Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel So verlief die Corona-Neujahrsnacht

Corona-Neujahr: einsamer Böller in der leeren Innenstadt.
Corona-Neujahr: einsamer Böller in der leeren Innenstadt.

Vereinzelte Böller über Speyer, gegen 18 Uhr werden es mehr. Die Sperrstunde nähert sich. Aber in der Oberen Langgasse stößt ein Quartett vor der Haustür schon mal an. Noch herrscht Verkehr. Die Autokennzeichen weisen auf Speyer und den Rhein-Pfalz-Kreis, Mannheim und München, Heidelberg, Darmstadt und Südliche Weinstraße hin.

Taxis sind unterwegs. Junge Leute formieren sich, ohne Maske, Abstand durchwachsen, in Prinz-Luitpold-Straße, im Mausbergweg. 23 Uhr, hell erleuchtete Wohnzimmerfenster gewähren Blicke ins Innere. Gelächter und Musik dringen raus. Ein Man n steht vor der Haustür. Am Nonnenbach leuchtet das Halsband eines braunes Hundes.

Gegenüber bei den Wohnwagen brennt ein Feuer. Eine Rakete heult. Auch ein schwarzer Vierbeiner am Eselsdamm muss nicht drinnen bleiben. Nur leise Stimmen verschaffen sich am sonst vollgestopften Fischmarkt Gehör. Eine Absperrung auf der Maximilianstraße zum Weihnachtsmarkt fehlt diesmal. Ein Polizeiauto parkt vor der Wache.

Steht da etwa ein Fahrrad? Nein, nur zu Werbezwecken. Das Polizeiauto biegt am Dom links ab. Vor der Wache telefoniert ein Mann, nimmt sich ein Taxi. Ein Fernsehkameramann erleuchtet grell mit einem Scheinwerfer die Szenerie. „Keine Ausgangssperre?“, fragt er: „Alles brave Leute in Speyer. Ich habe seit einer Stunde keinen Menschen gesehen.“

Totenstille

Ein Polizeibus kommt an. Fünf, sechs Insassen steigen aus. Totenstille nahe der begrabenen Kaiser. Höchstens Weihnachtssterne rascheln am Baum, oder es klappert am Fahnenmast. Polizisten am Gotteshaus lachen. In der Großen Himmelsgasse raucht ein Mann. Der Kameramann mit der gelben Weste und der Aufschrift „Medien“ ändert die Stellung.

Das nächste Taxi passiert langsam den Domnapf, drückt dann aufs Gaspedal, und wieder eine neue Kameraposition. Eine Frau guckt aus dem Fenster, was so geht. Der Raucher bekommt weibliche Gesellschaft, bewaffnet mit zwei Sektgläsern. Das Pärchen umarmt sich, Prost Neujahr.

Das ruft die Ordnungshüter dann doch auf den Plan, Alkoholverbot im öffentlichen Raum. Die Sache lässt sich klären. Die Glocken läuten. Normalerweise wäre jetzt hier am heiligen Gebäude die Hölle los, der Dom in Rauch. So fliegt ein Vogel vorbei, oben dunkel, unten weiß. Einer der Uhus?

In Bewegung

Der TV-Kollege steigt in das ominöse Fahrzeug, bei dem schon die ganze Zeit das Licht brennt. Im Inneren hält eine Frau ihr Handy ans Ohr. Eine Streife braust los.

Zwei Fahrradfahrer kommen durchs Altpörtel, lassen die Polizeiwache links abbiegend großzügig außen vor und entfernen sich Richtung Domgarten. Ein Rollerfahrer gibt noch früher auf und zieht die Heydenreichstraße vor.

Und immer wieder Polizeiautos, Taxis, dann Martinshorn. „Gutes Neues“, rufen junge Männer von einem Balkon in der Bahnhofstraße, dasselbe eine größere Gruppe von gegenüber. „Ausgangssperre“, mahnt einer in vorwurfsvollem Ton. Am Bahnhof telefoniert eine Gestalt mit Plastiktüte mit Raketen als Inhalt, ein Feuerwerkskörper-Dealer?

RHEINPFALZ-Kommentar von Martin Erbacher: Diszipliniert

Wie auch nicht anders zu erwarten, der allerallergrößte Teil der Speyerer beachtet die Corona-Regeln und das selbstverständlich auch in der Neujahrsnacht, was das Feiern auf der Maximilianstraße angeht.

Sonst der Höhepunkt der Festivitäten rund um den Wechsel von 31. Dezember auf 1. Januar, herrschte nun angebrachte tote Hose, hoffentlich zum ersten und letzten Mal.

Die paar Verstreuten auf Tour werden schon ihren Grund gehabt haben oder ließen sich schnell durch die im Stadtgebiet zwar sehr präsente, aber nicht aufdringlich aktive Polizei eines Besseren belehren. Ob’s einen Wechsel 2021/22 im herkömmlichen Sinne gibt?

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