Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel So will Verkehrsplaner Manuel Kitzmann den Busverkehr angehen

Er trägt dazu bei, dass hier der Bus hält: Verkehrsplaner Manuel Kitzmann.
Er trägt dazu bei, dass hier der Bus hält: Verkehrsplaner Manuel Kitzmann.

Wer verfolgt, worüber die Speyerer viel und kontrovers diskutieren, weiß, warum die Stadtverwaltung hat 2017 ihren ersten und kürzlich ihren zweiten Verkehrsplaner eingestellt hat. Manuel Kitzmann soll zunächst beim Busverkehr die richtigen Weichen stellen. Nach den ersten Entscheidungen ist längst noch nicht alles klar.

Es wird diskutiert, denn die Stadt Brücke A sperrt, wenn sie den Verkehr durch Straße B umleitet und wenn an Kreuzung C die Ampelschaltung verändert wird. Und es wird trefflich darüber gestritten, wie und wo künftig die Stadtbusse fahren sollen. Vor allem im letztgenannten Fall hört Manuel Kitzmann ganz genau hin. Bis 2023 ist der aktuelle Auftrag für die Buslinien 561 bis 569 vergeben, für das neue System muss schon im September 2021 eine europaweite Vorab-Bekanntmachung veröffentlicht sein. Seit Monaten wird das Thema immer wieder in den politischen Gremien aufgerufen, weil die Stadt für eine breite Akzeptanz viele Meinungen hören möchte. Auch die Bürger sind beteiligt worden. Die geäußerten Wünsche sind mannigfaltig. Deshalb ist es wichtig, dass Kitzmann dem Verfahren Struktur verleiht.

Der im Dezember bei der Stadtverwaltung eingestiegene Verkehrsplaner informiert die Bürger per Video, beantwortet Fragen, verdichtet den Klärungsbedarf auf zunächst fünf Eckpunkte. Zu dreien davon hat sich der Stadtrat positioniert, zu den anderen beiden soll es Entscheidungen im September geben: Werden teilweise kürzere Midibusse statt der bisherigen Standardbusse eingesetzt? Und gibt es wieder eine eigene Shuttle-Linie ab dem Bahnhof in die Innenstadt im Stil früherer Jahre? „Shuttle oder nicht Shuttle ist eine entscheidende Frage. Dahinter stehen zwei komplett verschiedene Herangehensweisen“, so Kitzmann. Er sagt, dass noch alles offen sei. Letztlich sei es für die Politik auch eine Kostenfrage. Klar sei, dass der finanzielle Beitrag, den die Stadt für ein gutes Busnetz leisten muss, steigen wird, sagt er.

Herausforderungen in den Stadtteilen

Als weitere Herausforderung nennt Kitzmann die Anbindung der Stadtteile. Die Baustelle sieht er dabei nicht in Speyer-Nord, denn dort seien die Äußerungen über das zuletzt 2013 verbesserte ÖPNV-Angebot sehr positiv. „Anderswo ist die Anbindung nicht optimal“, gesteht er. Das gelte etwa für Speyer-West, wo die Ringlinie über Quartiersmensa und Cura-Center zur Auestraße nicht gut angenommen werde. Für die Verbindung von Speyer-Süd in die Innenstadt sei es aus heutiger Sicht ein Nachteil, dass auf dem Weg zum Bahnhof eine Schleife durch das Kämmerergebiet gefahren werde: Das koste Zeit, und geplante S-Bahn-Halt Süd, der damit angebunden werden sollte, steht nach wie vor nicht. „Verschenktes Potenzial“, urteilt Kitzmann, der für die Zeit ab 2023 die „Abkürzung“ direkt durch die Landauer Straße als Alternative sieht. Wenn der Bahnhaltepunkt käme, könnte immer noch nachgebessert werden, ebenso wie etwa beim erhofften Zuschlag für die Landesgartenschau 2026.

„Wir versuchen möglichst viele zu erreichen“, sagt Kitzmann über die städtische Nahverkehrsplanung. Die Bürgerbeteiligung soll den Aufwand gut begründen. Auf Bundesebene werde eine Verdopplung der Fahrgastzahlen angestrebt, das bringe auch Anforderungen für Speyer mit sich. Dass bei einem Systemwechsel von heute auf morgen viel mehr los wäre in den Bussen, sei nicht realistisch, betont Kitzmann. So etwas entwickle sich erst über die Jahre, wenn ein neues Angebot da sei. Dieses müsse gut sein, um die Bürger etwa zum Verzicht auf das Zweitauto der Familie zu bewegen.

Profi im Kartenlesen

Konkrete Motivation ist also da für den neuen Mann im neuen Job, der Speyer auch als verkehrsgünstig gelegene Stadt schätzt. Speyer war für ihn recht unbekannt, als er am Dom seinen ersten Job nach dem Studium angetreten hat. Er habe sich aber schnell zurechtgefunden – als Profi im Kartenlesen und als begeisterter Radler, der nach dem Umzug an den neuen Arbeitsort längst alle neuralgischen Punkte im Straßennetz im Sattel erkundet hat.

Kitzmann ist 27 Jahre alt, stammt aus der Nähe von Mainz und hat an der TU Kaiserslautern sein Masterstudium in Stadt- und Regionalentwicklung abgeschlossen. Die neue Heimat liebe er nicht nur aufgrund der Herausforderungen im Verkehr, sondern auch wegen ihrer „perfekten Größe: städtisch, aber nicht zu groß“. Er freue sich „auf die ganzen Feste“, sagt Kitzmann. Als begeisterter Fußballer schaue er sich nach Chancen um, etwa in einer Freizeitmannschaft dem Leder hinterherzujagen. Die weitere Herausforderung in diesem Zusammenhang werde er auch stemmen, vermutet er vorsichtig: als Fan des FSV Mainz 05 in der Pfalz zurechtzukommen.

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