Speyer
Speyer: Zur inneren Einkehr in den Sonnenaufgang
Das Wandern ist des Müllers Lust und nicht nur im Herbst für viele Pfälzer eine der liebsten Freizeitbeschäftigung. In Speyer und Umland gibt es zahlreiche organisierte Wandergruppen. In dieser Serie geben Verantwortliche Wandertipps. Heute: der Speyerer Domkapitular Franz Vogelgesang, der im Bistum Speyer für das Pilgern zuständig ist.
Von Hütte zu Hütte mit Freunden: Das ist die Lieblingsbeschäftigung von Vogelgesang (57) im Urlaub. So oft es seine Zeit erlaubt, wandert er am Wochenende durchs saarländische Bliesgau. Da war er Pfarrer. Da kommt er her. An die Wanderungen in seiner Kindheit mit den Eltern hat Vogelgesang nicht so gute Erinnerungen. „Da wurde man mitgeschleppt“, sagt er. Dennoch wurde in dieser Zeit der Grundstein für die Leidenschaft gelegt, der er heute noch nachgeht. Während des Studiums in Bayern hat er die Gegend zu Fuß erkundet, als Kaplan die Natur in Speyer und drum herum kennengelernt. Mit seinem Bruder geht er jedes Jahr auf Gebirgstour in die Alpen. Seit 30 Jahren gehört er dem Alpenverein an und bildet inzwischen Pilgerführer aus.
„Ich bin der absolute Bergtyp. Ferien am Meer könnte ich nie machen“, ist Vogelgesang überzeugt. Wandern sei die Art der Fortbewegung, die dem Menschen am nächsten komme, sagt er. „Ich ergehe die Berge statt sie zu erfahren.“ Gerade ist der Priester zurück von einer Diözesan-Wallfahrt in Santiago de Compostela. „Pilgern ist nicht wandern“, betont er. „Wandern geht alleine oder in der Gruppe, pilgern hat ein äußeres und inneres Ziel.“ Vogelgesang ist im Bistum zuständig für Wallfahrten und Pilgern. Für das Buch „Ausgewählte Pilgerorte im Bistum Speyer“ mit vielen Ideen für Wandertouren hat er das Vorwort geschrieben. Jeden Weg hat er erwandert. Sein Pilger-Stempelheft ist voll.
Freund des Pfälzerwalds
Vogelgesangs Lieblingsstrecke ist die Pilgertour von Annaberg bei Burrweiler nach Speyer. Am liebsten geht er sie in der Nacht zum 15. August in den Sonnenaufgang. „In diesem Jahr sind rund 100 Pilger mitgegangen“, erzählt er. Aber auch tagsüber habe die Strecke zu allen Jahreszeiten ihre Reize, betont Vogelgesang. „Wandern entschleunigt, lässt Luft zum Atmen, die Gedanken schweifen.“ Besonders schätzt Vogelgesang die Hüttenkultur im Pfälzerwald. „Alles in allem ist Wandern ein Rundum-Paket für Leib und Seele“, sagt er. „Laufen bewegt Körper und Geist“ – das habe er selbst immer wieder erfahren. Die Müdigkeit am Ende des langen Weges sei getragen von Wohlbefinden und dem Bewusstsein, etwas Außergewöhnliches erreicht zu haben, sagt er. Wichtig sei Zeit für ausgiebige Einkehr an den Stationen, betont er. „Und sich die Zeit zu nehmen, stehen zu bleiben und die Gegend zu genießen.“
Auf dem Weg vom Annaberg nach Speyer tauchten Fragen nach dem Ursprung des Lebens auf, berichtet er von gleichzeitiger Seelsorge und Therapie unterwegs. Besonders liebt er die frühen Morgenstunden. „Durch den Nebel in die aufgehende Sonne zu sehen, ist einfach unbeschreiblich“, schildert er unvergessliche Eindrücke zwischen Dudenhofen und Speyer.
Daten & Fakten
- Die Tour: Start an der Wallfahrtskapelle auf dem Annaberg bei Burrweiler (Südliche Weinstraße), Ziel Speyer.
- Kennzahlen: Rund 32 Strecken-Kilometer, neun Stunden Gehzeit über die Stationen Burrweiler, Bahnhof Edesheim, Gommersheim, Harthausen, Dudenhofen, Speyer. Auch Teilstrecken sind möglich.
- Anreise: mit dem Auto über Edenkoben oder mit dem Zug nach Neustadt. Ab dem Bahnhof fährt der Bus der Linie 500 (Landau) rund 45 Minuten nach Burrweiler.