Speyer
Speyer: Herzen in Regenbogenfarben
Stadtleben: Dass es den Speyerern an Einfallsreichtum mangele, hat schon lange keiner mehr behauptet. Und wenn dem so wäre – diese Rubrik würde die Kritiker Lügen strafen. Es geht um Verkehrssicherheit, Ernährungslehre und einen Selbstständigen aus früheren Jahren mit ganz verschiedenen Talenten.
Kreative Aktion: Herzen in der Diakonissenstraße
Seit einigen Jahren stand fest, dass das Haus für Kinder der Diakonissen vom Bartholomäus-Weltz-Platz in die Diakonissenstraße umziehen werde. Am 8. Oktober war es soweit. Nun sind die Anwohner der Diakonissenstraße besorgt um das Wohl der Kinder. Denn sie wissen um die aktuelle Verkehrssituation. „Hier fährt keiner 30 Kilometer pro Stunde, sondern eher 50“, stellt eine der Mütter fest. Straßenmarkierungen sind verblichen, teilweise nicht mehr vorhanden. Darum hat sich der Elternbeirat von Kindergarten und Hort um einen Termin mit Stadt und Polizei bemüht, um die aktuelle Situation zu besprechen.
Nach einer gemeinsamen Begehung war klar: Dem Wunsch einer Spielstraße konnte nicht nachgekommen werden. Im Mai wurde ein Lösungsvorschlag erarbeitet: Fahrbahnverengung, Streichen von Parkplätzen für bessere Sicht, Erneuerung der Markierungen, Aufstellen von Hinweisschildern. Diese Vorgehensweise konnte zunächst wegen der Baustelle am neuen Gebäude der Diakonissen noch nicht umgesetzt werden.
Seit zwei Wochen sind die Kinder nun im neuen Gebäude, und die Eltern warten immer noch auf Maßnahmen, um auf die neue Situation, „hier ist ein Kindergarten, hier laufen täglich Schulkinder allein zum Hort“ aufmerksam zu machen. Direkt nach den Herbstferien sind deshalb einige engagierte Eltern und Großeltern selbst zur Tat geschritten: Ein farbenfroher Übergang aus Herzen in Regenbogenfarben wies danach den Weg zum neuen Kindergarten – bis der Regen kam. Er sollte die Autofahrer zu mehr Achtsamkeit anhalten und gleichzeitig gute Laune verbreiten. „Wir wollen niemanden an den Pranger stellen. Wir wollen keinen Streit anzetteln. Wir wollen unsere Kinder vor einer Gefahrensituation bewahren“, begründet die Elterninitiative. illi
Kreatives Sandwich: Frühstück in der Burgfeldschule
Ein gesundes Pausenbrot ist viel wert. An vielen Schulen ist das Wissen darüber längst Teil des Unterrichts geworden. So auch an der Speyerer Realschule plus Burgfeldschule. „Bei uns ist gesunde Ernährung ein Thema im Fach Hauswirtschafts- und Sozialwesen“, erläutert Fachlehrer Christoph Palm. Er ist aus diesem Grund nach guten Erfahrungen der Speyerer Erlich-Schule auf ein Angebot der Buttermarke Kerrygold eingegangen, seinen Schülern ein „buntes und gesundes Frühstück“ zu spendieren. Eigentlich sollte es am gestrigen Mittwoch soweit sein, jetzt wurde die Aktion aber um eine Woche verschoben, weil ihm noch nicht alle Materialien zugesandt worden seien, so Palm.Unter anderem gibt’s Brotdosen und T-Shirts von der Firma, aber auch einen finanziellen Zuschuss, um die Bestandteile des Frühstücks vor Ort einzukaufen. „Immer noch kommen 40 Prozent der Kinder in Deutschland ohne gefrühstückt zu haben in die Schule. Ein ausgewogenes Frühstück ist aber enorm wichtig für die Kinder,
die sich während des Unterrichts geistigen Herausforderungen stellen müssen“, so Kerrygold. Die gesunde Mahlzeit am Morgen wappne die Kinder auch mit ausreichend Energie für die tägliche Bewegung. Beim Aktionstag, der an rund 100 Schulen und Kindergärten geplant sei, sollten die Kinder selbst entdecken, welche Kombination ihnen am besten schmeckt. Lehrer Christoph Palm hat mit seinen Siebt- und Neuntklässlern dafür die entsprechenden Vorbereitungen getroffen: „Wir haben Sandwiches mit frischen Zutaten kreiert.“ pse
Kreativer Kopf: „Ferdnand“ rasiert für 20 Pfennige
Stadtleben in früheren Zeiten, passend zur derzeitigen Herbstmesse: Älteren Speyerern ist de „Sauers Ferdnand“ als Besitzer eines von der Stadt als „Kinderkettenfliegerkarusell“ bezeichneten Fahrgeschäfts in Erinnerung. Dass Ferdinand Sauer (1876 bis 1956) auch nacheinander mehrere Friseurläden mehr oder minder einträglich betrieb, ist vermutlich kaum noch bekannt. Für diese Geschäfte inserierte der ehemalige Fremdenlegionär in den späteren 1920er Jahren mehrmals in der „Speierer Zeitung“ mit dem dick gedruckten Hinweis, als „billigster Friseur in Speyer beliebt. Bedient proper und tadellos“.
In Anbetracht der heutigen Preisgestaltung interessant sind die in diesen Anzeigen bekannt gegebenen Frisierpreise. Nämlich: „Rasieren nur 20 Pfennige; Kinderhaarschneiden kurz 25 Pfg.; Kinderhaarschneiden halblang und mit Formschnitt 50 Pfg.; Haarschneiden für Erwachsene kurz 30 Pfg.; dasselbe halblang und mit Formschnitt 60 Pfg.; Bubi- und Pagenkopf-Schnitte ebenfalls nur 60 Pfg.“
Unterschrieben war das Ganze mit „Staatlich geprüfter Friseurmeister, Allerheiligenstraße 24“. Zeitgenossen bezweifelten, ob es der als schlitzohrig bekannte Ferdnand tatsächlich zur Meisterschaft in diesem Handwerk gebracht hatte. Bezeichnet er sich zur selben Zeit und bei anderen Gelegenheiten doch auch als „staatlich geprüfter Bader, Diplom-Dolmetscher und Hunde-Trimmer“. Das mit dem Dolmetschen bezog er wohl auf das Französische, das er sich in seiner Zeit in der Legion angeeignet hatte. wk