Speyer Sparkasse: Ärger um 100 000-Euro-Kredit
Bei der früheren Kreis- und Stadtsparkasse Speyer ist es 2013 kurz vor der Fusion zur Sparkasse Vorderpfalz zu Fehlern bei der Vergabe eines Organkredits gekommen. Die Sache ist heikel, weil diese Darlehen an Mitglieder des Vorstands oder Verwaltungsrats oder ihre Angehörige gehen. Die interne Aufarbeitung des Falles läuft.
Es habe Fehler gegeben, aber es sei „nicht von einem strafbaren Verhalten auszugehen“, so die Sparkasse auf Anfrage. Dies sei das Ergebnis eines in Auftrag gegebenen externen Gutachtens zur rechtlichen Bewertung des Vorfalls. Nach Informationen der RHEINPFALZ wurde einem Kind eines Mitglieds im Kontrollgremium Verwaltungsrat kurz vor dessen 18. Geburtstag ein 100.000-Euro-Kredit gewährt, ohne die dafür nötige Genehmigung des Vormundschaftsgerichts einzuholen. Das Kreditinstitut müsse daher einen Ausfall zumindest eines Teilbetrags befürchten, so das Gutachten. Das Verwaltungsratsmitglied sagt, dass es dazu nicht kommen werde. Auch die Kreditkonditionen sind umstritten. „Wir haben die Vorgänge zum betreffenden Organkredit intern aufgearbeitet, rechtlich bewertet und werden im Interesse der Sparkasse entsprechende bankübliche Maßnahmen ergreifen“, teilt ein Sprecher mit. Genauere Angaben machte er nicht. Es gelte eine Verschwiegenheitspflicht. Zum Zeitpunkt der Kreditvergabe haben Uwe Geske (Vorstandssprecher) sowie Klaus Steckmann als weiterer Vorstand die Geschäfte der Kreis- und Stadtsparkasse geführt. Ob die vermuteten Vergabefehler mit dem möglichen Ausstieg des 56-jährigen Geske aus dem heute sechsköpfigen Vorstand der Sparkasse zu tun haben (wir berichteten am 4. Juli), kommentiert der Banksprecher auf Anfrage nicht. Geske ist derzeit stellvertretender Vorstandsvorsitzender und nach einer Krankheit wieder im Dienst. Die Verhandlungen über sein Ausscheiden aus dem Amt dauern laut Sparkasse noch an. Auch Steckmann gehört dem Vorstandsgremium an. Kritisch zu der Kreditvergabe geäußert hat sich gestern Liliane Gatterer (Römerberg) in ihrer Funktion als Präsidentin des Bundes der Selbständigen Rheinland-Pfalz: „Wir fordern eine lückenlose Aufklärung der Begebenheit und fordern von den handelnden Personen, die entsprechenden persönlichen Konsequenzen zu ziehen.“ Gatterer spielt darauf an, dass es für viele gesunde Unternehmen schwierig sei, einen Kredit zu bekommen. Sie könnten deswegen in finanzielle Probleme geraten. Da mute es zweifelhaft an, wenn bei der Kreditvergabe an Personen aus dem Umfeld der Leitungsgremien Fehler passierten. So könne das Vertrauen in Banken schwinden.