Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Skulpturengarten: Beteiligter Künstler sieht Idee als gescheitert an

„Paraphrase auf ein geschichtsvergessenes Zeitverständnis“: Künstler-Meinung zur Obelisk-Skulptur hinter dem „Residenz“-Hotel.
»Paraphrase auf ein geschichtsvergessenes Zeitverständnis«: Künstler-Meinung zur Obelisk-Skulptur hinter dem »Residenz«-Hotel.

„Das Kind ist schon längst in den Brunnen gefallen.“ Mit Michael Lauter kritisiert ein Speyerer Künstler, der in den 1980er-Jahren an der Entstehung des Skulpturengartens beteiligt war, den Zustand der Anlage zwischen Großer Sämergasse, Heydenreich- und Ludwigstraße.

Die 1986 fertiggestellte Anlage war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil es eine Privatinitiative für die Versetzung des „Obelisken“, eines der Skulpturengarten-Kunstwerke, gibt. Es steht auf dem Gelände des Hotels „Residenz am Königsplatz“, das schon vor mehr als einem Jahrzehnt vom Bereich der anderen Kunstwerke abgetrennt worden war. Der Wunsch des in diesem Jahr verstorbenen Obelisk-Schöpfers Fred Feuerstein soll es gewesen sein, dass die Skulptur wieder besser öffentlich wahrgenommen werden kann. Eine Verlegung neben den Kreisel an der Melchior-Hess-Anlage ist auf SPD-Initiative schon im Stadtrat thematisiert, aber noch nicht beschlossen worden. Die Stadt zeigt sich unter anderem wegen der Kosten skeptisch. Den Skulpturengarten will sie wieder aufwerten.

Michael Lauter, früher im Vorstand und heute Mitglied des Künstlerbunds Speyer, ist mit dem dreiteiligen Figurenensemble „Badeanstalt“ am Skulpturengarten beteiligt. Er fordert in einer Stellungnahme zur aktuellen Debatte „die besondere Pflege der bestehenden Anlage“. Dabei seien „insbesondere die Stadt und die Parkhausgesellschaft gefordert“. Sie sind neben dem Hotel die beiden Eigentümer der mit Skulpturen belegten Flächen. „Die komplizierten Besitzverhältnisse verhinderten bereits in der Vergangenheit Problemlösungen, die der Künstlerbund Speyer auch regelmäßig bei der Stadt anmahnte.“

Drei separate Teile

Michael Lauter glaubt nicht daran, dass der Skulpturengarten mit Laubengang wieder in zusammenhängender Form geöffnet werden kann. Durch eine Mauer, Vergitterung und abgeschlossene Tore seien drei separate Teile entstanden und kein Durchgang mehr möglich. Auch ein Umzug in andere Teile der Stadt scheine jedoch bei einigen Skulpturen schwer vorstellbar: Die meisten Werke der zwölf beteiligten Künstler seien speziell für diese räumliche Situation geschaffen worden. Seine „Badeanstalt“ – in gemeinsamer Urheberschaft mit Frank Liebscher entstanden – sei zum Beispiel „als ironischer Kommentar zur Rückansicht des gesichtslosen Parkhauses zu verstehen“.

Feuersteins Obelisk habe „als Paraphrase auf ein geschichtsvergessenes Zeitverständnis gerade an diesem Ort seinen idealen Standort“. Auch Arbeiten von Hubert Faath und Gerhard Fuchs benötigten ihre heutigen Standorte, um ihre Aussage nicht zu verlieren.

Die Idee des Skulpturengartens sei „an eigentumsrechtlichen Missverständnissen und Fehlern der Vergangenheit gescheitert“, meint Lauter.

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