Speyer
Speyerer Stadtleben: Tiere gerettet, Krümel gesucht
Russenweiher: Erst Rettung, dann Familienglück
Die Bilder von Anfang des Monats waren dramatisch. Es war nicht nur ein bisschen Blut, das am Gefieder des Russenweiher-Schwanes hing, sondern sein Kleid war großflächig rotgetränkt. Immer wieder floss Blut nach. Ein Feuerwehreinsatz mit Transport des Vogels in eine Tierklinik wurde fällig, bevor er sich wieder zu seiner Partnerin gesellen konnte, die gerade Eier ausbrütete. Ende Mai ist die Lage an dem Gewässer im Speyerer Süden eine gänzlich andere. Beim Schwan scheint gesundheitlich „alles in Ordnung“, wie Stadtfeuerwehrinspekteur Peter Eymann erfahren hat, zudem hat seine Familie inzwischen Zuwachs erfahren. Fünf kleine Schwänchen sind es, die zusammen mit Mama und Papa dort schwimmen. „Das Paar hat sich vor ungefähr einem Dreivierteljahr zusammengefunden und für den ersten Schwanennachwuchs am Russenweiher seit drei Jahren gesorgt“, berichtet Anwohner Günther Fleischmann, der die Tiere regelmäßig im Blick hat. Sie hätten ihr Nest im Bereich der steilen Böschung zur Krummäckerstraße hin. Der Appell an die Hundebesitzer und Angler, Rücksicht zu nehmen, gehört selbstverständlich dazu. Sie werden es aber auch wissen: Schwäne verteidigen ihren Nachwuchs vehement – zumindest wenn sie fit sind.
Viehtriftstraße: Miauen aus dem Motorraum
Alles für die Katz’ gegeben haben am Pfingstsonntag sechs Einsatzkräfte der Speyerer Feuerwehr in der Viehtriftstraße im Stadtteil Ost. Ein wohl mitleidiges Miauen aus dem Motorraum eines geparkten Wagens hatte das Aufsehen einer Anwohnerin erregt, die scheinbar ein großes Herz für Tiere hat. Denn sie rief folgerichtig um Hilfe und landete telefonisch zunächst beim Kommunalen Vollzugsdienst der Stadt, dann bei der Feuerwehr. Die rückte pflichtbewusst samt Einsatzfahrzeug aus. Innerhalb von Minuten war der Motorraum geöffnet, ohne auch nur einen Kratzer zu hinterlassen. Das Tier war wieder frei und glücklich mit der Besitzerin vereint. „Der Samtpfote geht es super“, verkündete ein Sprecher der Feuerwehr am Dienstag. Ob sie ihre Lektion daraus gelernt hat? Das bleibt abzuwarten. „Katzen klettern ja gerne mal irgendwo rein“, stellt der Sprecher richtig fest. Gut, dass er und seine Kollegen auf Abruf bereit stehen.
Gymnasium: Kostbarkeit in früherer Zeit
Es gibt Ereignisse, die sind jahre- oder sogar jahrzehntelang vergessen, verschüttet, tauchen dann aber im Alter doch plötzlich wieder auf, weil sie einen zu tiefen Eindruck hinterlassen haben. So geht es dem RHEINPFALZ-Autor, wenn er sich an Zeiten erinnert, in denen es vielen nicht so gut ging wie heute. Im Hof des heutigen Gymnasiums am Kaiserdom tummelte sich in den Pausen der frühen 1950er die für damalige Verhältnisse unglaublich hohe Anzahl von etwa 800 Kindern, sofern sie sich nicht im Heizkeller zu verstecken suchten.
Einmal lag am Treppenabgang, der unter die Turnhalle führte, auf einem etwas erhöhten Stein ein kleines weißes Päckchen. Lange Zeit blieb es unbeachtet, dann wurde es von einem umherfliegenden Ball getroffen und war von da ab weiteren Misshandlungen ausgesetzt. Zum Glück kam schon kurz darauf der Hilfshausmeister die Treppe hoch. Sein Blick, gemischt aus Schmerz und Entsetzen, hat sich eingeprägt: Er schüttelte, mehr aus Verzweiflung denn aus Wut über die Missetäter, seinen Kopf, sammelte die Reste wieder ein und hüllte sie liebevoll in das Papier. Es war sein Pausenbrot, eine Kostbarkeit für den Mann in der damaligen Zeit vielleicht sechs oder sieben Jahre nach dem Krieg.