Speyer
So lief der Jahreswechsel in der Domstadt
„Drei, zwei, eins“, ein junges Pärchen am Bischofshaus/Ecke Maximilianstraße zählt die letzten Sekunden 2021 herunter und begrüßt das neue Jahr 2022: ein lauter Böller, ein Juchzer, eine Autohupe. Etwa 200 Menschen mögen es sein, die sich dann doch noch zaghaft auf dem wenige Minuten zuvor völlig verwaisten Areal vor dem Dom versammeln.
Sie sitzen auf Bänken und Treppen, lehnen an Laternen und Fassaden, blinkende Lämpchen zieren gar manches Haupt. Als beliebtestes Selfie-Motiv hält der Weihnachtsbaum vor dem Speyerer Dom her. Masken? Vielleicht zwei. Polizei? Nicht zu sehen. Wenige Raketen gehen hoch. Es dominieren eher Knallfrösche und Bodenfeuerwerk. Es ist eine Neujahrsnacht in abgespeckter Form nach dem Ausgangssperrensilvester 2020.
Fünf mit Sektflaschen bewaffnete junge Männer passieren das Gotteshaus. Der auffrischende Wind weht ein Sektglas vom Rand des Domnapfs zu Boden. Die Frau liest die Scherben zusammen. Das Pärchen ändert den Musikstil. Hurra die Gams aus der Konserve löst Partymusik und Humba Tätärä ab, tritt in Konkurrenz zum Klang der Domglocken. Eine Frau mit roter Jacke tanzt zur Musik.
Viele halten sich an Regeln
Absperrungen gibt es keine. Autos fahren vorbei, ein Roller. Ein Taxi steht auf der spärlich besuchten Hauptstraße bereit. Ein Mann auf dem Fahrrad mit großen Plastiktüten sucht im Domnapf nach Pfandflaschen. Die Ersten treten um 0.15 Uhr wieder den Nachhauseweg an.
Das Polizeipräsidium Rheinpfalz mit Sitz in Ludwigshafen zieht nach dem Jahreswechsel eine positive Bilanz. „In der Nacht kam es zu keinen besonderen Vorkommnissen“, heißt es in einer anschließenden Pressemitteilung. Der Großteil der Bevölkerung habe sich an die geltenden Corona-Beschränkungen gehalten.
Die Stadt Speyer hatte eine Allgemeinverfügung für die Silvesternacht erlassen, die unter anderem zur Auflage machte, etwa auf der Maximilianstraße, dem Domplatz und dem Geschirrplätzel eine medizinische Maske zu tragen. Die bundesweite Regelung, dass sich höchstens zehn geimpfte beziehungsweise genesene Personen treffen dürfen, behielt auch in der Silvesternacht ihre Gültigkeit.
13 Straftaten
Für die gesamte Vorderpfalz meldete das Polizeipräsidium am Wochenende insgesamt 52 Personenkontrollen in der Nacht auf den 1. Januar. Platzverweise mussten demnach keine ausgesprochen werden. Allerdings seien in der Vorderpfalz vier Verstöße gegen die Maskenpflicht verzeichnet worden. „Darüber hinaus kam es nach ersten Auswertungen zufolge zu insgesamt 13 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten“, teilt das Polizeipräsidium mit. Sechs Strafanzeigen wurden wegen Körperverletzungsdelikten entgegengenommen, je zweimal gab es Sachbeschädigungen und Beleidigungen. In zwei Fällen wurden Strafanzeigen wegen Führen eines Fahrzeuges unter Alkoholeinfluss erstattet. Für Speyer meldet die zuständige Polizeiinspektion keine größeren Ansammlungen oder Auffälligkeiten aus der Silvesternacht.
RHEINPFALZ-Kommentar von Anne Lenhardt: „Hoffnung ruht auf 2022“
Die schlechte Nachricht: Das Coronavirus wird auch 2022 noch da sein. Die gute: Das neue Jahr könnte dennoch besser werden.
„Überwiegend vernünftig und umsichtig“ hat das Polizeipräsidium Rheinpfalz die feiernden Vorderpfälzer in der Silvesternacht genannt. Auch in Speyer auf dem Domplatz war es in der Nacht auf den 1. Januar verhältnismäßig ruhig. Das zeigt: Viele Menschen nehmen das Coronavirus und die Pandemie im Lichte der neusten Virus-Variante Omikron ernst. Auch wenn sie nach zwei Jahren Ausnahmezustand erschöpft sein mögen. Das macht Mut und Hoffnung, dass 2022 tatsächlich besser wird: Weil weiter geimpft und an neuen Vakzinen geforscht wird, weil die Experten von einer harmloseren Omikron-Variante ausgehen und weil sich weiterhin viele Menschen an die Corona-Regeln halten. Durchhalten, dann könnte bald alles wieder „normal“ sein.