Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyer: Kurt Beck spricht zur Eröffnung der „Reichsbanner“-Ausstellung

Auf einer Postkarte: der Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.
Auf einer Postkarte: der Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Foto: Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V.

„Für Freiheit und Republik von 1924 bis 1933“: Die Wanderausstellung der Gedenkstätte „Deutscher Widerstand“ Berlin zum Einsatz der überparteilichen Organisation „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ wird heute in der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer eröffnet.

Auf 31 Bannern zeigt das Kooperationsprojekt von Landesbibliothekszentrum und Landesarchiv Speyer mit Fotos und Dokumenten den Einsatz des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“ für die Demokratie der Weimarer Republik. Zwölf Biographien stellen Mitglieder des Reichsbanners vor, darunter auch gebürtige Pfälzer in führenden Positionen. Darunter sind der gebürtige Pirmasenser und letzte Vorsitzende Karl Höltermann (SPD), Alt-Bundespräsident Theodor Heuss, der gebürtige Eisenberger Franz Osterroth (SPD), Redakteur der Zeitung „Das Reichsbanner“, Marie Juchacz, Mitbegründerin und Erste Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Christine Teusch, später CDU-Kultusministerin in Nordrhein-Westfalen, Marie-Elisabeth Lüders, ab 1948 für die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands im West-Berliner Stadtparlament, von 1953-1961 für die FDP-Bundestagsabgeordnete, Kurt Schumacher, später im Bundestag, SPD-Parteivorsitzender.

Achtung der Verfassung

Nach Ruhrbesetzung, Separationsbestrebungen im Rheinland und in Bayern, kommunistischen Aufständen in Sachsen, Thüringen und Hamburg oder dem Hitler-Putsch in München haben sich regionale republikanische Schutzorganisationen ehemaliger Soldaten des Ersten Weltkriegs am 22. Februar 1924 in Magdeburg zum „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund der republikanischen Kriegsteilnehmer“ zusammengeschlossen. Erklärtes Ziel ist die Festigung der Republik und die Achtung der Verfassung. Bald entwickelte sich das Reichsbanner zu einer Massenorganisation mit bis zu drei Millionen Mitgliedern. Frauen blieben von dem organisierten Engagement für die Demokratie ausgeschlossen.

Dennoch hat das Reichsbanner mit Politikerinnen wie Juchacz (SPD) undTeusch (Zentrum) namhafte Unterstützung erhalten. Sie riefen beispielsweise in der „Illustrierten Reichsbanner-Zeitung“ wiederholt dazu auf, sich bei Wahlen und in politischen Fragen republikanisch zu positionieren.

„Eiserne Front“

Nach dem Wahlerfolg der NSDAP im Jahr 1930 verstärkte das Reichsbanner seinen Einsatz und schloss sich Ende 1931 mit Gewerkschaften, SPD und Arbeitersportorganisationen zur „Eisernen Front“ zusammen. 1933 wurde das Reichsbanner verboten, die Aktivisten wurden von den Nationalsozialisten verfolgt, inhaftiert und ins Exil getrieben.

Die Ausstellung beleuchtet eine bedeutende Bewegung zur Rettung der Demokratie in der Weimarer Zeit. Sie macht deutlich, dass von einer „Republik ohne Republikaner“ nicht gesprochen werden kann.

Ausstellung

  • Zu sehen vom 5. November bis zum 25 Januar in der Pfälzischen Landesbibliothek, Otto-Mayer-Straße 9, Speyer. Geöffnet Montags bis Freitags 9 bis 18 Uhr, Samstags 9 bis 12 Uhr.
  • Eröffnung heute, Dienstag, 5. November, 19 Uhr. SPD-Ministerpräsident a.D. Kurt Beck wird die Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand als Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung eröffnen.
  • Begleitprogramm: Dienstag, 26. November, 19 Uhr, Vortrag Dr. Andreas Marquet (Friedrich-Ebert-Stiftung). Titel: „Friedrich Wilhelm Wagner – Ein führender pfälzischer Sozialdemokrat und Reichsbannermitglied. Biographische Anmerkungen und Einordnungen“.
  • Dienstag, 21. Januar, 19 Uhr, Vortrag Miriam Breß. Die Historikerin ist bei ihrer Forschungsarbeit zu politischen Verfolgungen der Jahre 1933/34 auf den Pfälzer Philipp Lützel gestoßen, der vom Reichsbanner im Dritten Reich zur SA und zur NSDAP überwechselte.

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