Speyer
Speyerer haben Ideen für „ihren“ Bahnhof
Die Neugestaltung hat zahlreiche Komponenten. Im 1,5-Millionen-Euro-Projekt sind etwa zusätzliche Begrünung und mehr Aufenthaltsqualität auf dem Bahnhofsvorplatz vorgesehen. Dazu gab es am Donnerstag viel Zustimmung von den mehr als 100 Interessierten, die sich ab 16.30 Uhr bis zum Abend an der Veranstaltung vor dem Bahnhof beteiligten.
Bei einem Detail wie der Verlegung des Taxistands sowie von Kurzzeitparkplätzen in die gegenüberliegende Prinz-Luitpold-Straße sah es schon anders aus. Eine Gruppe, hinter der rund 50 Anwohner stünden, übergab einen Offenen Brief, der dies ablehnt. Sie befürchten in den angrenzenden Wohnstraßen „deutlich gesteigertes Verkehrsaufkommen mit Lärmbelästigung und erhöhter Gefährdung“. Auch der geplante Wegfall von 13 Anwohner-Parkplätzen sei inakzeptabel. Die Stadtverwaltung teilt in einer ersten Reaktion darauf mit, ihr sei klar, „dass wir einen anderen Stellplatz für die Taxen finden müssen“.
Alternativen für die Taxis
„Es ist gut, dass die Stadt auf Kritik mit dieser Bürgerbeteiligung reagiert hat“, sagt vor dem Bahnhof Siegbert Brand, einer der betroffenen Nachbarn. Es hat den Offenen Brief dabei und freut sich, dass schon Alternativpläne gezeichnet wurden. Ein Vorschlag für einen neuen Taxistand ist demnach nördlich angrenzend ans Bahnhofsgebäude, wo die Bahn aktuell Abfallcontainer abgestellt hat. „Die Bahn wäre bereit, uns die Fläche dafür zu überlassen“, berichtet die städtische Abteilungsleiterin für Stadtplanung Kerstin Trojan. Vorschlag zwei: Bei einer Neugestaltung des Omnibusbahnhofs könnte Platz für Taxen geschaffen werden. Alternative drei, Taxen südlich des Bahnhofs, wäre schwieriger umzusetzen, so Trojan: Dafür sei der heutige Parkplatz zum Biomarkt hin in den Blick genommen worden, der jedoch auch neuer Standort eines vergrößerten Fahrrad-Parkhauses werden solle. Dieses könnte zwar über den Taxibereich gebaut werden, das wäre aber aufwändig und wegen vieler Nutzer auf kleinem Raum nicht ungefährlich.
„Das sind interessante Alternativen“, betont Ute Häfele, Anwohnerin aus der Bahnhofstraße, die mit dem ursprünglichen Taxistand-Vorschlag ebenfalls fremdelt. Ihr bereiten auch die dunklen Ecken Sorgen, die sich durch eine Verlagerung des Fahrrad-Parkhauses zusätzlich ergeben würden. Nachbarn diskutieren angeregt mit ihr. Die drei Männer bemängeln das Parkhaus an sich – die Diebstahlgefahr sei hoch, und es stehe nur „Schrott“ drinnen, weil eine Überwachung fehle. Auch das Privathaus gegenüber dem Bahnhof ist für sie ein Thema: Das frühere Lokal „Pentagon“ werde zum Schandfleck und Tauben-Hort „wie am Markusplatz“.
Neuer Radfahrstreifen
Dass über die Position der Taxis überhaupt diskutiert wird, hat damit zu tun, dass deren Stellfläche an der Bahnhofstraße wegfallen soll. Hier soll die Fahrbahn verbreitert und ein Radfahrstreifen markiert werden, um das bisher konfliktträchtige Miteinander von Fußgängern und Radlern direkt vor dem Bahnhof zu beenden. Auch darüber wird am Donnerstag debattiert. „Zumindest eine kleine Schwelle“ wird auf einer Karte gefordert, die ein Bürger an eine städtische Plakatwand gepinnt hat. Sie würde verhindern, dass der Radweg „von Kurzzeitparkern missbraucht“ wird.
Offene Fragen zu klären
Trojan und weitere städtische Mitarbeiter um Fachbereichsleiter Robin Nolasco zeigen sich zufrieden mit den Ergebnissen. Es seien viele Meinungen gesammelt worden. „Wir wollten schauen, wie gut die Akzeptanz der Pläne ist“, so Trojan. Sobald die städtischen Plakatwände aufgestellt gewesen seien, hätten Bürger das Gespräch gesucht – und das permanent, bis über den offiziellen Abschluss um 19 Uhr hinaus. Im Rathaus sollen nun die Ergebnisse zusammengetragen und offene Fragen geklärt werden, bevor Entscheidungen getroffen werden. Es gehe bei diesen Fragen um den noch nicht konkret geplanten Umbau des Busbahnhofs, um die Frage, ob auch ein größerer Bereich der Bahnhofstraße umgebaut werden soll, und um den südlichen Anbau des Bahnhofs: Er wird laut Trojan heute kaum genutzt. Wenn die Stadt ihn erwerben dürfte, könnte sie flexibler planen.
Umfrage
Wer seine Meinung zum Bahnhofsumfeld online abgeben will, kann sich an einer städtischen Umfrage beteiligen, die bis Sonntag, 1. Oktober, läuft: Sie findet sich unter www.speyer.de/bahnhofsumfeld.