Speyer
Speyerer Stadtleben: Kämpfer, Christen, Kotprobleme
Videodreh im Domgarten: Ritter-Duell
Bewegungslos standen sie da: zwei Ritter mit Schwert, grauer Kapuze, brauner Jacke und braunen Stiefeln. Bei der Figurengruppe „Salische Kaiser“ im Domgarten schien am Morgen des – in Rheinland-Pfalz „nur“ kirchlichen – Feiertags „Heilige Drei Könige“ das Mittelalter wieder lebendig geworden zu sein. Die beiden Ritter waren allerdings keine Zeitreisenden, sondern Darsteller für einen Videodreh des Ludwigshafeners Andreas Hilgert. Zusammen mit Peter Skoda (zweite Kamera und Regieassistenz) filmte der Youtuber die Schauspieler vom asphaltierten Fußweg aus.
„Am frühen Morgen haben wir mit dem Dreh begonnen. Insgesamt hat er vier Stunden gedauert“, sagt Hilgert. Er sei schon häufiger für Videoaufnahmen nach Speyer gekommen, weil er das geschichtsträchtige Ambiente der Stadt sehr schätze. „Von vielen Passanten sind wir angesprochen worden, was da läuft. Mit Kindern haben unsere Darsteller manches Selfie gemacht“, blickt der Ludwigshafener auf die Dreharbeiten für ein neues Kurzvideo mit dem Titel „Das Duell“ am Dreikönigstag zurück.
Denn die Darsteller Michael und Tobias haben nicht bloß ein Stillleben abgegeben. Ihre Schwertkampfszenen ließen zahlreiche Fußgänger anhalten, etliche zückten ihr Smartphone und filmten das Schauspiel vom Weg aus. „Der Kurzfilm zeigt zwei Krieger, die sich bekämpfen. Der Sieger bereut am Schluss jedoch seinen gewaltsamen Sieg“, informiert Regisseur und Choreograph Hilgert über „Das Duell“. Das Video dazu hat der hauptberufliche Tanz- und Kampfkunstlehrer am Wochenende geschnitten und vertont. Seit Samstagabend ist es bei Youtube online: https://youtu.be/HddbjBPlMMw.
Andreas Hilgert hat sich vor ungefähr fünf Jahren mit seiner Leidenschaft fürs Filmen und Fotografieren selbstständig gemacht, wie er sagt. In seiner Heimatstadt Ludwigshafen ist er oft unterwegs, um „Menschen ein gutes Gefühl durch schöne Bilder zu geben“ – wie die RHEINPFALZ vor vier Jahren über einen Film Hilgerts zum Ludwigshafener Lichterzauber berichtete. Infos im Netz: https://andreas-hilgert.jimdosite.com.
Bahnhof: Toleranz für christliche Botschaft
Das Gute an Speyer: Es gibt immer etwas zu sehen. Der Hans-guck-in-die-Luft kann sich an den Kirchtürmen erfreuen, Geradeausblicker sehen interessante Menschen, und wer den Blick lieber auf den Boden richtet, bleibt auch nicht ahnungslos. Rund um den Bahnhof, wo die Polizei zum Beispiel mit aufgesprühten Botschaften gegen Fahrraddiebstahl sensibilisiert, ist nun eine christliche Botschaft hinzugekommen: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab“, hat jemand farbig, schwungvoll und alleine wegen der Größe nicht zu übersehen aufs Pflaster gemalt.
Da die Kreide im überdachten Bereich am Busbahnhof aufgebracht wurde, hat sie kein Regen beseitigen können. Weitere Kreidebotschaften an den Wänden daneben legen nahe, dass das bereits an Weihnachten 2021 so war. Es gibt Schlimmeres, als von Liebe zu berichten, mögen sich zum Beispiel auch Atheisten gedacht haben, und so ist das Sprüchlein, zu finden übrigens im Johannes-Evangelium, Kapitel 3 Vers 16, respektvoll erhalten geblieben in der laut Werbeslogan „Stadt der Kultur, Toleranz und Lebenslust“.
Weststadt: Zu viele Tretminen
Apropos auf den Boden blicken: In einigen Speyerer Straßen ist das definitiv angeraten – zum einen wegen des baulichen Zustands, zum anderen wegen der „Tretminen“ tierischer Urheberschaft, die dort lauern. Ein besonders negatives Beispiel in diesem Zusammenhang kann RHEINPFALZ-Leser Alfred Steinmetz aus Speyer-West beisteuern: Der Durchgang zwischen Gluckstraße und Mendelssohnweg sei in den vergangenen Tagen wieder dermaßen verschmutzt gewesen, dass ihm ganz anders geworden sei, berichtet der 89-Jährige empört. „Ich empfinde das als Ungehörigkeit“, sagt er. Er appelliert an Rücksichtnahme und fordert zudem Bußgelder von 20 Euro ein, wie sie in anderen Städten viel konsequenter verhängt würden. Steinmetz kann die Verfehlungen auf dem kleinen Weg sogar genau beziffern: „Auf sieben Meter fünf Ablagen innerhalb von zehn Metern.“