Speyer
Speyerer Schulen bekommen Lüftungsanlagen
Die Arbeitsgruppe „Lüftungssystem“ hat geliefert. Ergebnis: Das FMSG ist die erste Schule der Stadt, in der eine Abluftanlage für Klassenräume zum Einsatz kommt, wie sie das Max-Planck-Institut für Chemie entwickelt hat. Es handelt sich um ein Pilotprojekt, das nicht auf herkömmliche Lüftungsmodelle setzt, sondern geringere Kosten und einen Bestandteil der „Marke Eigenbau“ mit sich bringen soll. „Wir nehmen zunächst in einem Raum eine Installation vor, die dann auf ihre Zweckmäßigkeit geprüft wird“, sagt Schulleiter Erich Clemens auf Anfrage.
Die Speyerer Arbeitsgruppe habe in Zusammenarbeit mit einem Architekten und einem Experten für Lüftungstechnik ein Modell an die FMSG-Verhältnisse angepasst, das schon in Mainz zum Einsatz komme. „Dabei werden an mehreren Stellen im Klassenraum über den Schülern quasi Schirme aus Kunststoff aufgespannt, die die aufsteigende Luft einfangen. Sie sind nach oben hin offen, sodass die Luft über Kanäle nach außen geführt wird. Damit die Zirkulation unterstützt wird, ist ein leise permanent laufender Ventilator eingebaut“, erklärt der Schulleiter. So würden die Aerosole zum Großteil dauerhaft aus dem Raum getrieben. Das Stoß- und Querlüften im Winter könnte daher auf ein Mindestmaß beschränkt werden.
Kosten pro Anlage gering
Die Mainzer Max-Planck-Experten schwärmen von ihrem „einfachen und pragmatischen Vorschlag einer Low-Cost-Abluftanlage zum Selbstbau, die die Raumlufthygiene maßgeblich verbessern kann“. Sie ersetze das Tragen von Masken nicht, könne aber das Risiko der Ansteckung unter anderem mit dem Coronavirus verringern. Wissenschaftliche Untersuchungen zum genauen Grad der Wirksamkeit stünden indes noch aus. Die Stadt Speyer als Schulträger ist dafür offen: Anfang Januar war ihr Gebäudemanagement zu einem Ortstermin an der Schule, so Sprecherin Lisa Eschenbach. „Wenige Tage danach hat die städtische Hochbauabteilung bereits die Scheibe des Oberlichts gegen ein Paneel ausgetauscht, damit die für die Lüftungsanlage nötigen Kunststoffkanäle dort angeschlossen werden können.“
Die Materialkosten belaufen sich laut Max-Planck-Institut auf nur 200 Euro pro Klassenraum – eben weil auf Eigenbau gesetzt werden könnte. „Neben typischen Werkzeugen wie Zange und Schere sind einige spezielle Geräte wie ein Lötkolben für die Verbindung von Drähten oder ein Plastikschweißgerät sinnvoll.“ Vier bis sechs Leute könnten das in vier Stunden schaffen. In Mainz seien an einem Wochenende elf Klassensäle ausgestattet worden.
Bauteile sind bestellt
Für das Speyerer Pilotprojekt laufe nun die Bestellung der Arbeitsmaterialien, so Schulleiter Clemens. Nach Ansicht der Stadt können bei Interesse Schüler, Lehrer und Eltern einbezogen werden, um die Geräte einzubauen. Die Verwaltung hat auch schon bei anderen weiterführenden Schulen vorgefühlt, aber diese halten sich laut Eschenbach zurück. Am FMSG kann man sich jedoch mehr vorstellen, falls der erwartete Effekt eintritt. Erich Clemens: „Grundsätzlich ist eine großflächige Ausstattung der Schule angedacht.“
Zur Sache: Grund- und Förderschulen bekommen andere Modelle
Ein Pilotprojekt startet laut Stadtverwaltung demnächst an Speyerer Grund- und Förderschulen: Dort sollen probeweise Lüftungsanlagen installiert werden. 25 Lüftungsanlagen werden an den Grund- und Förderschulen testweise eingebaut – mit Ausnahme der Salierschule, die schon eine Anlage hat. Das teilte Stadt-Sprecherin Lisa Eschenbach auf Anfrage mit. Zuvor hatte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) das Projekt im Stadtrat angekündigt. Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) soll Details im Schulträgerausschuss erläutern.
Demnach sollen die Lüftungsanlagen, die zunächst auf Mietbasis angeschafft werden, im kommenden halben Jahr auf ihre Funktionalität getestet werden. „Somit werden wichtige Erfahrungswerte gesammelt, um nach Abschluss der Testphase zu entscheiden, ob und wie solche Lüftungsgeräte für die Zukunft fest angeschafft werden sollen. In diesem Fall müsste dann eine entsprechende Ausschreibung folgen“, sagt Eschenbach. Diese Woche sollen sie einsatzbereit sein.
Das Geld für das Projekt kommt von der Stadt. Das Land fördere zwar den Einbau von Lüftungsanlagen an Schulen finanziell, jedoch seien die Speyerer Schulen nicht förderfähig, weil sie nicht die „festgelegten Kriterien“ erfüllen, sagt die Stadt-Sprecherin. Konkret bedeute das, dass die Schulen über das Öffnen der Fenster lüften könnten.
In der Testphase sei der Einbau von Anlagen an den weiterführenden Schulen aktuell nicht geplant. Das Schwerd-Gymnasium und die Berufsbildende Schule hätten aber eigene Projekte laufen. Laut Eschenbach hat es vor Beginn der Pilotphase eine Abfrage durch das Schulamt an allen Speyerer Schulen gegeben, nach der vor allem Grund- und Förderschulen interessiert sind.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Es ist noch nicht zu spät
Gut, dass sich was tut bei den Lüftungsanlagen. Die Stadt und die Schulen bleiben realistisch.
Mit mehr Lüftungsanlagen in Deutschlands Schulen hätte ein zweiter Lockdown nicht verhindert werden können. Die Kritik, dass sich seit der ersten Schließung nichts getan habe an der Ausstattung der Schulen, läuft somit ein Stück weit ins Leere. Eine Stadt wie Speyer, die für 15 Schulen verantwortlich ist, hatte auch noch ein paar andere Aufgaben in der Corona-Krise des Vorjahres.
Insofern ist es gut, dass immerhin jetzt gehandelt wird. Sobald die Schulen wieder öffnen dürfen, werden einige davon – noch in Pilotprojekten – über Luftreiniger verfügen. Hoffentlich erzielen diese die erhoffte Wirkung und helfen auch nach der Pandemie.