Speyer
Speyer: Der vielseitige Pianist Andreas Frölich kommt am 6. Oktober zum Meisterkonzert
Über 40 CD-Einspielungen als Solist und vor allem als Kammermusiker hat Andreas Frölich schon vorgelegt, zudem ist er als Klavierprofessor in Köln und Salzburg engagiert, sitzt in einigen Wettbewerb-Jurys und ist künstlerischer Leiter der MozARTe International Piano Competition. In Speyer musiziert er am Sonntag mit vertrauten Weggefährten wie dem Cellisten Ramón Jaffé oder der Geiger Friedemann Eichhorn.
Kontinuität und Entdeckungerfreude verbinden sich bei dem Pianisten, der eine Professur an der Kölner Musikhochschule ebenso inne hat wie er eine Gastprofessur in Salzburg wahrnimmt. Denn einerseits ist für ihn das Standardrepertoire, das er mit seinen Studenten erarbeitet, wichtig, ebenso wie er dafür plädiert, die heute oft wenig beachteten Nebenweg der Musikgeschichte näher zu beleuchten.
Der Wert von Wettbewerben
„Ich verstehe Konzertveranstalter, die vor Unbekanntem zurückschrecken“, sagt Frölich, der die wirtschaftlichen Zwänge des Musikbetriebs gut kennt. Nicht nur weniger bekannte Werke hätte es im Konzertleben schwer, ebenso ginge es jungen Interpreten, die nicht durch einen Wettbewerbserfolg bekannt geworden seien.
Auch wenn er selbst in Aachen eine Klavier-Wettbewerb leitet, so ist dem erfahrenen Pianisten, der bei Vitaly Margulis und Pavel Gililov studierte, die Ambivalenz von Wettbewerben klar. Pianisten, die bei großen Internationalen Wettbewerben erfolgreich sind, müssten diese Erfolge über längere Sicht nicht zwangsläufig im Konzertsaal fortsetzen. Es gäbe sehr gute Musiker, die sich im Wettbewerb nicht von ihrer besten Seite präsentieren könnten, ebenso gäbe es Fälle, dass Wettbewerbssieger später an einem breiteren Repertoire im Konzertalltag scheitern würden.
Im Zeichen der Kontinuität
Andreas Frölich selbst ist neben seiner Lehrtätigkeit seit vielen Jahren als Solist und Kammermusiker gefragt, wobei ihm auch hier die Kontinuität wichtig ist. „Ich spiele auch gerne mit neuen Musikern“, sagt der Künstler, aber wenn ihn eine lange Zusammenarbeit auf dem Podium und im Plattenstudio verbinden würde, wisse man einfach besser, wie der Partner oder die Partnerin beim Konzert reagieren würde.
Dies sei auch bei seinem Auftritt in Speyer der Fall, spielt er doch sowohl mit dem Cellisten Jaffé als auch dem Geiger Friedemann Eichhorn schon lange zusammen: „Mit Jaffé und der Geigerin Uta Klöber bilde ich schon seit vielen Jahren das Mendelssohn Trio Berlin“, sagt der Pianist, auch mit Eichhorn hat er schon oft musiziert und einige CDs eingespielt.
Wobei sich bei den rund 40 CD-Produktion, auf denen Frölich vertreten ist, seine Neigung zur Erkundung weniger bekannten Repertoires häufig niedergeschlagen hat. Inzwischen seien aus wirtschaftlicher Sicht CD-Produktionen für Interpreten kaum mehr interessant, da die Erlöse sehr gering seien. Aus künstlerischer Sicht hingegen, gerade bei den angesprochenen weniger bekannten Kompositionen findet Frölich Aufnahmen immer noch bedeutsam.
Ausgrabungen auf CD
Zu seinen CD-Ausgrabungen, die er oft mit Jaffé, aber auch dem Cellisten Alexander Hülshoff, der die Landauer Meisterkonzerte leitet, oder Friedenmann Eichhorn eingespielt hat, gehören solche mit Kompositionen von Heinrich von Herzogenberg, Erich Wolfgang Korngold, Ferdinand Ries, Astor Piazzolla ebenso wie Programme mit Werken jüdischer oder amerikanischer Komponisten. Nicht zu vergessen das Standardrepertoire von Mozart, Beethoven oder Brahms, das für ihn natürlich eine ebenso große Rolle spielt. Oft sei es schade, dass interessante CDs aus dem Katalog verschwinden würden.
Deshalb sei es erfreulich, dass jüngst bei CPO eine Grieg gewidmete Aufnahme mit Jaffé wieder erschienen sei. Die 2006 aufgenommene CD (CPO 777284-2) stellt die ausladende Sonate op. 36 für Cello und Klavier des norwegischen Komponisten interessanten Liedbearbeitungen gegenüber. Die große Vertrautheit der beiden Interpreten schlägt sich nicht nur in genauer dynamischer Abstimmung nieder, die ein klanglich gespanntes Musizieren ohne Überdruck auch im Studio ermöglicht.
„Ein brillantes Stück“
In Speyer steht neben Werken von Beethoven (Klaviertrio op. 11 „Gassenhauer“), Schumann (Adagio und Allegro op. 70) auch Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert KV 415 in der einer Fassung für Streichquartett auf dem Programm.
Mozart selbst hat sich, auch aus wirtschaftlichen Gründen, für diese Möglichkeit ausgesprochen, sein Konzert aufzuführen. Frölich kennt das C-Dur Konzert sehr gut, hat es in der Orchesterfassung auch schon eingespielt. „Es ist ein brillantes Stück“, sagt der erfahrene Pianist, das auch in der Kammermusikfassung sehr wirkungsvoll sei. Wobei das Spiel mit Orchester oder mit Streichquartett vom Pianisten Änderungen der Dynamik, aber auch des Klanges – man müsste beim Quartett schlanker musizieren – verlangen würde. Auch im Blick auf das Tempo würde er anders mit dem Quartett agieren. Eine Herausforderung, die Frölich besonders gerne dann eingeht, wenn er wie in Speyer mit lange vertrauten Musikerkollegen wie Jaffé oder Eichorn musizieren kann.
Termin und Karten
Sonntag, 6. Oktober, 17 Uhr, Historischer Ratssaal Speyer. Vorverkauf ist im Spei’rer Buchladen, Korngasse 17, Speyer, Telefon 06232 72018. Für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre ist der Eintritt frei. Auch an der Abendkasse gibt es Karten.