Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyer: Neujahrskonzert der Stuttgarter Saloniker im Wilhelmsbau

Die Stuttgarter Saloniker mit dem Pfälzer Patrick Sieben (Zweiter von rechts).
Die Stuttgarter Saloniker mit dem Pfälzer Patrick Sieben (Zweiter von rechts). Foto: Veranstalter

Auch gut Mitte Januar machen Neujahrskonzerte noch Spaß, wie die Matinee der Stuttgarter Saloniker am Sonntag im voll besetzten Wilhelmsbau des Technikmuseums, wo die Hits unserer Urgroßeltern, live mit Streichern, Klarinette und Klavier gespielt, besonders gut mit den rundherum ausgestellten Apparaturen unserer Urgroßeltern, die erstmals den Klang von Musik speichern konnten, zusammen passten.

Die Stuttgarter Saloniker haben zwar ihr Hauptquartier in Murrhardt in Württemberg, ihr Leiter Patrick Sieben aber ist ein „echter Pälzer Bu“ (Originalton Sieben), gebürtig aus einem Weingut in Deidesheim.

Das hört man auch, außerdem kann er Anekdoten erzählen und Sprüche klopfen wie nur ein „echter Pälzer“ das kann, zum Vergnügen der Zuhörer, die eins ums andere Mal in Gelächter ausbrachen.

Schlittenglöckchen fürs Publikum

Höhepunkt dieses Zusammenwirkens von Publikum und Orchester für möglichst großen Spaß war der Schlusspunkt des offiziellen Programms, die „Petersburger Schlittenfahrt“, bei der Sieben dem Publikum die Schlittenglöckchen in die Hand drückte. Die Teilnehmer durften dann mit rasseln – ein paar Takte lang, dann weitergeben, bis alle mal dran waren.

Sieben machte es vor, galoppierte höchstselbst rasselnd durch den Raum, die Pferde imitierend, die anno dunnemals, als es noch richtige Winter mit Schnee und Eis gab, für einen Ausflug vor den Schlitten gespannt wurden – von Speyer aus etwa Richtung Dudenhofen oder Berghausen. Die Mutter fuhr mit, damit Vater und der vorgespannte Max nicht etwa zu schnell wurden, und die Kinder waren die Ersten, die im Schlitten saßen – so bekam die Musik doch gleich einen Pfälzer Anstrich.

Auch Beethoven schrieb Walzer

Galoppiert, aber nur musikalisch, wurde auch zu Beginn mit dem „Sturmgalopp“ des böhmischen k.u.k. Militärkapellmeisters Karel Komzak, ehe die „Saloniker“ in den Wiener Walzer einwechselten mit der Ouvertüre der „Fledermaus“ von Johann Strauß, „dem ersten Mega-Star der Musik“ laut Sieben, der mit seinem Orchester in ganz Europa und den USA auftrat.

Der Kaiserwalzer, ebenfalls von Johann Strauß, verband dann Marsch und Walzer, „denn Kaiser Franz liebte den Walzer nicht“, so Sieben, deshalb jammere auch die ganze Zeit das Cello beim Walzer, und man könne hören „ich kann nicht mehr“.

Selbst Beethoven hat einen Walzer komponiert, den „Mödlinger Walzer“, ein heiteres Tanzstück, das man ihm kaum zutraut. Der musste zum Beethovenjahr 2020 natürlich ins Programm.

„Aufforderung zum Tanz“

Im rauschhaften Walzerfieber des 19. Jahrhunderts warnten Eltern und Pfarrer vor den verderblichen Wirkungen dieses Tanzes vor allem bei den jungen Mädchen, wo so manches vorkommen könne, was besser nicht vorkäme. Die erste Halbzeit endete mit der „Aufforderung zum Tanz“ von Carl Maria von Weber.

Als der Jazz noch gar nicht erfunden war, gab es den Ragtime in den USA, und mit dem „Entertainer“ von Scott Joplin wechselten die Saloniker in eine jüngere Musikperiode. Zum klassischen argentinischen Tango „El Choclo“ griff Sieben dann in die Tasten des Akkordeons statt des Klaviers.

Der Elsässer Emile Waldteufel komponierte unzählige Walzer vor dem Ersten Weltkrieg, und seinen „Schlittschuhläuferwalzer“ , den die Saloniker spielten, kann man auch heute noch oft auf Eisbahnen hören.

Natürlich der Radetzky-Marsch

Und dann, nach der fulminanten Pfälzisch-Petersburger Schlittenfahrt, kam noch die klassische Zugabe, denn das Publikum wollte noch weiter mitmachen: Der Radetzky-Marsch, mit dem Publikum als eifrigem Klatsch-Orchester.

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