Speyer
Speyerer Torten als Augenweide
Torten gebacken hat er schon als Kind gerne. Da war’s noch ein Spiel mit Mama in der Küche. Später steigerte sich die Leidenschaft von Michael Stierle (37) von Jahr zu Jahr. Die Selbstansprüche an Gestaltung und Dekoration seiner Produkte stiegen, wie die Liebe, dabei der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen. Jetzt hat der Speyerer Zuckerbäcker, der im Hauptberuf als kaufmännischer Angestellter bei einem Speyerer Großunternehmen seine Brötchen verdient, einen eigenen Betrieb für aufwendige Torten gegründet.
„Hüftgold“ hat Stierle ironisch die Firma getauft. Und den Schwerpunkt seiner köstlichen Tortendekorationen legt er auf Zuckerblüten. Täuschend echt in Form und Farbe prangen Rosen, Nelken oder auch Orchideen auf seinen Kunstwerken. Seiner Fantasie hat er keine Grenzen gesetzt. Für eine angehende Ärztin hat er einmal ein Leckerwerk in Form eines menschlichen Torsos modelliert. Die Paletten Lebensmittel-tauglicher Farben und Lacke füllen ganze Schubladen.
Mehrere Trocknungsvorgänge
„Was geht als Deko, was kann man machen?“, diese Frage ist für Michael Stierle stets die innere Antriebsfeder. Denn seine Kreationen sollen nicht nur die Gaumen schmeicheln, sondern möglichst lange im Gedächtnis der Gäste hängen bleiben. Da ist ihm kein Aufwand zu schade. Die Fertigung einer Blüte erfordert oft Tage, da mehrere Trocknungsvorgänge abgewartet werden müssen. Daher muss auch der Kunde Zeit mitbringen. Ungefähr vier Wochen Vorlauf braucht der „Hüftgold“-Chef schon, bis er die bei einem Vorgespräch mit dem Auftraggeber entwickelten Gestaltungsvorschläge umsetzen kann.
Stierle arbeitet grundsätzlich nur auf Bestellung. Und natürlich hat so eine süße Besonderheit auch ihren Preis. Der variiert je nach Größe und Ausführung und wird im Beratungsgespräch geklärt. Etwa eineinhalb Meter und fünf „Stockwerke“ hoch war bisher der höchste Tortenturm, den der Konditor fabrizierte. Wobei dann natürlich Stützmaterialien im Inneren des Prunkstücks eingebaut werden, die nicht essbar sind. Der Statik eines reinen Backwerks sind eben Grenzen gesetzt.
Juror bei Wettbewerben
Damit er nach ersten erfolgreichen „Gehversuchen“ im Familien- und Freundeskreis als Quereinsteiger professionell im Konditorengeschäft durchstarten konnte, legte Stierle vor einem Jahr bei der Handwerkskammer die dafür notwendige Prüfung ab. Er empfiehlt sich für Geburtstagsfeiern, Firmen- oder Familienfeste und so weiter. Erfahrungen und Selbstvertrauen hatte er zuvor schon bei Wettbewerben gesammelt. Bei der „Cake international“, einer Messe mit Backwettbewerb im englischen Birmingham, holte er eine Goldmedaille in der Kategorie „Zucker-Floristik“. Bei der Sat 1-Fernsehsendung „Das große Backen“ ging er als Zweitbester aus dem Studio. Und mittlerweile ist Michael Stierle auch selbst ein gefragter Juror bei Backwettbewerben.
In der Kutschergasse 3, wo früher die Speyerer Grünen-Politikerin Anne Spiegel in ihrem Wahlkreisbüro Pläne schmiedete, hat Stierle die Werkräume für seine süßen Träume angemietet. Neben der Küche gehört ein Schulungsraum dazu, in dem der Konditor künftig Kurse anbietet, wie er berichtet. Der erste Basiskurs mit vier Teilnehmerinnen ging demnach bereits erfolgreich über die Bühne. Michael Stierle ist mit einer Friseurin verheiratet und hat zwei Kinder.
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