Speyer
Sonnenbrücke: Rätsel um Mäuerchen wohl gelöst
Dennis Lischer aus Schwegenheim und Willi Kögel aus Berghausen wissen es. Sie wissen, warum es die Steinreihe gibt, auf der auch Speyers Schiffer gerne gesessen haben. Mit diesem Detail hatte Stadtführerin Ingrid Kolbinger Recht, über deren Einordnung wir in der Freitagausgabe berichtet haben. Lischer und Kögel betonen aber gegenüber der Redaktion, dass der eigentliche Zweck ein anderer gewesen sei: „Das waren Radabweiser“, sagt Kögel.
Bei den früheren Pferdefuhrwerken, die die Brücke zwischen Dom und Hasenpfuhl einst tragen musste, ragten Achse und Radnabe meist deutlich, etwa 15 bis 20 Zentimeter über das eigentliche Rad hinaus. Und wenn diese am Brückengeländer entlanggeschrammt wären, hätte das beträchtliche Schäden verursachen können. Deshalb war quasi als Schutz die niedrigere Steinreihe davorgesetzt. „Ein Gaul fährt ja nicht so exakt wie ein Autofahrer“, weiß Lischer, der selbst Linienbusse steuert. „So ein Fuhrwerk hatte eine ziemliche Wucht, die abstehenden Keile sollen ganze Fachwerkhäuser eingerissen haben“, ergänzt Kögel.
„Hundsbrunzer“ genannt
Beide Experten verweisen auf die Einfahrten von Bauern- oder Winzerhöfen, wie sie in pfälzischen Dörfern vielfach zu finden seien. Auch dort gebe es solche Radabweiser in Form breiterer Steine vor den eigentlichen Torpfosten. Und jetzt wird es Pfälzisch: „Hundsbrunzer“ würden die genannt, weil Fiffi so gerne sein Bein daran hebe, sagt Lischer. Seine Familie habe in Haardt selbst ein solches Anwesen besessen, von dem aus sein Urgroßvater Philipp Fischer einst als Fuhrmann mit Haardter Sandsteinen als Ladung zu Tagesfahrten nach Speyer aufgebrochen sei, um Baustoffe für die Gedächtniskirche zu liefern.
Kögel berichtet von einem ähnlichen Stein auch an der Hammelsbrücke in Speyer-Süd und steuert eine Doppel-Anekdote bei: Neben den Pferdefuhrwerken seien auch „Stoßkärch“ über die Sonnenbrücke gerollt. Handwerker oder Marktleute hätten auf diesen Einachsern traditionell ihre Materialien transportiert. Der „Schipka-Pass“ am Bahnhof habe daher seinen Namen: die „Schiebekarre“ habe Pate gestanden. Eine solche habe auch mal ein Lehrjunge vom Fischmarkt die St.-Georgen-Gasse hinaufziehen sollen. Ein Passant habe ihm geholfen, danach aber verständnislos gefragt: „Was hat sich denn dein Meister dabei gedacht, dich damit allein loszuschicken?“ Replik des Jungen: „Der hat gesagt: ,Do kummt bestimmt so en Dabbschädel und helft der’.“
Sei’s drum: Die Erklärung mit den Radabweisern sei stimmig, urteilt Florian Benner von der Stadtverwaltung. Er ist verantwortlich für die geplante Baumaßnahme, bei der die Brüstungen erhöht und ihr „Vorbau“ natürlich erhalten werden soll.