Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer Stadtleben: Wie gut, dass es Experten gibt

So funktioniert eine Wahl: Stimmzettel in die Urne. Junge Speyerer werden an das Thema herangeführt.
So funktioniert eine Wahl: Stimmzettel in die Urne. Junge Speyerer werden an das Thema herangeführt.

Die nahende Bundestagswahl bringt Speyer in Wallung. Die Schülervertretung des Gymnasiums am Kaiserdom hat sich dabei eine besondere Form der Erstwähler-Information einfallen lassen. Eine weitere Wahl findet sogar schon in Speyerer Grundschulen statt, hat aber mit dem Bundestag wenig zu tun. Einen Falter lässt das alles völlig kalt.

Erstwähler: Information aus direkter Quelle

Tolle Initiative am Gymnasium am Kaiserdom: Die Schülervertretung hat zwei Veranstaltungen für Erstwähler auf die Beine gestellt, bei der diese Direktkandidaten für die Bundestagswahl am 26. September persönlich kennenlernen konnten. Die Bewerber der sechs im Parlament vertretenen Fraktionen seien der Einladung gerne gefolgt, berichtet Schülersprecher Johannes Röder. „Absolut unkompliziert, total nett.“ Sein Gymnasium sieht er dabei als „guten Boden“ für ein solches Angebot, weil der Schulgemeinschaft viele politisch Interessierte angehörten. Vorige Woche waren die ersten drei Kandidaten an der Reihe, am heutigen Mittwoch die anderen. Es war zwar kein persönliches Treffen, sondern eine Onlinekonferenz, aber gerade bei den rund 50 Oberstufen-Schülern in der Leitung sei die Premiere gut angekommen. „Es ist eine direkte Quelle“, so Röder, der die Aktion zusammen mit seiner Sprecher-Kollegin Cristina Zegermacher federführend betreut hat. Ob er auch selbst die entscheidenden Erkenntnisse für seine Wahlentscheidung gewonnen hat? Möglicherweise schon. Aber: „Ich werde leider erst einen Monat nach der Wahl 18 Jahre alt“, sagt der Zwölftklässler.

Kinderwähler: Was soll sich bis 2025 ändern?

Und noch eine Wahl – schon in den Speyerer Grundschulen. Bei der „Kinderwahl“, zu der der Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbunds aufruft, geht es aber nicht um die Parteien, sondern um die ganz konkrete Lebenssituation der Erst- bis Viertklässler. Die zeitliche Nähe zur Bundestagswahl sei zwar passend, aber eigentlich gehe es vielmehr um den Weltkindertag am 20. September, erklären die Vorsitzenden Christel Koch und Christa David-Wadle. Den Wahlzettel, den der Bundesverband vorgeschlagen hatte, haben sie dabei nochmals vereinfacht, damit auch jedes Kind etwas beitragen kann. „Das soll sich bis 2025 ändern“, so die Grundfrage, die in vier Kategorien beantwortet werden kann: „1. zu Hause, 2. in der Schule, 3. für alle Kinder, 4. für alle Menschen“. Der Verein hofft nun auf eine möglichst gute Beteiligung aus den Schulen bis 19. September. Chancengleichheit und Bekämpfung der Kinderarmut seien Aspekte, die bei der Auswertung besonders in den Blick genommen würden, kündigt Koch an. Daraus sollten dann Schlüsse für die Arbeit gezogen werden: „Das wird einige Zeit dauern.“

Gute Wahl: „Mönch“ landet auf Insektenhotel

Christa Kreckel hat in ihrem Garten in der Nähe des Adenauerparks einen unbekannten Gast an ihrem Insektenhotel entdeckt. Den Schnappschuss des Sechsbeiners hat die Speyererin der RHEINPFALZ geschickt – mit der Bitte, wir mögen die Identität des Unbekannten feststellen. Auch wenn unsere Serie aus dem Vorjahr zu dem, was in Gärten kreucht und fleucht, nicht mehr läuft, wir haben uns der Aufgabe gestellt. Das Tierchen sitzt gut getarnt an dem leicht verwitterten Holz des Kreckelschen Insektenhotels, als die Hausdame es ablichtet. „Mein Mann und ich haben einen schönen Garten und da gibt es einiges zu beobachten“, erzählt sie. Dem Ehepaar sind Holzbiene und Taubenschwänzchen sowie Nachtfalter aus der Familie der Schwärmer als mehr oder weniger häufige Gäste gut bekannt. Aber der Überraschungsgast?

Manfred Niehuis, promovierter Biologe und renommierter Käferexperte aus der Südpfalz, erkennt Ähnlichkeiten des Tarnungskünstlers mit der Schmetterlingsart Großer Gabelschwanz. Doch fehlen ihm die typischen schwarzen Punkte. Deshalb zieht er den Falterexperten Michael Ochse hinzu. Der Präsident des Vereins für Naturforschung und Landespflege Pollichia in Neustadt ist sich sicher, dass es sich um einen Vertreter der Art Schatten-Mönch (Cucullia umbratica) handelt. Kreckel dankte für die Mühe – und weiß nun, was sie zu erwarten hat: Diese Tierchen laben sich in der Regel von Mitte Mai bis Mitte August etwa an Blüten von Disteln, Heckenkirschen und dem Hohem Stauden-Phlox. Die Raupen sind ebenfalls nachtaktiv und fressen insbesondere Löwenzahn und Wegwarten, bevor sich im Herbst im Boden verpuppen und dort den Winter überdauern. Im Mai schlüpft dann die nächste Falter-Generation.

In Speyer gelandet: Schatten-Mönch am Insektenhotel.
In Speyer gelandet: Schatten-Mönch am Insektenhotel.
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