Speyer
So läuft’s beim Impfmarathon in der Vorderpfalz
Speyer: Impfzentrum ist seiner Zeit voraus
„Wir haben weitsichtig geplant“, sagt Peter Eymann. Der Speyerer Stadtfeuerwehrinspekteur ist zusammen mit Leiterin Birgit Walther für das Impfzentrum in der Stadthalle zuständig. Schon wenige Wochen nach der Eröffnung war dieses umgebaut worden: Von einer Impfstraße im Kleinen Saal auf zwei im Großen Saal. Die Vorgabe vom Land, zum 15. März zu verdoppeln, sei somit zu erfüllen, ohne auf ein Zwei-Schicht-System mit 16 Stunden Betrieb täglich umzustellen. Speyer müsse von der Größe her eigentlich nur eine Impfstraße vorhalten. Im drittkleinsten Impfzentrum im Bundesland sind seit 7. Januar 4994 Impfungen erfolgt, davon 3534 Erstimpfungen und 661 innerhalb der vergangenen Woche, inklusive 53 Personen im Hospiz Wilhelminenstift, die aufgesucht worden seien.
Zweitimpfungen pausieren seit zwei Wochen, weil Vakzine fehlen. „Wir könnten mehr impfen“, so Eymann. Bisher werde an den meisten Tagen nur 50 Prozent der Kapazität von 200 Impfungen am Tag erreicht. Diese Woche sei es an einem Tag an die 90 Prozent gegangen, sodass erstmals die zweite Impfstraße benötigt worden sei. An den Öffnungszeiten sind kleinere Veränderungen geplant, sie sollen künftig von 8.45 bis 17.30 Uhr angesetzt sein. Eymann: „Wir sind auch in Vorbereitungen, um samstags und sonntags öffnen zu können, aber derzeit ist das noch nicht nötig, weil es noch genügend Terminlücken unter der Woche gibt.“ Das Impfzentrum hat zwölf Mitarbeiter und wird zusätzlich von einem Sicherheitsdienst bewacht; bisher gab es laut Eymann nur zweimal Probleme mit Kritikern vor Ort. Beim anfangs umstrittenen Astrazeneca-Vakzin gebe es „kaum noch Ablehner“. Das Nachrücker-System für nicht verimpfte Dosen laufen gut und fair.
Schifferstadt: Längere Öffnungszeiten ab Montag
Das Impfzentrum für den Rhein-Pfalz-Kreis fährt derzeit wieder auf Volllast – genügend Impfstoff ist da. Trotzdem soll aufgestockt werden. Wie? Indem die Öffnungszeiten erweitert werden. Stand die Sporthalle im Schifferstadter Neustückweg Impflingen bislang von 8 bis 19 Uhr zur Verfügung, wird nächste Woche auf 21 Uhr verlängert. „Ab 15. März läuft der Betrieb bis 22 Uhr, einschließlich Sonn- und Feiertage“, kündigt Landrat Clemens Körner (CDU) an. Ab Mitte März soll zudem der Impfbus unterwegs sein, der in den Gemeinden Halt macht und vor Ort impft. „Das ist die dritte mobile Impfstraße“, so Körner. Zwei Impfstraßen sind in Schifferstadt aktiv, auf denen bis zu 380 Menschen am Tag geimpft wurden. „Demnächst wollen wir 600 bis 700 Leute am Tag impfen“, sagt Impfkoordinator Tilo Meinke. Er erwartet, dass bald keine Termine mehr platzen. Der Anteil versäumter Termine mit Astrazeneca lag bei rund zehn Prozent.
An Impfstoffen steht derzeit neben Astrazeneca auch wieder Biontech bereit. Eine Lieferung ist laut Kreis zum 1. März erfolgt, seither werden wieder Über-80-Jährige erstgeimpft. In dieser Altersgruppe hatte es zuletzt bei der Terminvergabe gestockt, weil kein passender Impfstoff da war. Das Vakzin von Astrazeneca durfte bislang nur an Unter-65-Jährige verimpft werden.
Das Land hat in Aussicht gestellt, dass Schifferstadt auch noch den Impfstoff von Moderna bekommt, so Meinke. Körner geht davon aus, dass mit Zulassung von Johnson & Johnson noch ein viertes Mittel hinzukommt. Bis zu diesem Wochenende wurden rund 6400 Kreisbürger geimpft. Momentan sind 17 Kreis-Mitarbeiter im Schichtbetrieb vor Ort, mindestens zehn Personen des medizinischen Personals sowie Dienstleister.
Ludwigshafen: Dritte Impfstraße im Aufbau
Das Impfzentrum im ehemaligen Real-Supermarkt in der Walzmühle in Ludwigshafen, eine Fläche von 2700 Quadratmetern, sieht aus wie eine XXL-Praxis mit dem Charme eines Krankenhausflurs. Den Saal durchkreuzen zwei Rolltreppen, die in den ersten Stock führen. Die Räume oben, weitere 3000 Quadratmeter, kann die Stadt nach Bedarf anmieten, falls zusätzliche Impfstraßen benötigt werden. Maximal fünf wären möglich. Zwei sind in Betrieb, eine dritte Impfstraße ist im Aufbau. Von 7. Januar bis 4. März (werktags, 10 bis 17 Uhr) wurden hier 6449 Impfungen verabreicht. Von 27. Januar bis 16. Februar waren wegen Impfstoffmangels nur Zweitimpfungen möglich. Aus gleichem Anlass musste das Zentrum von 23. Februar bis 1. März schließen.
In der Prioritätengruppe 1 erhielten bisher 4891 Über-80-Jährige eine Injektion. Für 3005 war es die Erstimpfung. In der Woche ab 8. März sind 1700 Erstimpfungen vorgesehen, davon 780 mit dem Biontech-Vakzin. Laut Stadt soll das Zentrum bis Ende April wöchentlich jeweils 1000 Impfdosen des Herstellers Biontech und 840 von Astrazeneca erhalten. Neben den zwei Koordinatoren sind etwa 40 Mitarbeiter vor Ort tätig.
Mannheim: Drei Präparate im Einsatz
Sechs Impfstraßen sind in der Mannheimer Maimarkthalle nach Angaben der Stadt in der Regel geöffnet. Es bestehe eine sehr hohe Nachfrage nach Impfterminen. „Viele, die zu uns ins Impfzentrum kommen, haben sich vor ihrem Termin über die Impfstoffe informiert“, sagt Leiterin Nicole Tettweiler. Außergewöhnliche Nebenwirkungen seien bislang nicht aufgetreten, teilt die Stadt mit. In der Halle sind laut Stadt täglich 49 Mitarbeiter im Einsatz, 20 Personen im administrativen, 29 im medizinischen Bereich. Aktuell wird täglich im Einschichtbetrieb von 8 bis 15 Uhr geimpft. Bei Vollauslastung sei ein Zweischichtbetrieb vorgesehen. Bis zum Wochenende werden in Mannheim voraussichtlich 49.000 Impfungen erreicht sein. Enthalten sind rund 15.000 Impfungen mobiler Teams.
Frankenthal: Ferrari-Fahrt in Tempo-20-Zone
Mit der Fahrt eines Ferraris in der Tempo-20-Zone hatte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) jüngst den Betrieb des Frankenthaler Impfzentrums verglichen. Bis zu 700 Impfungen am Tag wären hier während der Öffnungszeiten montags bis samstags von 9 bis 16 Uhr möglich. 80 sind es tatsächlich. Auf drei Impfstraßen könnten 18 Personen gleichzeitig versorgt werden. Doch nur eine Impfstraße ist derzeit geöffnet. Noch fehlt schlicht der Impfstoff für mehr. Weil kein Nachschub kam, war das Impfzentrum im Februar an sechs Tagen zu. Seit dem Start am 7. Januar wurden 4543 Spritzen gesetzt. In der ersten Woche seien etwa 30 Menschen nicht erschienen, die einen Termin für die Impfung mit Astrazeneca hatten, weitere 30 hätten über die Hotline storniert. Diese Woche habe es weniger Absagen gegeben.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Noch unter Wert
Allein der Blick in die Städte und in den Landkreis im Zuständigkeitsbereich des Ludwigshafener Gesundheitsamts zeigt deutlich den Aufwand, der in den vergangenen Wochen betrieben wurde, um die Impfzentren ins Laufen zu bringen. Wenn nur alles so gut liefe in der Pandemie wie diese bisher vor allem logistische und organisatorische Leistung! Damit die Impfzentren ihre volle Wirkung entfalten, muss jetzt mehr Impfstoff her, die Terminvergabe besser laufen und die Bevölkerung mitziehen. Dann wird man sehen, was sie wirklich wert sind.