Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer erfüllt sich seinen Traum mit eigenem Kettenkarussell

„Kettenflieger“: Helmut Golz (rechts) und Nicola Ermer in der Kita Haus des Kindes in Landau.
»Kettenflieger«: Helmut Golz (rechts) und Nicola Ermer in der Kita Haus des Kindes in Landau.

Um Anderen eine Freude zu machen, hat der Speyerer Helmut Golz (67) ein altes Kettenkarussell gekauft und modernisiert. Mit seinem Schwiegerenkel Nicola Ermer (27) betreibt er das Fahrgeschäft mit Hygienekonzept: an kommenden Sonntagen im Technik-Museum. Das Karussell kann man auch privat buchen.

„Hausmeister im Kindergarten, das wäre mein Traumberuf“, sagt Helmut Golz. Seine Augen strahlen und er lächelt selig. Das Betreiben eines Kettenkarussells entspricht zwar nicht ganz diesem Ideal, doch es scheint seinem Traum schon sehr nahezukommen. Ohne den Landauer Nicola Ermer, der seine Enkelin Jördis Golz geheiratet hat, hätte der studierte Betriebswirt sich auf dieses Abenteuer jedoch nicht eingelassen. „Wir ergänzen uns gut: Ich kümmere mich um das Kaufmännische, Nicola ist für die Technik zuständig“, sagt der Speyerer.

Nichtstun kommt für Golz auch im Ruhestand nicht in Frage. Nachdem er 2012 als Logistiker bei der BASF in Ludwigshafen in Rente gegangen ist, schiebt er keine ruhige Kugel. Vielmehr ist der 67-Jährige als Hausmeister in einem Mehrfamilienhaus engagiert. Als sich im vergangenen Jahr sein Bekannter Kurt Riedel mit 84 Jahren zur Ruhe gesetzt hat, sah Golz seine Chance gekommen, auch etwas für Kinder zu tun. Denn Riedel hat in Darmstadt selbst Karussells gebaut, betrieben und verliehen. Zu den Fahrgeschäften zählte ein 1994 gebautes Kettenkarussell mit 16 Plätzen.

Selbst in Schuss gebracht

Das Karussell hat zwei Räder an einer Achse und kann wie ein gewöhnlicher Anhänger von einem Auto gezogen werden. Nach reiflicher Überlegung kaufte Golz das Fahrgeschäft und machte sich umgehend an Restaurierung und Modernisierung. „Wir haben das Allermeiste selbst gemacht“, sagt er. Zu den Neuerungen zählen Motive mit Tieren in Fluggeräten auf den Planken, die Bedienung per Funksteuerung, ein elektrisch betriebenes Rad an der Anhängerdeichsel und ein Not-Aus-Schalter. Die Aufarbeitung des Karussells sei aufwendig gewesen. „Fürs Frühjahr hatten wir dann mehrere Buchungen, zum Beispiel beim Caritas-Förderzentrum St. Lukas in Speyer. Doch Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, bedauert Golz.

Nicola Ermer hat Digitale Medien an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim studiert und arbeitet seit vier Jahren bei der Heidelberger Druckmaschinen AG; fast zwei Jahre davon als Assistent des Vorstands, seit vier Monaten als Sales Excellence Manager bei der Heidelberg Digital Unit GmbH. Seine Ausbildung und Berufserfahrung kam dem 27-Jährigen bei der Gestaltung der Webseite für das Karussell zu Gute. Unter www.kettenflug.de finden sich nicht allein Fotos von dem Fahrgeschäft im Einsatz, auch die genauen Buchungsbedingungen für das „Kinderkarussell mit authentischem Nostalgie-Flair“ sind dort zu finden: von den Stunden- und Tagespreisen bis hin zum Haupteinsatzgebiet im Umkreis von 50 Kilometern um Speyer. Die Buchung online ist möglich.

„Ich habe in die Webseite viel Zeit investiert“, sagt Ermer. Die zwischenzeitliche, durch Corona bedingte Kurzarbeit bei „Heidelberg“ sei für ihn kein Grund gewesen, sich auf die Couch zu legen. Viel lieber habe er sich neben dem Online-Auftritt des „Kettenflug“ genannten Karussells, um dessen Design – Tiermotive – und um Gestaltung und Druck von Flyern gekümmert. Darüber hinaus hat der 27-Jährige das wegen der Pandemie nötige Hygiene-Konzept für den Karussell-Betrieb mit ausgearbeitet.

Jetzt im Technik-Museum

Das Team Golz und Ermer hat die Stadt Landau mit ihrem „Geschäftsmodell“ überzeugt und betreibt an den Ferien-Freitagen und Samstagen, jeweils von 10 bis 18 Uhr, an der Stiftskirche den „Kettenflug“. Mit einem Euro ist ein Kind von circa zwei bis neun Jahren und maximal 45 Kilogramm Gewicht dabei. Für fünf Euro gibt es sieben Fahrten. An der Stiftskirche hat das Karussell seine Premiere erlebt, zwischenzeitlich ist es auch bei einer Kita im Einsatz gewesen: Dabei sind jeweils bloß acht der 16 Sitze eingehängt gewesen, um den nötigen Mindestabstand zu wahren. Außerdem würden die Sitze und Ketten nach jeder Fahrt desinfiziert.

Diese Hygieneregeln werden auch im Technik-Museum zwischen dem riesigen Propellerflugzeug Antonow An-22 und dem Seenotkreuzer John T. Essberger eingehalten, wie Golz und Ermer betonen. Dort dreht sich der „Kettenflug“ an den beiden kommenden Sonntagen jeweils von 11 bis 16.30 Uhr kostenlos für kleine Museumsbesucher – und für den guten Zweck, weshalb Spenden willkommen sind. „Die Einnahmen spenden wir komplett an das Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen“, sagt Helmut Golz. Die Spendenübergabe ist für Ende August im Museum geplant.

Termine Das Kinderkarussell „Kettenflug“ ist an den Ferien-Freitagen- und Samstagen, 10 bis 18 Uhr, bei der Landauer Stiftskirche und an den Sonntagen, 2. und 9. August, 11 bis 16.30 Uhr, auf dem Außengelände des Technik-Museums Speyer im Einsatz.

Termine

Das Kinderkarussell „Kettenflug“ ist an den Ferien-Freitagen- und Samstagen, 10 bis 18 Uhr, bei der Landauer Stiftskirche und an den Sonntagen, 2. und 9. August, 11 bis 16.30 Uhr, auf dem Außengelände des Technik-Museums Speyer im Einsatz.

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