Fragen und Antworten
Speyerer Hotels: Sorgenfalten an der Rezeption
War 2024 ein gutes oder ein schlechtes Jahr?
Das sehen die Betriebe unterschiedlich. Auffällig ist, dass einige Rückgänge verzeichnen, obwohl mit dem Binshof-Hotel und seinen 132 Zimmern ein großer Konkurrent erstmals nicht mehr am Markt war. „2024 war kein gutes Jahr“, sagt etwa Ulrich Deisinger, Inhaber des Hotels Löwengarten in der Paulstraße mit 65 Zimmern. Deren Auslastung von etwas über 60 Prozent sei schlechter als 2023 gewesen. Im längerfristigen Vergleich sei das „eher durchschnittlich“. Leicht rückläufig waren die Zahlen beim Hotel am Wartturm, wie Inhaber Christian Heck berichtet. In den sieben Serviced-Apartments, die zu seinen 18 Zimmern kommen, sei sie hingegen gewachsen. Im Hotel Zum Augarten in der Rheinhäuser Straße war die Betreiberfamilie Schmitt „grundsätzlich zufrieden“, auch wenn sie Umsatzeinbußen von zehn Prozent verzeichnen musste. Über ein gutes Jahr mit stabiler Auslastung berichtet das Hotel Sperling im Neudeck. Positiv sind die Signale vom Amedia Plaza in der Postgalerie (117 Zimmer, „insgesamt ein gutes Jahr“) und vor allem von der Jugendherberge (234 Betten): Deren Vorstandsvorsitzender Jacob Geditz spricht von einem sehr guten Jahr – nicht zuletzt aufgrund des wie 2023 gesteigerten Besucherrekords mit nun 51.150 Übernachtungen (+405).
Und wie wird 2025?
Die Jugendherberge will „die guten Zahlen stabilisieren“, das Amedia Plaza rechnet mit einem „Wachstum, was die Belegung und Auslastung betrifft“, wie Stefan Rybkowski von der Betreibergesellschaft HR Group mitteilt. Das Unternehmen habe „große Ziele“ und die Fähigkeit „zu investieren, um die Performance weiter zu steigern“. Im Hotel am Wartturm blickt Inhaber Heck optimistisch auf 2025, rechnet jedoch damit, „dass unsere Kunden verstärkt preisbewusst agieren“. Der Finanzaspekt dämpft auch die Erwartungen im Löwengarten: Die Kostensteigerungen seien die großen Herausforderungen, so Inhaber Deisinger. Er beobachtet, dass in der Postgalerie die internationale HR Group „teilweise mit extrem niedrigen Raten auf den Markt geht“, was wiederum seine Möglichkeit, Preissteigerungen in Speyer durchzusetzen, begrenze. Seine Erwartungen für 2025 seien daher verhalten. Das Hotel Sperling lebt laut Inhaberin Claudia Sperling zu 80 Prozent von Geschäftsleuten. Sie ist optimistisch, die Zahlen zu halten. Im Augarten-Hotel hofft man vor allem auf eine „stabile Politik“, um erfolgreich sein zu können.
Hohe Kosten und Gäste unter Spardruck – welche Strategien sind die richtigen für die Beherbergungsbetriebe in einer solchen Zeit?
Die Betriebe halten sich mit großen baulichen Investitionen zurück. Steigende Kosten geben sie allenfalls zum Teil weiter. Christian Heck vom Hotel am Wartturm setzt seine Hoffnungen etwa in Investitionen in Qualität, in den Werterhalt der Zimmer, in Digitalisierung und ins Personal. „Wir werden mit frischen Ideen überzeugen“, kündigt er an. Eine Rolle könnten dabei die positiven Trends bei den Serviced-Apartments oder das steigende Interesse am gastronomischen Angebot für einheimische Frühstücksgäste sowie für Trauergesellschaften spielen. „Größere Investitionen sind erst mal nicht geplant, da wir die wirtschaftlichen Entwicklungen abwarten wollen“, teilt die Familie Schmitt aus dem Neuland mit, wo sich die Ertragssituation geschmälert habe. Im Löwengarten wird bewusst auf Preissteigerungen verzichtet, obwohl diese laut Inhaber Deisinger aufgrund der Kostenentwicklung nötig wären. Ein Hoffnungsschimmer für ihn: die wieder bessere Verfügbarkeit von Personal. Die Jugendherberge will mittelfristig Gästezimmer im älteren Gebäudeteil aufwerten, hat dafür aber noch keinen Zeitplan.
Welche Rolle spielt Speyer als Tourismusstandort für die Betriebe?
Speyer ist eine Tourismus-Stadt, aber keine Hotel-Stadt. Die rund 300.000 Übernachtungen pro Jahr – in der Corona-Zeit eingebrochen, seither auf Erholungskurs – machen nach Kenntnis von Hotelier Christian Heck nur zehn bis 15 Prozent des gesamten touristischen Volumens aus. „Das ist beachtlich wenig im Vergleich zu vergleichbaren Destinationen.“ Zum Beispiel an der Weinstraße sei das „komplett anders“, stellen die Schmitts aus dem Augarten fest. Die Anzahl der Tagestouristen überschreitet in Speyer Hochrechnungen zufolge jährlich die fünf Millionen. Wer sich den Speyerer Hotelgast vorstelle, dürfe sich aber nicht auf die aus der Maximilianstraße vertrauten Menschen mit Fotoapparat konzentrieren, so Heck: „Ein Großteil der Übernachtungsgäste in Speyer sind Business-Gäste.“ Die touristischen Akzente der Stadt kämen den Hotels nur bedingt entgegen, sagt auch Claudia Sperling: „Der Schiffstourismus ist für uns kontraproduktiv.“ Der Dom und das Technik-Museum – übrigens mit eigenem Hotel ausgestattet – brächten ihr keine Gäste in hoher Anzahl ins Haus. Anders sieht das bei der Jugendherberge aus, so Vorstandschef Geditz: „Speyer ist für unsere Gäste mit seinem Freizeitangebot eine attraktive Stadt.“
Wäre mehr Unterstützung von städtischer Seite erforderlich?
Dazu würde kein Betrieb nein sagen. Beim Amedia Plaza spielen laut Pressesprecher Rybkowski „offizielle Tourismuskanäle nur eine untergeordnete Rolle“. Man sei aber „offen für konstruktive und zielgerichtete Vorschläge“. Ulrich Deisinger vom Löwengarten betont, dass sein Hotel „die Hausaufgaben gemacht“ habe, sich jedoch wünschen würde, „dass die Stadt Speyer eine Tourismusstrategie entwickelt und umsetzt“. Der Tourismus in der Stadt stagniere „noch auf einem vernünftigen Niveau“. Er gehe jedoch davon aus, dass der Stagnation eine Rezession folgen wird. Dem müsse entgegengewirkt werden. Ein „proaktives, partnerschaftliches, aber auch mutiges Miteinander mit der Stadt“ wünscht sich Christian Heck vom Hotel am Wartturm. Noch Potenzial biete etwa die „Workation“, die Kombination von Arbeit und Urlaub: Um Geschäftsreisende müssten geworben werden, damit sie Tage in Speyer anhängen. Auch im Hotel Sperling werden mehr Hilfsmöglichkeiten gesehen. Betreiberin Claudia Sperling nennt als Stichworte die städtischen Parkgebühren, über deren Höhe sich Kunden beschwerten, den Ausbau des öffentlichen Verkehrs aus Speyer zum Hockenheimring an Konzertterminen und mehr Publikumsmagneten in der Domstadt selbst wie der frühere Nachtumzug der Guggemusiker.
