Römerberg.

Die Sportakademie Müller in Römerberg gehört zu den alteingesessensten Kampfkunstschulen der Region. Der Inhaber findet seine Nische und denkt an eins nicht: Aufhören.

40 Jahre gibt es sie nun schon, die Sportakademie Müller in Berghausen im Gewerbegebiet an der Bundesstraße 9. Familiäres Ambiente, breit gefächertes Angebot, moderate Preise, Betonung auf Kunst statt Wettbewerb, Förderung kognitiver Fähigkeiten, die gefundene Nische, gibt Besitzer Udo Müller (64) sein Erfolgsgeheimnis im Gespräch mit unserer Zeitung preis und die Entstehungsgeschichte.

Als mittlerer Teenager kam Müller zum Kung Fu. 1976 ging es in den Judosportverein Speyer, danach in ein privates Studio. Müller leitete Kurse in Speyer, Mannheim, Worms. Der Römerberger fand Gefallen am philippinischen Stockkampf nach der Lehre von US-Meister Dan Inosanto (89), der ihn mittlerweile oft für Seminare besuchte. Bis heute halten die gegenseitigen Besuche, erst jüngst wieder.

Müllers Vision

„Da will ich hin“, dachte sich Müller schon nach Ansicht eines ersten Videos. Er besuchte zu Beginn der 80-er sein Vorbild erst für Wochen, dann voll konzentriert drei Monate in Los Angeles. Er gab seinen Job bei der US-Army in Germersheim auf, stellte sich auf eigene Füße, zunächst im selbst ausgebauten Provisorium.

Los ging’s mit einer Startgruppe von 25 Leuten. Die Sache wuchs. Fitnesskurse gesellten sich hinzu, Seminare am Wochenende mit Teilnehmern aus ganz Deutschland, Schweiz, Österreich. 2000 erfolgte der Umzug an den heutigen Standort. Dort dehnen sich Kinder, finden Balance. Es gibt Brazilian Jiu-Jitsu, Wushu, Yoga, Kali. 300 Mitglieder zähle die Akademie zurzeit. Es waren schon noch mehr, als sie auch Hip Hop anbot.

Von Kindesbeinen

„Männer machen mehr Kampfsport“, sagt Müller, selbst Europa- und vielfacher deutscher Meister. Im Kickboxen verhalte sich das Verhältnis von Frauen zu Männern schon mal 50 zu 50. In der Jugend gehe es bei 14, 15 Jahren los. Er berichtet in seiner Akademie von Anfängern von 68 Jahren, Übenden bis 84. Die Jüngsten starteten bei fünf, sechs. Früheren Einstieg in Selbstverteidigung lehnt Müller ab.

Der Akademie-Chef sieht in zahlreichen Studios weniger eine Konkurrenz. Er legt Wert auf Fitness und dass sich seine Besucher auch mit dem kulturellen Hintergrund der Ursprungsländer des Kampfsports auseinandersetzen. Insbesondere im Stockkampf sieht er ein Alleinstellungsmerkmal für die engere Umgebung.

Fitness im Kommen

Er stellt in den Jahrzehnten seines Wirkens fest, das Fitness einen größeren Stellenwert einnimmt: „Bei Kindern nimmt Disziplin und Konzentration ab. Man braucht mehr Geduld als vor 20 Jahren. Kampfsport hat aber einen höheren Stellenwert in der Öffentlichkeit“ – nicht zuletzt durch Fernsehübertragungen. Sein Einzugsgebiet erstrecke sich bis Calw, Alzey, Rastatt, die die von drei Trainern geleiteten Kurse aufsuchen.

Dem Wettbewerbsgedanken entsagten Müller, er verletzungsbedingt, und seine Schule schon vor längerer Zeit, obwohl es immer Erfolge bei deutschen Meisterschaften gab: „Es ist nicht so gewollt. Wir bilden lieber Trainer aus, als Kämpfer, die das dann mal vier, fünf Jahre lang machen.“ Die vielen Meisterschaften von Verbänden besäßen nicht so den großen Stellenwert. Die eigenen Mitglieder berichteten wie er nicht von besten Erfahrungen bei Titelkämpfen, sei es die langen Kampftage oder die Regelauslegung. In Erinnerung bleibt auch ein großes Turnier in Kalifornien mit 1000 Teilnehmern verschiedenster Stilrichtungen.

Hochrangige Gäste

Ein besonderes Fest zum 40-Jährigen plant Müller nicht, vielleicht eine ausgeweitete Weihnachtsfeier. Aber nach wie vor besuchen hochrangige ausländische Coaches die Akademie. Ein Ende oder die Übergabe seiner Schule sieht der 64-Jährige ebenfalls nicht vor: „Ich mache so lange weiter wie ich kann, so lange ich gesund und fit bin.“ Vielleicht übertrage er die Fitnesssparte in andere Hände.

x