Speyer
So lief die Kult(o)urnacht 2026
Es wurde mit attraktiven Angeboten unterschiedlicher Art aufgewartet. Viele Institutionen waren zum ersten Mal dabei. Es gab also nicht wenig neu zu entdecken im Blick auf das ausgesprochen vielfältige kulturelle Angebot in der Domstadt. Die Stimmung war großartig.
„Wenn man was seit 25 Jahren macht, muss die Ursprungsidee gut gewesen sein“, sagte Kulturbürgermeister Alexander Schubert bei der Eröffnung der Kult(o)urnacht im Kulturhof Flachsgasse. In 25 Jahren sei die Kult(o)urnacht gewachsen – erwachsen geworden. Er machte dabei deutlich: „Kultur ist mehr als ein Programm.“ Man sehe hier, wie sie regelrecht zelebriert wird.
Bürgermeister Alexander Schubert sagte weiter, Speyer zeige sich bei dieser Veranstaltung von seiner lebendigsten und offensten Seite. Schubert lobte die eingebrachte Leidenschaft und Kreativität. Dieser Abend habe eine besondere Atmosphäre.
Die Kultur bestimme den „Herzschlag unserer Stadt“. Gerade in den gegenwärtigen Zeiten mit ihren vielen Problemen und Herausforderungen sei es wichtig, Orte des Austauschs schaffen. Die Kulturorte warteten darauf, entdeckt zu werden. Schubert lud alle Besucher ein, an diesem Abend die Kultur in Speyer neu zu entdecken.
Zu entdecken gab es diesmal besonders viel, denn es gab eine ganze Reihe neuer Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Künstlergruppe artUP präsentierte ihr einzigartiges Projekt „artTr€$or“ in den ehemaligen Räumten einer Bank. Dort war sehr großer Andrang vor und in den Räumen. Es gab ja auch Spannendes zu bestaunen. Das neue Atelier von Jutta Bresser und Gabriele Willberg in der Gutenbergstraße, das es seit Oktober gibt, vereint zwei unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen.
Erstmals im Rahmen der Kult(o)urnacht war das neu eröffnete Museum „Haus der Badisch-Pfälzischen Fasnacht“ geöffnet (siehe unten links). Das Akkordeonorchester E. Martin feierte das Akkordeon als Instrument des Jahres, der Verein Speierer Altstadthaisl präsentierte eine farbenfrohe Sonderausstellung des Künstlers Maximilian Löffler, im Turm zum Handwerker stellte Silke Ballheimer aus.
Viel los war unter anderem in der Galerie Kulturraum, die schon vor 25 Jahren dabei war. Auch das Historische Museum ist eine Institution der ersten Stunde. Interessant: Im Dom- und Diözesanmuseum „Kreuz und Krone“ waren viele interessierte junge Menschen.
Während im Dom Markus Eichenlaub Boléro spielte (siehe unten), machten die Besucher des Judenhofs einen Ausflug in die 1930er-Jahre. Hier spielte traditionsgemäß das Klezmer Quartett Heidelberg und ließ die Tradition der osteuropäischen Klezmorim aufleben. Etwa in Form des Swing-Klassikers „Bei mir bist du shein“ (jiddisch, etwa „Ich finde dich hübsch“), der sofort gute Laune macht.
In der Bücherei St. Josef las der Speyerer Autor Christoph Lode, der unter verschiedenen Pseudonymen Romane schreibt. Sein neustes Werk „Der Thron der Lilie“, verfasst als Daniel Wolf, stellte er rund 20 Zuhörern vor. Es spielt in der Zeit der Kreuzzüge und der Welt der Tempelritter. Lode, der bei der Lesung ein T-Shirt mit der Aufschrift „Destroy AI“ (deutsch: „zerstöre KI“) trug, zog dabei Parallelen zur heutigen Zeit, in der nicht nur das Christentum in der Krise stecke, sondern auch viel Unsicherheit aufgrund einer „Zeitenwende“ herrsche. Lode: „Zukunftsangst war ein dominantes Gefühl.“ Das zeige sich auch im Handeln seiner Romanfiguren.
Kurz: Sie war wieder ein großer Erfolg, die Speyerer Kult(o)urnacht. In den erwähnten und den vielen an dieser Stelle aus Platzgründen nicht erwähnten Orten herrschte ganz spürbar die von Bürgermeister Alexander Schubert bei der Eröffnung angesprochene ganz besondere Atmosphäre. Auf die kommenden 25 Jahre Kult(o)urnacht in Speyer.