Speyer
So könnte der Bahnhof umgestaltet werden
Der Kiosk
Heute geht es durch das Bahnhofsgebäude oder nördlich an diesem vorbei zu den drei Bahnsteigen. Im Norden endet die Schneckennudel-Brücke im Zugangsbereich, in deren letzte Schlinge ein Kiosk gebaut ist. Dessen Dauer-Leerstand war einer der Ausgangspunkte für städtische Pläne, den Bahnhof aufzuwerten. Seit bei der Bahn ein neuer Manager für die Speyerer Immobilie zuständig ist, stößt die Verwaltung dort auf offene Ohren. Den Kiosk würde der Staatskonzern laut Vorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Konversion (Sitzung am Dienstag, 29. Juni, 17 Uhr, als Videokonferenz bei Youtube) für 151.000 Euro an die Stadt verkaufen. Die würde ihn für weitere 50.000 Euro – bei 90 Prozent Förderquote – zu einem „Stadtinfo-Point und WC-Anlage“ umbauen, wenn der Stadtrat zustimmt.
Die Planung sieht vor, den runden Pavillon in einen offenen und einen geschlossenen Raum zu unterteilen. In der einen Hälfte würden zwei Toiletten untergebracht: eine barrierefreie, die auch von Damen benutzt werden könnte, sowie eine Herrentoilette. Der offene Bereich sollte überdacht und mit einer digitalen Informationsstele bestückt werden. Ankommende Touristen könnten sich hier auch bei Wind und Wetter „bequem über Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten informieren“, so das Kalkül. Bei Großveranstaltungen wie der Messe „Wein am Dom“ oder der Landesgartenschau könnte dort Personal der Tourist-Info begrüßen. Im zweiten Halbjahr 2021 will die Stadt das Gebäude kaufen.
Die Toiletten
Die Stadt berichtet von intensiven Verhandlungen dazu mit der Bahn. Mehr als eine hälftige Beteiligung an den jährlichen Betriebskosten von rund 10.000 Euro sei aber nicht dabei herausgekommen, so die verantwortlichen Stadtplaner. Hintergrund: Der Speyerer Bahnhof liege nur an einer Nebenstrecke, sei somit nach Betreiber-Definition kein Hauptbahnhof und erhalte damit generell keine Bahn-eigenen WC-Anlage. Dass es am Bahnhofsgebäude zu Gleis 1 hin drei davon gibt, sei kein Dauerzustand: „Die Bahn möchte sie mittelfristig schließen, da sie nicht mehr dem aktuellen Standard entsprechen.“
Die Zugänge
Es soll wieder ein südlicher Zugang zum Bahnsteig geschaffen werden. Die Bahn war davon zunächst nicht begeistert, auch weil dort einer ihrer Strommasten steht. Inzwischen hat sie aber laut Stadt zugestimmt. Sie werde auch als Kostenträger auftreten und Fördermittel aus einem Konjunkturpaket des Bundes in Anspruch nehmen. Das Projekt mit neuer Rampe, Pflasterung, Überdachung und Begrünung wird auf 125.000 Euro geschätzt. Begonnen werden könne bereits 2021, das Ende sei aber offen, da die Arbeiten am Mast das Eisenbahnbundesamt absegnen müsse.Das Bahnhofsgebäude hat kürzlich für 85.000 Euro schon eine neue Treppe bekommen. Die Bahn hat außerdem in die Möblierung investiert und will die Überdachung des Mittelbahnsteigs für 200.000 Euro erneuern. Der nördliche Zugang samt Verbindung zum Busbahnhof soll im Zusammenhang mit dem Pavillon-Umbau schöner werden. Als Beispiele nennt die Stadt neue Bodenbeläge, mehr Barrierefreiheit und eine einheitliche Beleuchtung.
Das Umfeld
Die Stadt schreibt dem Bahnhof eine „strategische Bedeutung für die weitere Stadtentwicklung“ zu und will sein Umfeld daher für 450.000 Euro in eigener Trägerschaft verbessern. Dafür soll ein Gestattungsvertrag mit der Bahn beschlossen werden, der ihr Veränderungen erlaubt. Als noch auszuarbeitende Vorschläge werden Umgestaltungen am südlichen Parkplatz etwa mit neuen Fahrrad-Parkplätzen und einer Fahrradreparaturstation genannt. Für den eigentlichen Bahnhofsvorplatz soll es neue Sitzmöbel, Begrünung und Beleuchtung geben. Im nördlichen Bereich wäre es der Stadt wichtig, den Bereich mit den Rad-Boxen und den Müllcontainern neu zu ordnen. Die Stadtverwaltung will jetzt im Ausschuss und dann am 15. Juli im Rat die grundsätzliche politische Zustimmung. Einzelmaßnahmen würden dann ausgearbeitet und nochmals separat zum Beschluss vorgelegt.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Echte Bedürfnisse
Es gab schon sinnlosere öffentliche Ausgaben als die für Verbesserungen am Bahnhof. Geradlinig war der Planungsprozess aber nicht.
Der Bahnhof ist eine Visitenkarte Speyers. Seine Bedeutung wird steigen. Deshalb ist es gut, dass Stadt und Bahn Seit an Seit zu Investitionen bereit sind. Gerade beim Thema WC-Anlage waren die Entscheidungen aber nicht immer konsequent. Unter dem Ex-Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) gab es schon einmal teilweise ähnliche Pläne, die aber auch daran scheiterten, dass eine Systemtoilette im „Vorgarten“ des Adenauerparks dazugehörte. Jetzt kommt eine öffentliche Bedürfnisanstalt in den Schneckennudel-Kiosk – und die Bahn kündigt schon an, ihre Toiletten am Bahnsteig zu schließen. Aus drei werden also zwei Toiletten. Deshalb sollten unbedingt auch die im Adenauerpark erhalten bleiben. Mit den anderen Elementen ihres Konzepts können Bahn und Stadt nichts falsch machen.