Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer Stadtleben: Der andere Weg zum Genuss

Bestücken die Vadderdags-Dudd und geben sie an Abholer aus: Christian Lied vom „Irish Pub Inside“ mit Partnerin Mira am Donnerst
Bestücken die Vadderdags-Dudd und geben sie an Abholer aus: Christian Lied vom »Irish Pub Inside« mit Partnerin Mira am Donnerstag vor der Gaststätte am Holzmarkt.

Speyer bewegt sich auch im Lockdown. Das Bild der Stadt verändert sich, und seine Bürger sind einfallsreich. Vor allem vielen Selbstständigen bleibt derzeit auch gar nichts anderes übrig. Zwei lobenswerte Initiativen und zehn neue Gelegenheiten zum Ausruhen von all der Betriebsamkeit.

Vadderdags-Dudd: Gute Idee aus der Gastronomie

„Eine Vadderdags-Dudd zum Mitnehmen, bitte!“ So oder so ähnlich wurden am Donnerstag „Haustürgeschäfte“ am „Irish Pub Inside“ am Holzmarkt abgewickelt. In der speziell zu diesem Anlass gepackten Tüte konnten unter anderem Bier, Weinschorle und Wurst von lokalen Händlern, bei Bedarf zudem ein vierteiliges Whisky-Tasting und zur musikalischen Unterstützung eine CD der Band „Fine R.I.P.“ gekauft werden.

„Hol doi Vadderdags-Dudd.“ Das hatte das Pub zuvor über Instagram und Facebook verkündet. Denn Vatertag darf schließlich auch unter Pandemie-Bedingungen und mit Hygiene-Konzept gefeiert werden: „Nachdem wir unter anderem schon zum Saint Patrick’s Day und zum Muttertag ein ähnliches Angebot gemacht hatten, wollten wir auf diese Weise auch den Vatertag feiern. Für uns ist dieser Tag immer ein tolles Ereignis“, erklärt Pächter Christian Lied. Sonst werde der Vatertag mit vielen Gästen, Livemusik im meist sonnigen Freisitz gefeiert. „Da all das bereits letztes Jahr ausfiel, wollten wir den Gästen zumindest etwas Abwechslung bieten.“

In Zusammenarbeit mit der Holystoner Brauwerkstatt, der Black Stork Braumanufaktur, dem Mechtersheimer Weingut Schmidt und dem Wurstwerk Krieger wurde also ein regionales Hilfspaket geschnürt. „Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig zusammenzuhalten. Deswegen haben wir das Ganze gemeinsam mit jungen, regionalen Unternehmen auf die Beine gestellt“, so Lied. Die Solidarität wurde belohnt, denn die Aktion war ein Erfolg. „Es war sehr schön, diese Unterstützung durch unsere Gäste zu erfahren. Getrennt durch eine Scheibe habe ich natürlich auch viele bekannte Gesichter gesehen.“ Wirtschaftlich komme er so zwar nicht an die Umsätze eines üblichen Vatertags ran, so Lied. „Aber sie geben Stärke und Motivation für die Zukunft.“

Testcenter: Alternative für Event-Veranstalter

Und noch ein junger Speyerer Unternehmer, der in Krisenzeiten nicht meckert, sondern zupackt: Daniel Ikkert, der seit dem 1. Mai an der Ecke zwischen Landwehrstraße und Wormser Landstraße ein Corona-Testcenter leitet. Der 22-Jährige veranstaltete in der Rhein-Neckar-Region schon länger U18-Partys, vor allem in Mannheim. Bevor erste Lockerungen beschlossen waren, eröffnete er zudem in Speyer-West in der Boschstraße das „Kalina“, ein Restaurant mit Bar, um dieses als Eventlocation, insbesondere für Hochzeiten oder Geburtstage, zu nutzen und im Winter im Restaurant umfangreiche Buffets und Livemusik anbieten zu können.

„Das lief auch sehr gut an. Der zweite Lockdown beendete aber auch dieses Projekt vorerst“, berichtet Ikkert. Er gründete als weiteres Standbein das Marketingunternehmen „Make it big media“. Und weil Speyer lange zu den Pfälzer Städten mit den höchsten Inzidenzwerten gehörte und an die Öffnung von Restaurants, Cafés und erst recht von Clubs und Diskotheken nicht zu denken war, beschloss der junge Geschäftsmann, auch ein Testcenter zu eröffnen. „Es muss viele Testcenter geben, dass vor allem ältere Bürger die Möglichkeit haben, ein Testcenter zu erreichen“, beschreibt er eine Motivation. Es sei ihm wichtig, alles so einfach wie möglich zu halten. Deshalb sei bei ihm auch keine Terminvergabe dem Test vorgeschaltet. „Einfach ohne Termin vorbeikommen und nach 15 Minuten mit Testzertifikat seinem normalen Alltag nachgehen“, erklärt er den Ablauf.

„In der ersten Woche nach unserer Eröffnung kamen fast ausschließlich Speyerer, die ein negatives Testergebnis benötigten, da sie in Neustadt ein Restaurant besuchen wollten“, hat Ikkert erfahren. Zunächst einmal stehe er täglich von 14 bis 19 Uhr im Testcenter. Zusätzlich habe er inzwischen das ehrenamtliche Projekt „Support your locals“ gestartet. Dabei biete er Einzelhändlern und Gastronomen aus der Region an, deren Angebote kostenlos auf mehreren Kanälen zu verbreiten, damit mehr Kunden auf diese aufmerksam würden.

Neue Altstadt-Bänke: Die bequemere Variante

Wer negativ getestet ist und sich am Holzmarkt vielleicht eine „Dudd“ abgeholt hat, kann sich zur ersten Erholung nebenan auf dem Fischmarkt niederlassen – und zwar seit wenigen Tagen besonders gemütlich. Die Stadtverwaltung informiert, dass die Neugestaltung des Mobiliars an diesem beliebten Zugang zur Altstadt abgeschlossen ist. Wie berichtet, mussten aufgrund starker Gebrauchsspuren zehn Sitzbänke abmontiert werden, welche nun ersetzt sowie durch vier neue Abfallbehälter ergänzt wurden. 30.000 Euro hat das Ganze laut Stadt gekostet. Es sei aber auch jeden Cent wert: „Bei der Beschaffung der Bänke wurde darauf geachtet, dass diese über Armlehnen verfügen und eine angenehme Sitzfläche und -höhe für Senioren sowie Menschen mit Behinderung haben.“

Event-Veranstalter in neuer Mission: Daniel Ikkert.
Event-Veranstalter in neuer Mission: Daniel Ikkert.
Neu, gemütlicher, schöner: Die Stadt hat die Sitzbänke und Mülleimer auf dem Fischmarkt erneuern lassen.
Neu, gemütlicher, schöner: Die Stadt hat die Sitzbänke und Mülleimer auf dem Fischmarkt erneuern lassen.
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