Speyer Speyer bietet sauberes Nest und vollen Magen

Im Vogelgesang: „Nestpfleger“ unterwegs.
Im Vogelgesang: »Nestpfleger« unterwegs.

Stadtleben: Speyer hilft. Das ist keine neue Erkenntnis, wird aber in der Corona-Krise besonders deutlich vor Augen geführt. Beispiele aus dieser Woche sind der preisgekrönte Einsatz einer Klasse der Pestalozzischule und die neue Aktion im Kultimbiss „Curry-Sau“, bei der Essen gespendet werden kann. Aus der Reihe fällt ein Vandalismus-Vorfall.

Nestpfleger: Kreative Schüler im Vogelgesang

„Was können wir Gutes tun?“ Diese Frage stellte sich die W3, die Werkstufenklasse der Speyerer Pestalozzischule Speyer. Das „Café Lozzis“, das die Schüler einmal in der Woche für die Bewohner im Vogelsang öffnen, muss Corona-bedingt seit geraumer Zeit geschlossen bleiben. An der frischen Luft sollte es sein und dem Stadtteil zugute kommen. So kamen die kreativen Schüler, unterstützt von Antje Hörig, der Berufspraktikantin in der Klasse, schnell auf die Idee, das „Nest“ des Vogelgesangs zu pflegen.

Müll sollte eingesammelt und das Viertel mit Pflanzaktionen verschönert werden. „Ausrüstung, Materialien und Pflanzen haben wir unbürokratisch und schnell von der Stadt bekommen. Jessica Schierz vom Stadtteilbüro hat uns hier sehr geholfen“, lobt Klassenleiterin Jutta Boell. Der Einsatz der Schüller beeindruckt sie sehr: „Zuerst haben wir in und um die Schule herum Müll gesammelt und Kübel und Baumscheiben bepflanzt. Dann haben wir den Bereich ausgeweitet. Es ist toll, wie die Anwohner uns ansprechen und uns unterstützen.“ Einige hätten Pflanzen aus dem Garten gespendet. Boell: „So kommen unsere Schüler ins Gespräch und ihre Sozialkompetenz wird gefördert.“

Die Werkstufe, in der in der Regel die Schüler drei Jahre lang sind, bildet den Abschluss der Schulzeit für die Förderschüler. „Wir können mit dem Nestpfleger-Projekt einen Einblick in diese Berufsfelder geben. Gärtnereiarbeiten lernen sie so ebenso kennen wie Berufe in der Entsorgungswirtschaft.“ Im erneuten Lockdown beschäftigten sie sich jetzt auch in der Theorie mit diesen Themen. „So haben unsere Schüler viel über Mülltrennung gelernt und diskutieren auch über Themen wie Fridays for Future“, erzählt die Klassenleiterin.

Verdienter Lohn war eine Ehrung beim von der Landesregierung ausgeschriebenen „Jugend-Engagement-Wettbewerb“. Die Pestalozzis hatten sich auf Initiative von Martin Wendrich, pädagogische Fachkraft in der Klasse, beworben. Mit der komplett selbstgestalteten Bewerbung hat die W3 500 Euro gewonnen und ist für den Deutschen Engagementpreis nominiert worden. Das war nochmals zusätzliche Motivation: Sobald sie wieder aktiv sein dürfen, werden die W3-Schüler Joel, Kubilay, Michelle, Jessica, Miroslav, Andreas und Dogan wieder ihr Teamdress – rote Warnwesten mit eigenem Logo – überstreifen und losziehen, um den Stadtteil zu verschönern. Versprochen.

Curry-Sau: Neue Hilfsaktion erwärmt die Herzen

„Wir möchten etwas mehr Herz verteilen“: Das steht über der neuen Aktion der „Curry-Sau“. Wer hungrig und bedürftig ist, darf sich beim Kultimbiss am St.-Guido-Stifts-Platz seit dieser Woche von einer Tafel einen Essensgutschein nehmen und einlösen, den ein Spender vorab bezahlt hat. „Hier haben andere, denen es etwas besser geht, schon etwas für dich bezahlt“, wirbt der beliebte Gastronomiebetrieb. Die Speyerer haben die Betreiber mit ihrer Idee nicht im Regen stehen lassen: Zwei Zettel hatte am Montag Geschäftsführerin Denise Schmidt aufgehängt, und schon einen Tag später konnte sie nach vielen begeisterten Rückmeldungen und Zusagen „die ganze Tafel vollballern“, wie sie mit Augenzwinkern berichtet. Unter all den Spendern ist es ihr ein Anliegen, Edeka-Stiegler zu erwähnen.

„Wir hätten nicht damit gerechnet, dass diese Aktion so explodiert“, gibt die Tochter von Chef Robert Schmidt zu. Nun hofft sie, dass sich das Angebot herumspricht und „genutzt, aber nicht ausgenutzt“ wird. Die Idee sei vorige Woche gereift und zügig umgesetzt worden. „Wir wissen, dass es einigen Leuten, die gerne zu uns zum Essen kamen, seit Corona nicht richtig gut geht“, berichtet sie über die Motivation. Ihr Imbiss habe auch große Einbußen, zumal viel Catering-Geschäft weggefallen ist, darf aber weiterhin „to go“ verkaufen. So komme er anders als im ersten Lockdown diesmal ohne Kurzarbeit für die fünf Mitarbeiter aus. Denise Schmidt gesteht aber: „Das verbleibende Geschäft hält uns gerade so über Wasser.“ Dieser Hintergrund macht die Aktion mit Herz nochmals verdienstvoller.

Innenstadt: Anschlag auf die Maskenpflicht

Sie sind zum vertrauten Anblick in der Innenstadt geworden, die orangefarbenen Schilder, die an die Maskenpflicht erinnern. Wer sich über einen der vielen Zugänge der Maximilianstraße nähert, soll sie nicht übersehen, um sich im Sinn des Infektionsschutzes gut zu verhalten. In der Mathäus-Hotz-Straße an der Rückseite der Postgalerie war das aber Ende voriger Woche nicht mehr gewährleistet. Gleich drei der Schilder waren beschädigt, wohl von rücksichtslosen Zeitgenossen zerschlagen. Die Bruchstücke lagen am Boden. Die Stadt vermeldete am Dienstag auf Anfrage, ihr lägen keine Hinweise auf systematische Zerstörungen vor – und so gibt es auch hier wieder Anlass zur Hoffnung: erstens, dass so etwas nicht mehr vorkommt, und zweitens, dass sinkende Infektionszahlen bald auch diese Auflage hinfällig machen.

In der Curry-Sau: viele Gutscheine schon an Tag zwei der Aktion.
In der Curry-Sau: viele Gutscheine schon an Tag zwei der Aktion.
Nur noch Fetzen: oben rechts der orangefarbene Hinweisrest am auch ansonsten nicht mehr jungfräulichen Schild.
Nur noch Fetzen: oben rechts der orangefarbene Hinweisrest am auch ansonsten nicht mehr jungfräulichen Schild.
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