SpeYER / La Palma
So geht es Auswanderern auf Insel des Vulkanausbruchs
„1949 und 1971 gab es auf der Insel die letzten Ausbrüche. Da denken Sie nicht an Vulkane, wenn sie dort hinziehen“, sagt Volker Reinle-Carayon. Es sei letztlich Zufall gewesen, dass das Ehepaar auf der Ostseite der Insel ein Häuschen gefunden habe, in dem es seit Anfang 2019 lebt. Dass der Vulkan Cumbre Vieja im vergangenen Jahr über Monate Asche und Lava spie, habe sich fast ausschließlich auf der Westseite der Insel ausgewirkt und deren Bild nachhaltig verändert. Viele Häuser wurden verschüttet. Das Eiland werde über Jahre nicht zu umrunden sein, sagt Reinle-Carayon.
Die Pfälzer Auswanderer hätten ein permanentes Grollen gehört. Das Wissen, dass der Schlot gerade mal fünf Kilometer von ihrem Haus entfernt liegt, habe sie phasenweise schon geängstigt, gesteht der 71-Jährige. „Jede Menge Asche“ sei auf ihrem Grundstück gelandet, aber die könne man beseitigen. Auch die Setzrisse in ihrer Immobilie vom Erdbeben der Stärke 5,2 seien letztlich „harmlos“. Sie seien somit nur „indirekt betroffen“, sagt Reinle-Carayon – möglicherweise schon mit der Gelassenheit eines „Palmero“. „Die Leute krabbeln sich frei“, berichtet er über die direkt vom Ausbruch Betroffenen. „Und irgendwann werden die ersten Hotels oder Golfplätze auf die Lava gebaut.“
Zunächst im Urlaub dort
Ein französischer Freund habe vor sechs Jahren ihm, dem Ur-Speyerer, und seiner aus Toulouse stammenden Frau Nelly La Palma als Reiseziel empfohlen, berichtet Reinle-Carayon. Nach 14 Tagen Urlaub sei das Urteil gereift: „Da möchte ich mal leben.“ Sie hätten sich einen Traum verwirklicht und fühlten sich pudelwohl, betont er. Der 71-Jährige, in Speyer als ehemaliger Pressesprecher der Flugzeugwerke, als RHEINPFALZ-Mitarbeiter, Vorstandsmitglied im Deutschen Journalistenverband und Geschäftsmann bekannt, ist seither noch nicht einmal nach Deutschland zurückgekehrt. Seine 58-jährige Gattin, noch als Rohkost-Beraterin international aktiv, war immerhin einmal in München.
Das eigene Unternehmen, zu dem das „Bistroh“ in Speyer-Nord gehörte, das aber vor allem als Veranstalter von Deutschlands größter Rohkost-Messe „Rohvolution“ sein Geld verdiente, hatten beide schon 2018 an einen Jungunternehmer veräußert. Diesem mache nun der Ausfall der Messen in der Pandemie zu schaffen, bedauert Reinle-Carayon. Er persönlich konzentriert sich heute auf etwas, das auch schon in der Domstadt sein großes Hobby war, als er noch für die „Rohvolution“ in der Stadthalle trommelte oder an anderer Stelle beruflich wirkte: Der Bau historischer Schiffsmodelle sei eine Art Sucht für ihn, sagt er und lacht. Die zweite Wohneinheit hinter dem Swimmingpool werde deshalb nicht etwa als Ferienwohnung, sondern als Werkstatt genutzt.
Drei Kilometer ans Meer
Seit seinem achten Lebensjahr baue er Schiffe nach, berichtet der Speyerer. 1500 seien es über all die Jahrzehnte wohl gewesen. Sieben weitere habe er schon auf La Palma geschafft, insgesamt 30 wolle er auf der Insel bald ausstellen. Die Verhandlungen darüber mit den Behörden liefen: „Integration ist für mich, mit den Menschen zu reden, nicht den Deutschen raushängen zu lassen. Wir sind hier zu Gast bei Freunden.“ Die Palmeros seien sympathisch, brauchten aber manchmal etwas Zeit zum Auftauen, sagt er. Das könne aber auch daran liegen, dass er selbst bei der spanischen Sprache noch „lernbedürftig“ sei.
„Wir lieben diese Insel“, sagen die Reinle-Carayons. Der Sohn, ein Lufthansa-Pilot, und die drei Enkel, die im Speyerer Süden leben, müssten sich wegen der Pandemie noch mit Telefon- und Videokontakten beschränken. Hoffentlich kämen sie aber in diesem Jahr einmal zu Besuch, sagt der Opa. Er freut sich auch auf das RHEINPFALZ-Gespräch und andere Telefonate mit der Pfalz. Er informiert sich im Internet über sein Heimatland und freut sich des Lebens. Drei Kilometer sind es von seinem Haus bis zum Meer. Der Fernblick von 320 Meter über dem Meeresspiegel sei atemberaubend, die Hauptstadt Santa Cruz de La Palma in zehn Minuten erreicht. „Wir haben nirgendwo eine Heizung eingebaut“, meldet Reinle-Carayon noch ins winterlich-verregnete Speyer. Und wie ist das Wetter bei ihm? „24 Grad, strahlender Sonnenschein.“