Speyer Smarte Ideen für das Neubaugebiet
«HARTHAUSEN.»Bis zu 35 Wohneinheiten, vornehmlich Einfamilienhäuser, sollen im östlichen Teil des Neubaugebiets „Südlich des Wooggrabens“ in Richtung Dudenhofen, zwischen Ende der jetzigen Wohnbebauung, Hainbach, Speyerer Straße und ehemaliger Kläranlage, entstehen. Eine Machbarkeitsstudie soll nun klären, wie eine sogenannte Smart City dort aussehen könnte und auch eine wirtschaftliche Erstbeurteilung liefern. Der Begriff Smart City bezeichnet eine Stadt oder eben auch nur ein Quartier innerhalb eines Orts, wo ressourcenschonende Strukturen und Technologien eingesetzt und vor allem auch miteinander vernetzt werden. Strom, Wärme, Verkehr, Straßenbeleuchtung, Entwässerung und Kommunikationsinfrastruktur sind dabei zentrale Themen. Insbesondere Fotovoltaik spielt in den Überlegungen eine wichtige Rolle, wie Frieder Schmitt, Projektmanager für die Harthausener Firma Vogel Clean Energy, die die Machbarkeitsstudie erstellt, erläutert. Wichtig sei die Vernetzung, innerhalb des Baugebiets und auch mit dem übrigen Ort. „Wir brauchen ein optimal organisiertes Energiemanagementsystem, das immer in der Balance ist“, sagt Schmitt. Werde an einer Stelle Energie produziert, aber nicht benötigt, könne sie andernorts verbraucht werden. „Zum Beispiel hat das angrenzende Gewerbegebiet tagsüber höhere Lasten als das Wohngebiet. So lassen sich Lastspitzen in Einklang bringen“, erklärt Peter Vogel, Geschäftsführer von Vogel Clean Energy. Sinnvoll könne auch der Einsatz von Energiespeichertechnologien sein, um den Strom dann nutzen zu können, wenn er gebraucht wird. Eine andere Technologie, von der die Anwohner profitieren könnten, wenn sie sich zusammentun, wäre ein Nahwärmenetz, nennt Peter Vogel ein weiteres Beispiel. Ein gemeinsames Heizsystem für mehrere Häuser spare dem Einzelnen die Heizung im Keller. Für Elektroautos könnte in dem Neubaugebiet die nötige Infrastruktur zum Aufladen der Batterien entstehen. Auch schnelles Internet spielt als Zukunftsthema eine wichtige Rolle. „Eine Straßenlaterne könnte zugleich auch ein W-Lan-Hotspot oder eine Ladestation sein“, erklärt Schmitt. „Es gibt viele Ideen für eine Smart City Harthausen, man kann natürlich nicht alle verwirklichen.“ Für das Projekt konnte bei Vorgesprächen auch ein Großteil der Eigentümer der Baugrundstücke gewonnen werden konnte. Sie erklärten sich bereit, sich finanziell an der Machbarkeitsstudie zu beteiligen, die bis Ende März 2018 vorliegen soll. Einen Zwang mitzumachen gibt es nicht. „Das ist ein zukunftsorientiertes Projekt, gerade wenn man sieht, was auf der Welt an Rohstoffen verbraucht wird. Wir hätten hier eine Vorreiterrolle“, erklärt Mario Geil, einer der Eigentümer, warum er dazu bereit war, sich mit knapp 1000 Euro einzubringen. Und Architekt Peter Hildebrand ergänzt, dass der Ort auf diese Weise auch in den kommenden Jahrzehnten attraktiv bleibe. Eine weitere Zusage, das Projekt finanziell zu unterstützen, gibt es bis jetzt: Die Ortsgemeinde hat Ende September beschlossen, sich an der Machbarkeitsstudie mit 7500 Euro zu beteiligen. Harthausens Ortsbürgermeister Harald Löffler (CDU) ist ebenfalls von dem Projekt überzeugt. Doch lässt sich ein Konzept wie das der Smart Cities in einem überschaubaren Baugebiet in einem relativ kleinen Ort wie Harthausen überhaupt umsetzen? „Das werden wir jetzt herausfinden“, sagt Peter Vogel. „Aber ich denke schon, dass es funktionieren kann.“ Eine ähnliche Stoßrichtung wie die Harthausener Smart City hat das Projekt Living Lab (abgekürzt Lila) in Walldorf. Dort wurden in diesem Jahr rund 40 Haushalte und Gewerbebetriebe mit eigenen Energie-Erzeugungsanlagen vernetzt und aufeinander abgestimmt. Mit der Modellstadt Mannheim (kurz: moma) hat ein Projektkonsortium bereits in den Jahren 2008 bis 2013 Möglichkeiten untersucht, Erzeuger und Verbraucher von Energie mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologie näher zusammenzubringen. Bisher seien bei solchen Projekten nur Teilaspekte wie das Thema Energie aufgegriffen worden, sagt Peter Vogel. „Neu in Harthausen ist, dass wir versuchen, alle Themen zu beleuchten“, kündigt er an. „Wir wollen das innovativste Quartier werden, dass es in der Region gibt.“