Speyer
Speyer: Markus Maier - von GZSZ ins Zimmertheater zur „Gift“-Premiere
„Gift“ zieht ins Speyerer Zimmertheater. Das gleichnamige Stück der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans beschreibt eine Ehegeschichte und ihren traurigen Hintergrund. Ellen Korelus-Bruder hat mit Darsteller Markus Maier über den Beruf und die Wirkung von „Gift“ gesprochen.
GZSZ, das war eine Jugendsünde. Ich muss aber sagen, dass ich damals am Set tolle Arbeitsbedingungen und Kollegen vorgefunden habe. Es gab sogar Massagen zwischen den Szenen.
Welche Rolle spielt die Schauspielerei heute in Ihrem Leben?
Eine zentrale Rolle. Sie und Regieführung sind meine Berufung, meine Lebensphilosophie. Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Psychologie studieren. Bis ich gemerkt habe, dass beide Professionen nahe verwandt sind. Schauspielerei mit all ihrer Unregelmäßigkeit lässt viele Chancen, über die wichtigen Dinge des Lebens nachzudenken. Mir gibt der Beruf glücklicherweise auch die Möglichkeit, jeden Tag eine Tasse Kaffee und dazu ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte im Straßencafé genießen zu können.
Was reizt Sie mehr: Theater oder Fernsehen?
Ganz klar: Theater. Für mich gibt es nichts Schöneres als auf einer Bühne zu stehen wie am Wochenende auf Burg Trifels. Da spiele ich „Richard Löwenherz“. Auf der Ludwigshöhe ist es „Ludwig I.“ und auf der Wachenburg ein von mir geschriebenes Stück. An solchen Orten spielen zu dürfen, ist ein Geschenk.
Wen möchten Sie unbedingt noch verkörpern?
Früher waren das die Klassiker Romeo, Hamlet oder den Kriegsheimkehrer Beckmann in „Draußen vor der Tür“. Heute ist es immer genau die Rolle, die ich gerade spiele. Momentan ist „Er“, der männliche Part in „Gift“, die spannendste Person in meinem Leben.
Wie bereiten Sie sich vor?
Überall um mich herum sind sie, die Lehrmeister. Man muss sie nur erkennen. Darstellende Kunst begleitet ein Leben lang, davon bin ich überzeugt. In „Gift“ ist der Tod zwar schon da, aber es geht ums Leben. Die Schwere fällt weg, obwohl Gift von vorne herein keine Komödie ist. Auf der Bühne bin ich „Er“. Wenn ich Zuschauer mit dieser Rolle berühren kann, bin ich zufrieden. Dafür mache ich es.
Welche Rolle würden Sie keinesfalls übernehmen?
Ich würde mich nie für politische Zwecke einspannen lassen.
Auf welcher Bühne spielen Sie am liebsten?
Hier ist es genau dasselbe wie bei der Lieblingsrolle. Ich spiele da am liebsten, wo ich gerade spiele. In 25 Berufsjahren konnte ich alle Träume auch in großen Häusern ausleben. Aber gerade kleine Bühnen bieten Schauspielern die Möglichkeit, sich voll und ganz einzubringen und sich weiter zu entwickeln. Dazu bleibt woanders oft gar keine Zeit. Da heißt es sechs Wochen Proben, Premiere. Fertig.
Wie schwer ist es Ihnen gefallen, in „Gift“ die Rolle des Vaters eines verstorbenen Kindes auszufüllen?
Auch wenn ich kein Vater bin, kann ich mich in diese Tragödie einfühlen. Als Schauspieler sowieso, aber auch als Mensch. Solche Szenen lässt man nicht an der Bühnenkante zurück. Die nimmt man mit nach Hause.
Was hat Sie am Buch „Gift“ fasziniert?
„Gift“ ist ein Lehrstück über Kommunikation mit spannenden Dialogen und auch dramaturgisch sehr interessant. Es ist einfach wahnsinnig gut geschrieben, bis zum Schluss voller Wendungen und Brüche. „Gift“ hat Wucht und Kraft.
Wie ist die Zusammenarbeit mit Bühnen-Kollegin Monika-Margret Steger?
Da gibt es eine lange Vorgeschichte. Ich habe sie schon im Studium als Schauspielerin am Mannheimer Nationaltheater kennen- und schätzen gelernt und sie dem Zimmertheater als Regisseurin für „Indien“ vorgeschlagen. Ihr hat es in Speyer so gut gefallen, dass sie für „Gift“ als Darstellerin zurückgekehrt ist. Sie ist eine Traum-Bühnenpartnerin. Mehr kann man sich nicht wünschen.
Wie wichtig ist das Zimmertheater für Speyer?
Wer sich gerne anspruchsvoll unterhalten will, kommt am vielfältigen Zimmertheater-Programm nicht vorbei. Theater hat immer noch seine Funktion als Impulsgeber. Und das ist gut so.
Zur Person
Markus Maier ist vor 50 Jahren in Speyer zur Welt gekommen. Aufgewachsen ist er in Dudenhofen. Das Abitur hat er am Hans-Purrmann-Gymnasium absolviert, wo er bis 2010 Theater-AGS geleitet hat. An der Freiburger Schauspielschule hat Maier studiert. Von 2001 bis 2003 war er Darsteller in der TV-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Maier arbeitet als freier Schauspieler in Speyer und der Region.
Termin
„Gift – Eine Ehegeschichte“, Premiere , Freitag, 20. September, 20 Uhr, Zimmertheater Speyer, Flachsgasse 3. Vorverkauf: Spei'rer Buchladen, Korngasse 17, Telefon 06232 72018, E-Mail: info@speirerbuchladen.de.