Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel So wirkt sich der Preisschock an den Zapfsäulen in Speyer aus

Tanken ist in den vergangenen Tagen deutlich teurer geworden: Die Kunden nehmen es wohl oder übel hin.
Tanken ist in den vergangenen Tagen deutlich teurer geworden: Die Kunden nehmen es wohl oder übel hin.

Seit dem Angriff auf den Iran steigen die Ölpreise und damit auch die Tarife an den Speyerer Zapfsäulen. Tankstellen-Inhaber und Pächter spüren schon die ersten Auswirkungen.

Daniel Steigleiter schüttelt den Kopf. Nein, er könne nicht prognostizieren, wie lange der Preisanstieg an der Zapfsäule noch andauere, sagt der Geschäftsführer der Speyerer Firma Steigleiter Energie, zu der Automaten-Tankstellen in der Auestraße und im Sterngarten gehören. „Diese Woche erwarte ich keine starken Einbrüche mehr“ – diese Einschätzung traue er sich noch zu. Alles andere hänge vom Verlauf des Krieges im Nahen Osten ab. Wenn dieser vorbei sei, gehe er von einer schnellen Normalisierung der Preise aus, so Steigleiter.

Bis dahin könnten die leichten Rückgänge bei den Absatzmengen andauern, die er in Speyer derzeit verzeichnet. Seine Vermutung für die Zurückhaltung: Viele Kunden nutzten für kürzere Fahrten gerade an den schönen Tagen das Fahrrad statt das Auto, und etliche Berufstätige setzten wieder stärker auf Homeoffice, sofern das ihr Arbeitgeber zulasse. Steigleiter versichert, dass an seinen freien Tankstellen nicht zulasten der Kunden an der Preisschraube gedreht werde: Alle Entwicklungen seien in der Ölpreis-Entwicklung begründet, die Marge des Unternehmens bleibe unverändert. „Wir machen uns nicht die Taschen voll.“

Dass die Bundesregierung nun angekündigt hat, dass der Spritpreis künftig nur noch einmal am Tag erhöht werden darf, werde Anpassungen an dem automatisierten System erfordern, das bei Steigleiter die Preise festlegt – mit bislang oft mehrfachen Änderungen pro Tag. Das werde aber technisch kein Problem sein. „Die Auswirkungen auf die Endverbraucher kann ich noch schwer abschätzen.“

Sensible Kunden

Steigleiter glaubt, dass die Kunden auch sensibler geworden seien und Preise stärker verglichen. Das komme seinem Geschäftsmodell entgegen, mit dem er sich preismäßig am unteren Ende der Speyerer Standortskala bewegen will. Aus der Auestraße habe er dabei noch nicht so viele Vergleichswerte, denn der erst im November eröffnete Standort habe in den ersten Monaten mehrfach mit technischen Problemen zu kämpfen gehabt, die nun aber behoben seien. Letztlich fehlten ihm auch detaillierte Rückmeldungen von Kunden: „Wir haben keinen Shop dabei, die Leute kommen nicht rein.“

Das ist an anderen Tankstellen anders, zum Beispiel in der Landauer Straße: „Wir als Tankstellenbetreiber können nichts für die Spritpreise“, verdeutlicht David Davids, der die BFT-Tankstelle am südlichen Speyerer Ortsausgang betreibt. Der Anstieg von 1,50 oder 1,60 Euro pro Liter Diesel auf aktuell rund 2,20 Euro innerhalb kurzer Zeit „ist schon heftig“, sagt er. Zudem zeige die Tendenz aktuell eher nach oben als nach unten.

Und wie nehmen die Kunden die gestiegenen Preise auf? „Reaktionen kommen schon“, erzählt der Betreiber. Hin und wieder gebe es Beschwerden, konkrete Nachfragen zu den gestiegenen Spritpreisen seien aber eher selten. Viel dazu sagen kann er ohnehin nicht: „Wir wissen auch nicht genau, woran es liegt“, sagt Davids. Eine Reaktion der Autofahrer hat er aber beobachtet: Manche würden nun womöglich weniger tanken als früher und nur noch das, was unbedingt nötig ist, in ihren Tank füllen. Statt wie früher für 50 oder 60 Euro fülle mancher nur noch für 20 Euro nach. Ändern könne man an der Situation aktuell nichts. Davids mache sich auch keine Sorgen: „Ich bin sowieso ein gelassener Mensch.“

Gelassene Geschäftskunden

Daran, dass sich Kunden bei ihm oder dem Tankstellenpersonal über die hohen Spritpreise beschwerten, kann sich Stefan Kämmerer nicht erinnern. „Die Leute wissen doch, dass wir Pächter nicht schuld sind an der Preisgestaltung.“ Erdöl sei eben ein „spekulatives Produkt“. Kämmerers Ehefrau Daniela Achilles-Kämmerer verantwortet den Betrieb der drei Aral-Tanken in der Domstadt mit Standorten am Rauschenden Wasser in der Bahnhofstraße, in der Industriestraße und in der Landauer Straße. Dass das Schimpfen der Autofahrer ausbleibt, liegt möglicherweise auch daran, „dass wir viele Geschäftskunden mit Firmenfahrzeugen haben“. Die seien grundsätzlich entspannter, was die Preisentwicklung angehe.

Eine größere Zurückhaltung der Kunden könne er am Mengenabsatz bisher nicht ablesen, sagt Kämmerer. Doch überlege sicher der ein oder andere, ob eine Fahrt mit dem Auto wirklich notwendig sei oder ob es eine Alternative gebe. Und auch die 20-Euro-Tanker gebe es. Angesichts der aktuellen Preise „kann ich das verstehen“. Womöglich werde auch am Einkauf in den Tankstellenshops gespart. Dass im Gegenzug mehr Betrieb an seinen Stromladesäulen in der Bahnhof- und Industriestraße herrscht, habe er nicht beobachtet, meint Kämmerer: „Die Nachfrage ist gut, aber zugenommen hat sie nicht.“ Woher auch? „Es sind ja deswegen nicht auf einmal mehr Elektroautos auf der Straße.“

x