Speyer
Speyer: Besondere Aktion zur Marilyn-Monroe-Ausstellung des Historischen Museums
Großes Kino in Speyer: Sechs prominente Speyerer haben auf Initiative des Historischen Museums am Samstag in ihre Wohnzimmer je sechs Marilyn-Monroe-Filmfans eingeladen. Bis zum „Blind Date“ um 19 Uhr wussten die Gastgeber nicht, wem sie die Tür öffnen und die Gäste nicht, wer eingeladen hat. Am Ende des Abends waren sich alle einig: „Das war Spitze.“ Wir waren mit von der „Party“.
Erste Station „Bus Stop“. Vor zehn Minuten sind sechs Gäste bei Stadt-Pressesprecher Matthias Nowack eingetroffen. 95 Minuten Hollywood-Western-Drama-Musical-Komödie von 1956 liegen vor ihnen. Der Museums-Sekt ist eingeschenkt, der Fernseher noch nicht eingeschaltet. Der im Zentrum des Buffets aufgebaute „Käse-Igel“ erntet einhellige Bewunderung, Dass so gut wie keiner der bisher Unbekannten aus Speyer kommt, überrascht den Gastgeber.
Bodo Mees und seine Ehefrau sind aus Lachen-Speyerdorf angereist. „Der Film ist ein Klassiker und die Monroe eine gute Schauspielerin“, so Mees. Nowack hat sich dafür entschieden, weil er „Bus Stop“ noch nicht kennt. Am Ende war es für Gastgeber und Gäste ein unterhaltsamer Abend und für Nowack die bisher ungewöhnlichste Art, Menschen kennenzulernen.
„Ungewöhnlich und schön“
Museums-Referentin Susanne Schilz führt die Rundreise in die Speyerer Wohnzimmer an. Ihr Telefon klingelt. Eine Frau findet das Haus ihrer Gastgeber nicht. Schilz stellt Kontakt her und steuert das Auto vor die Tür von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler. Der 65 Jahre alte Western „Fluss ohne Wiederkehr“, steht bei Seilers und ihren fünf Gästen auf dem Programm. Eva und Erwin Pinter haben von dem Hollywood-Projekt in der Zeitung gelesen und sich spontan angemeldet. „Ich habe noch nie etwas gewonnen und jetzt sogar den Hauptgewinn“, lacht sie. Ihren Lieblings-Monroe-Film im Wohnzimmer der OB sehen zu können, sei „ungewöhnlich und schön“. Auch Seiler freut sich auf den Klassiker, den sie „ganz lange nicht gesehen“ hat.
Harald Rudel ist mit seiner Frau aus Ketsch gekommen. „Bis vor einer halben Stunde hätte ich nicht gedacht, den Abend mit der Speyerer OB zu verbringen“, sagt der Monroe-Fan, der schon drei mal in der laufenden Ausstellung war. Wahrscheinlich hätte er sich auch nicht träumen lassen, dass er das Haus der OB erst kurz vor Mitternacht verlässt. „Der Film war der Türöffner für anregende Gespräche über die Monroe, Hollywood, Kinder und Politik“, berichtet Stefanie Seiler von „schönen Stunden unter Fremden“, die sie sonst nie kennengelernt hätte.
Bei Dom-Kulturmanagerin Friederike Walter und RHEINPFALZ-Redakteur Karl Georg Berg sitzen vier Gäste auf dem Sofa. Eine hat die Adresse nicht gefunden, eine andere sich krank gemeldet. Die Gastgeber haben die Billy-Wilder-Verfilmung „Das verflixte siebte Jahr“ wegen der Musik ausgesucht. Ein braver Ehemann will mit dem zweiten Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow „das Mädchen“, also MM, in der Komödie aus dem Jahr 1955 verführen. Kulinarisch hat Walter die Zeit ihres Nordamerikanistik-Studiums aufgefrischt und Cracker, Suppe und Orios auf den liebevoll gedeckten Tisch gestellt. Nicht ganz so alt wie der Film ist der Fernseher, vor dem vier Gäste mit ihren Gastgebern einträchtig auf dem Sofa sitzen. Konrad Mattes findet das Arrangement gelungen, zumal er seit 20 Jahren gar keinen Fernseher mehr besitzt. Für Daniela Kuhn ist das „Blind Date mit kulturellem Höhepunkt“ das Ereignis des Wochenendes. Nach 105 Filmminuten hätten sie noch lange mit ihren Gästen angeregt geplaudert, erzählt Berg von angenehmen Stunden mit unbekannten Gästen.
Im Outfit der 50er-Jahre
Museumsdirektor Alexander Schubert unterbricht „Niagara“ beim Eintreffen von Museums-Referentin, -fotografin und RHEINPFALZ-Autorin an der spannendsten Stelle per Knopfdruck. Seine sieben Gäste hat er „aus Baby-Gründen“ auf die Couch von Museums-Verwaltungsleiter Gerhard Bossert geladen. Sie habe befürchtet, ihren Gastgeber nicht zu erkennen, erzählt Diana Bauer. „Aber Schubert konnte ich schon an der Haustür zuordnen.“ Eine Frau hat sich perfekt in 50er-Jahre-Outfit geworfen. Sie greift zu einem der Pizzaringe, die auf dem Couchtisch bereit liegen. Kurzes Gespräch, dann geht es weiter mit den mörderischen Flitterwochen 1953 an den Niagarafällen.
Weiter geht es zu „Manche mögen’s heiß“, dem Monroe-Schwarz-Weißklassiker aus dem Jahr 1959, dem Monroe-Klassiker schlechthin. Dazu müssen die Gäste von Küchenchef Stefan Walch drei Treppen hoch ins Hotelzimmer mit Küche steigen. Auf dem Tisch stehen drei Popcorn-Variationen, Wasser und Wein. Am Küchentisch sitzt Alexander Walch. „Weder verwandt noch verschwägert“ sei er mit dem Gastgeber, betont der Speyerer. Alle haben Blumen, Glühwein oder selbst hergestellte Süßigkeiten mitgebracht. „Das hat mich richtig gerührt“, sagt der Küchenchef. In der gemütlichen Stunde nach dem Film hätten seine Gäste vorgeschlagen, Filmabende wie diesen zwei- bis dreimal im Jahr zu wiederholen. Dem Gedanken könne er viel abgewinnen.
Im Wohnzimmer von Bürgermeisterin Monika Kabs herrscht Partystimmung. Drei ihrer sechs Gäste habe sie schon gekannt, drei nicht, sagt die Gastgeberin. „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“, der letzte Monroe-Film läuft seit 120 Minuten. „Der beste“, ist Lieselotte Keitel überzeugt. „Ich habe heute fünf neue nette Leute kennengelernt“, freut sich Simone Heffner aus Römerberg. Sie hätte nicht gedacht, sich in ihrem Alter auf ein „Blind Date“ einzulassen, sagt Kabs. Bereut hat sie es nicht. Um eine Erfahrung reicher ist sie auch geworden. „Ich wusste bis jetzt nicht, dass wir einen DVD-Spieler besitzen.“