Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyers überregionale Bedeutung: Zum „Einkreisen“ viel zu schade

Geburten in Speyer: Viele Kinderwagen werden über die Stadtgrenzen geschoben.
Geburten in Speyer: Viele Kinderwagen werden über die Stadtgrenzen geschoben.

Verwaltungsreform-Träumer sahen noch vor wenigen Jahren Speyer „eingekreist“ als Teil eines Großlandkreises. Dagegen gibt es viele Argumente – unter anderem eine Datenanalyse.

Speyers Bedeutung für das Umland wird nicht kleiner. Sie steigt sogar in vielen Bereichen. In den meisten weiterführenden Schulen kommt rund die Hälfte der Eleven von außerhalb. Auch in den Arztpraxen der Domstadt steht längst nicht in allen Patienten-Papieren die 67346 als Postleitzahl. Daten des Standesamts und des Statistischen Landesamts, die die RHEINPFALZ ausgewertet hat, zeigen zudem: Auch immer mehr „Auswärtige“ werden in Speyer geboren oder versterben dort.

Das Standesamt ist dafür zuständig, die sogenannten Personenstandsfälle zu erfassen – und hat mehr und mehr Arbeit. Waren es im Jahr 1970 noch 1295 Geburten und 717 Todesfälle, mussten 2024 schon 3686 Geburten und 1261 Verstorbene in die Bücher eingetragen werden. Der Anteil davon mit Wohnsitz in Speyer blieb dabei relativ konstant – bei den Geburten mit leicht sinkender, bei den Todesfällen mit steigender Tendenz.

Tendenz verstärkt sich

Die Zunahme von Personenstandsfällen mit auswärtigem Bezug habe sich zuletzt weiter verstärkt, bestätigt die Stadtverwaltung. „Im Geburtenregister liegt der Anteil von Kindern, deren Eltern nicht in Speyer wohnen, inzwischen bei rund 90 Prozent.“ Dies sei vor allem auf das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus zurückzuführen: Speyer beheimatet die größte Geburtsklinik in Rheinland-Pfalz und eine der größten bundesweit.

Bei den Sterbefällen hat der Anteil der Auswärtigen die 50 Prozent überschritten – ein Anzeichen dafür, dass immer weniger Personen zu Hause ihren letzten Atemzug tun: „Neben den beiden Krankenhäusern befinden sich über zehn Pflegeeinrichtungen sowie zwei Hospize in Speyer – Einrichtungen, in denen regelmäßig auch Menschen mit Wohnsitz außerhalb der Stadt versterben“, erklärt die Stadt. Sie verweist auch noch auf eine dritte Komponente in ihrem Personenstandsregister: Etwa die Hälfte der jährlich rund 400 Brautpaare stamme nicht aus Speyer.

Viel Arbeit im Amt

Was heißt das nun alles? Für das Standesamt zunächst viel Arbeit: In Speyer werden demnach „jährlich mehr Geburten beurkundet als in fünf vergleichbaren kreisfreien Städten zusammen – darunter Landau, Frankenthal, Neustadt, Pirmasens und Zweibrücken“. Das gehe nur, wenn man „effizient und zuverlässig“ arbeite, so die Stadt. Speyer spiele mit seinen medizinischen Einrichtungen, seiner Verwaltung und seiner besonderen Lage eine überregionale Rolle – „weit über das eigene Stadtgebiet hinaus“. Zum Einkreisen jedenfalls viel zu schade ...

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