Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyer: Spezialisten präsentieren harte Fakten

Klagt über langsamen Breitbandausbau: Nicole Rabold (IHK).  Foto: lotz/IHK/FREI
Klagt über langsamen Breitbandausbau: Nicole Rabold (IHK).

„Jeder ist von Veränderung betroffen.“ Steffen Detzel (EL-NET Innovation GmbH) hat bei der Speyerer Tischrunde der Industrie- und Handelskammer Pfalz (IHK) eine Binsenweisheit formuliert. Munter wird es, als er daraus Schlüsse zieht, als Nicole Rabold (IHK) das „schnelle Internet“ erklärt und für Glasfaser in jedes Speyerer Haus geworben wird. Gut, dass es noch was von der „Curry-Sau“ gibt.

Wetter (lauer Spätsommerabend), Location (Hof & Garten Stuhlbrudergasse 5), Themen (Zukunft/aktuelle Herausforderungen) sowie Gastgeber (Silvia Kohlberger und Stefan Detzel, Geschäftsführer-Ehepaar der Speyerer EL-NET Innovation GmbH) boten am Dienstagabend den idealen Rahmen für die IHK-Tischrunde Speyer. Harte Facts in weicher Luft, von Unternehmern für Unternehmer. Gesprächsstoff satt war für alle da.

Detzel (59), in Herxheim in der Südpfalz geborener studierter Sozialpädagoge und Betriebswirt, formulierte klare „Lernziele“ zum Thema „Veränderung“. Das EL-NET-Geschäft ist Beratung bei notwendiger „Restrukturierung“, „Personal-Transformation“ oder „Outplacement“, vulgo oft Personalabbau und notwendige „berufliche Neuorientierung“.

Kunden der EL-NET mit Hauptsitz in München und Niederlassungen in Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, München sowie diversen temporären Büros („Die Gruppe zählt zu den drei größten der Branche“) sind Firmen, aber auch „Privat-Personen als Selbstzahler“, aktuell etwa Mitarbeiter „eines großen Chemieunternehmens in der Region, das Arbeitsplätze abbaut“, so Geschäftsführer Detzel.

Er betonte die hohe Bedeutung „richtiger Kommunikation“ in einem solchen notwendigen Prozess. Mit „Nenne Ross und Reiter“, „Rechtfertige Dich nicht, lass den Hintergrund verstehen“ und „Sprich über Werte“, formulierte er drei einfache Regeln.

Richtig kommunizieren

„Eine Veränderung gelingt nur so gut, wie sie kommuniziert wird“, schrieb Detzel den interessierten Zuhörern ins Stammbuch. Zeitpunkt, Art der Ansprache, Inhalt der Botschaft und letztlich die Frage „Wie verhalte ich mich als Entscheider, der führen will und muss, in dem Prozess“ seien die Punkte, bei denen Beratung helfen könne, das Ziel zu erreichen.

Die Firma EL-NET Kommunikation, der Name ist eine Kurzform für „Executive Leadership Network“, habe die richtigen Instrumente dafür im Koffer, gelang dem Geschäftsführer mühelos der Umstieg auf das Portfolio seines Hauses für große wie kleine Firmen. Beratungspakete gibt es über drei, sechs bis zwölf Monate und mehr. Sogar in den ersten 100 Tagen nach einer „Transformation“ ist El-Net für seine Kunden da.

IHK in ernster Sorge

Die IHK macht sich ernste Sorgen um das Tempo beim Breitbandausbau in Deutschland. Das machte Nicole Rabold, Leiterin Geschäftsbereich Infrastruktur und Digitale Wirtschaft bei der IHK Pfalz, deutlich. Bund, Land und Kommunen seien zwar auf dem Weg dahin. Die Versorgung mit Breitband – und zwar FTTB („Fiber to the Building, Glasfaser bis ins Haus“) – sei mit gerade einmal drei Prozent im internationalen Vergleich extrem schwach. Für 90 Prozent der Unternehmen, das hat laut Rabold eine Umfrage der IHK im vergangenen Jahr bei 900 Unternehmen gezeigt, ist der rasche Ausbau der größte Wunsch an die Politik – mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit. Die IHK sei als Interessenverband Ansprechpartner, der bei der Politik Druck mache, bat Rabold um entsprechende Hinweise der Firmen. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) forderte sofort „aus Sicht der Kommunen eine einheitliche Strategie beim Ausbau. Nicht dass es im Stadtteil Nord weiße Flecken gibt und in der Innenstadt alles abgedeckt ist und funktioniert“.

Gute Verkäufer

Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Bühring will ernst machen mit FTTB in Speyer, kündigte er an. 67 Millionen Euro will er in die Hand nehmen, um innerhalb von fünf bis sieben Jahren Glasfaser in jedes Haus in Speyer zu bringen – die letzten zehn Meter sogar kostenlos. In einem Pilotbereich – von Auestraße bis Mausbergweg – soll der Test laufen. Im Spätjahr 2020 könnte Baubeginn sein, ab 2021 könnte angeschlossen werden. Preis: von 19,50 bis 39,50 Euro im Monat für 250 bis 1000 Mbit. In witzigen Filmchen war das „Smart Home der SWS“ in Speyer schon wahr geworden. Seit dieser Woche läuft die Akquise. Ergebnis des Bühring-Auftritts: Riesen-Thema und Interesse im EL-NET-Garten bei Schmackhaftem aus dem Catering-Wagen der „Curry-Sau“ und gut gekühltem Wein.

Volksbank-Vorstand Till Meßmer, Vorsitzender der IHK-Tischrunde, musste doch noch düstere Nachrichten loswerden: Die Anzeichen einer Rezession verdichten sich. Betroffen sind alle Sektoren. Ausnahmen derzeit noch: Bauwirtschaft und privater Konsum. Die Negativzinsphase hält an. „Wir Banken werden die Strafzinsen an die Kunden weitergeben müssen“, kündigte er an und sprach von „spannenden Zeiten“. Karen Lill, Organisatorin des Treffens seitens der IHK, räumte auf Anfrage ein: „So verkaufsorientiert waren wir noch nie bei der Tischrunde. Aber es ist am Bedarf orientiert.“ Sie weiß spätestens seit Dienstagabend auch wieder: „Jeder ist von Veränderung betroffen.“

Bietet Beratung i in schwierigen Fällen; Stefan Detzel (EL-NET). Foto: EL-NET/FREI
Bietet Beratung i in schwierigen Fällen; Stefan Detzel (EL-NET).
Sieht Anzeichen einer Rezession: Till Meßmer (VR-Bank) . Archivfoto: Lenz
Sieht Anzeichen einer Rezession: Till Meßmer (VR-Bank) . Archivfoto: Lenz
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