Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyer: Josef Nisters zieht Bilanz seiner 20-jährigen Tätigkeit als Galerist

Von Kunst umgeben: Josef Nisters in seiner Galerie.
Von Kunst umgeben: Josef Nisters in seiner Galerie. Foto: Lenz

Nach der Finissage der laufenden Ausstellung am Samstag heute schließt Josef Nisters seine Speyerer Galerie nach 20 Jahren endgültig. Aus gesundheitlichen Gründen verabschiedet sich der Galerist in eine neue Lebensphase mit mehr Zeit für Familie, Hündin Alma und unbelasteten Kunstgenuss.

„Es hat Spaß gemacht.“ Nisters Resümee fällt rundum so positiv aus, dass er alles genau so noch einmal machen würde. Wie der freiwillige Einstieg in die Zeit nach der Berufstätigkeit gelingt, kann und will der 68-Jährige noch nicht sagen. „Ich lasse es auf mich zukommen.“ Nisters bleibt bei dem Gedanken gelassen.

Noch sieht es in der Galerie nicht nach Auszug aus. Mehr als 300 Exponate und Bilder hängen in den Räumen, die bis zum 31. März leer sein müssen. Das verwunschene Gärtchen, die Sprossenfenster, die knarrenden Dielen, das alles werde sie vermissen, sagt Ehefrau Andrea. Josef Nisters erinnert sich gerne an viele Galeriebesucher, die auf dem Weg in die Stadt zufällig „hereingeschneit“ und oft wiedergekommen seien.

Vier Umzüge

Aber grundsätzlich freut sie sich über den Entschluss ihres Mannes. „Ich habe mir dauernd Sorgen um ihn gemacht“, beschreibt sie ihre Empfindungen nach dem ersten Herzinfarkt ihres Mannes und dem zweiten, heftigeren. Sie, wie Nisters Kunsthistorikerin, hat die Galerie abgewickelt und ihm unter die Arme gegriffen, wo sie konnte. An sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr für die Galerie da zu sein, bleibe nicht in den Kleidern stecken, betont sie. Künstler-Kontaktaufnahme und -pflege, Organisation, Konzepte, Ausstellungsvor- und -nachbereitungen inklusive Hängung, Verschickung, Verkauf und Einführung, Terminplanung, Kundenberatung: Andrea Nisters zählt den Aufgabenbereich auf, für den beide Nisters ganzjährig zuständig waren.

Vier Umzüge zunächst von der Bahnhofstraße 7 in die Bahnhofstraße 29, von da aus in die Burgstraße und 2014 wieder zurück in das historische Eckhaus in der Bahnhofstraße 29 waren dabei, unzählige Ausstellungsbesuche im In- und Ausland, Beteiligungen an Messen, Fahrten mit Galerie-Kunden zu Museen in ganz Deutschland. Drei Kinder sind groß geworden, zwei Enkel hinzugekommen, der dritte wird im Frühjahr erwartet.

Mit Künstlern viel erlebt

Kennengelernt hat sich das Paar vor knapp 40 Jahren während des Studiums im Kunsthistorischen Institut in Köln, dem „größten Eheanbahnungsinstitut der Stadt“, wie Nisters sagt. Er kommt vom Niederrhein, sie aus dem Spessart. Speyer haben Nisters fürs Leben ausgewählt.

Zu jedem der vielen Bilder im Haus fällt ihm eine Geschichte ein. In zwei Jahrzehnten habe er mit Kunst und Künstlern viel erlebt. „Es gab die ganz peniblen und das Gegenteil davon“, berichtet er von zwei Extremen, von denen der Umgang mit Letzteren schwieriger war. „Wir haben die Menschen in allen Facetten kennengelernt“, so Andrea Nisters. Mit den meisten sind sie in Kontakt geblieben, 128 Mal haben sie Künstler in ihren Räumen ausgestellt, elf Mal außerhalb der Galerie, 15 Mal an internationalen Messen teilgenommen, 19 Mal waren sie an Galerietagen des Galerieverbands Rhein-Neckar beteiligt und 19 Mal an der Speyerer Kult(o)urnacht, die Nisters mit initiiert hat.

Kontakte weiter pflegen

Den Künstler Hanspeter Münch habe er in der Kunsthalle Mannheim entdeckt, erzählt Nisters vom Beginn der Zusammenarbeit seit 18 Jahren. „Mit vielen Künstlern verbindet uns inzwischen langjährige Freundschaft“, betont Andrea Nisters.

Solche Kontakte wollen Nisters weiter pflegen und ausbauen. „Wie die, die wir seit Jahrzehnten in der Kölner Kunstszene haben.“ Ganz hat Josef Nisters seine Vorliebe für Köln nicht abgelegt. Auch der rheinische Tonfall gehört nach wie vor zu ihm.

Weiter als Domführer tätig

Ein Leben ohne Kunst ist für das Paar nicht vorstellbar. „Der Kunstmarkt hat sich stark verändert“, sagt Josef Nisters. So seien Druckgrafiken, Radierungen oder Arbeiten auf Papier ab einer bestimmten Größe kaum noch vertreten und Acryl-Malerei sehr beliebt. „Dabei ist Papier der älteste Malgrund“, sagen die Kunsthistoriker. „Manche Leute legen der Auswahl ihrer Bilder die Farbe ihres Sofas zugrunde“, wundert sich Nisters. „Kunst muss bezahlbar sein, inspirieren und den Blick weiten“, beschreibt er, was ihm wichtig war und ist.

„Uns fällt der Himmel am Montag nicht auf den Kopf“: Der Galerist blickt zuversichtlich in die Zukunft ohne berufliche Verpflichtungen. Als Domführer will er weiter für seine Wahlheimatstadt werben, den Speyerer Kunstbetrieb weiterhin begleiten, Ausstellungen seiner Kollegen besuchen und jeden Sonntag in die Kirche gehen.

Finissage am Samstag ab 15 Uhr

Josef Nisters ist ganz sicher, dass er auch künftig jeden Morgen als erstes die Kulturseite der RHEINPFALZ aufschlagen wird. Andrea Nisters wird in den kommenden Monaten in mehrere Ausstellungen einführen, ihr Mann will sich vermehrt schriftlich mit Kunst auseinandersetzen. Heute will er im Kreis der Familie, Künstler und Wegbegleiter Abschied von dem „roten Punkt“ unter den Bildern und der Arbeit nehmen, die bisher sein Leben bestimmt hat. Die Finissage beginnt am 11. Januar um 15 Uhr, die Galerie öffnet um 11 Uhr. „Jetzt bestimmen wir selbst über unseren Tag.“ Das nehmen sich Nisters fest vor. In der Speyerer Kunstszene wird ihre Galerie fehlen.

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