Speyer
Speyer-Platz in Chartres soll neu entstehen
Als eine 30-köpifge Delegation aus Speyer kürzlich auf Bürgerreise in Chartres war, erhielt sie eine Stadtführung, die nicht nur zu den Schokoladenseiten der westfranzösischen Stadt ging. Man traf sich auch im Problemviertel „Beaulieu“. Dort liegt unter anderem der „Speyer-Platz“, mit dem die Partnerstadt geehrt wird. Der pfälzischen Delegation fiel auf: Er hat wie Teile des Viertels schon bessere Zeiten gesehen. „Beaulieu“ – übersetzt „schöner Ort“ – war seit den 1960er-Jahren entstanden und geprägt von Wohnblöcken. Diese entsprachen überwiegend nicht mehr den heutigen Anforderungen. Der für Partnerschaften zuständige Dezernent Patrick Géroudet spricht gegenüber der RHEINPFALZ von einer Sozialwohnungsquote von 92 Prozent.
Die über die Jahre entstandenen Probleme kennen auch viele deutsche Städte: Versiegelung, Energieverschwendung, fehlender Komfort, begrenzte Lebensqualität. Seit 2005 läuft deshalb ein weitreichender Umbau des Viertels. Für die Jahre 2025 bis 2035 ist dessen dritte Phase angesetzt, die mehr als 100 Millionen Euro kosten und unter anderem einen neuen „Speyer-Platz“ bringen soll. 731 Wohnungen sowie mehrere Grün- und Sportanlagen sollen entstehen. Bisher überwiegend fürs Parken genutzte Betonwüsten sollen verschwinden. Parkflächen werden unter die Erde verbannt. Vor Abrissen wird nicht zurückgeschreckt.
„Bis jetzt wurden 1038 von einst 1546 Wohnungen beseitigt und nach der Regel ,Eine neue für eine beseitigte Sozialwohnung’ ersetzt“, erklärt Géroudet. Es soll eine gute Mischung entstehen, zu der auch kleinere Wohngebäude sowie Geschäftseinheiten gehören. Letztgenannte sind in der Nähe des Speyer-Platzes schon fertiggestellt worden.
Die Speyerer Freunde werden die Veränderungen in der 38.000-Einwohner-Stadt auch bei ihren Besuchen in den kommenden Jahren aufmerksam verfolgen. Der in der Spitze seit dem Frühjahr neu aufgestellte Freundeskreis pflegt die Partnerschaft mit Unterstützung der Stadt. Er schwärmt von „gelebter Freundschaft und interkultureller Begegnung“ bei der jüngsten Bürgerreise, die Teilnehmer von 14 bis 95 Jahren zusammengebracht habe, wie es Mitglied Gérard Ribeiro ausdrückt.
Die Herausforderungen werden auf beiden Seiten gleichermaßen gesehen. „Uns geht es vor allem darum, die Zukunft unserer Partnerschaft zu sichern“, umschreibt es der langjährige Chartrainer Verantwortliche Géroudet. Deshalb will er einen Schwerpunkt im schulischen und sportlichen Austausch setzen. Bei den Feuerwehren, den Rotary Clubs oder Brauchtumsgruppen gebe es ebenso wie im Kulturbereich schon gewachsene Kontakte. In den Bereichen Theater, Sport und Nachhaltigkeit würde er gerne neue Verbindungen fördern.