Speyer
Speed-Dating im Hotel
Zwei OB-Kandidatinnen auf dem Platz, zwei ganz verschiedene „Halbzeiten“, am Ende ein interessanter „Frauenabend“ für rund 50 Besucher, darunter 20 SWG-Mitglieder, aber auch Neubürger und die Kandidatinnen: „SWG im Dialog“ bittet am Dienstagabend im Hotel Löwengarten die Bewerberinnen Stefanie Seiler (SPD) und Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) in eine offene und öffentliche Fragerunde. Eine Art Speed-Dating über jeweils 60 Minuten. Beide Seiten nutzen ihre Chancen – so gut sie können. Die Rollen sind klar verteilt, die Zuneigung der Besucher auch. Stefanie Seiler („Speyer kann mehr“) gibt sich locker, ruhig, sicher und verbindlich. Sie bleibt dabei konsequent im Angriffsmodus auf den Amtsinhaber, den sie ebenso konsequent auch nur so nennt. Ihre Sicht auf die – bestehenden – Verhältnisse: Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) informiere zu spät oder gar nicht („Ich habe das mit dem Holtzmann-Gelände aus der Zeitung gelesen“), er verzögere die Bearbeitung der Einwände zum S-Bahn-Halt („Will wohl vor Mai nicht mehr darüber reden“), vertrete die Sache der Stadt zu schwach und nicht rechtzeitig gegenüber Land und Stadt, etwa bei: „Warum ist die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, die AfA, in Speyer?), er blähe die Stabstellen-Ebene auf. Sie selbst verspricht einen anderen Stil: Stadtrat, Verwaltung, Bürgerschaft miteinander auf Augenhöhe. Die Knackpunkte der Bürger: Thema Armut in Speyer? „Thema muss raus aus Hinterzimmern“, „Angebot für Obdachlose muss her“, „Unterkunft Engelsgasse, warum nicht?“. Thema Postplatz/Gilgenstraße? „Steht und fällt mit Entscheidung über ÖPNV“, „Mehr Kontrolle“, „Stadt muss Überwachung des fließenden Verkehrs übernehmen“. Thema verbindliche Sozialquote bei Wohnungen? „Bin ich dafür, 30 Prozent, Vorbild Mannheim.“ Am Ende hat sie noch einen netten Vorschlag für die praktische politische Gremienarbeit parat: „Ich würde lieber alle drei Monate mit den Fraktionsvorsitzenden in die Diskussion gehen als immer vier- bis fünfstündige Rastsitzungen über mich ergehen lassen zu müssen“, bekennt sie. „Und wo steht Speyer nach acht Jahren Amtszeit Seiler“, fragt Gastgeber Frank Scheid zum Ende: „Mein Ziel ist, dass die Bürger so zufrieden sind, dass eine Wiederwahl außer Frage steht“, sagt sie keck. Abgang mit großem Applaus. Im Rausgehen begegnet sie ihrer Nachfolgerin – an dem Abend. Beide grüßen sich mit Wangenküsschen. Es geht nett zu. Man kennt sich. Dann sitzt Irmgard Münch-Weinmann im „Käfig des Löwen“, so Scheid, als er sich dafür bedankt, das sie sich da reingewagt hat – als Befürworterin des S-Bahn-Halts Süd. Die SWG ist dagegen. Viele direkt betroffene Anwohner aus der Gegner-Fraktion sind im Saal. Und die Kandidatin („Mich kennen viele nur als Irmel, mein Nachname ist gar nicht bekannt“) ist in der Höhle gefangen. In ihren 60 Minuten wird sie regelrecht „gegrillt“ mit Fragen zum S-Bahn-Halt, Kosten-Steigerungen, Alternativen im Bus-Verkehr, Ausgleichsflächen. Die Frager kennen jedes Komma in den Unterlagen. Als die Kandidatin nicht weiß, wo genau „nahe am Objekt“ Bäume gepflanzt werden sollen, hat sie verloren. Sie kommt nicht zu mehr. Eine kindgerechte Stadt will sie, weniger Autos, Sozialpolitik ist ihre „Herzenssache“, kommt gerade noch an. Fazit: Das Format stimmt. Interesse der Bürger besteht. Beste Voraussetzungen für den „Herrenabend“ in vier Wochen bei „SWG im Dialog“. Gäste dann: Amtsinhaber Hansjörg Eger (CDU) und wahrscheinlich Udo Thümmel (parteilos).