Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Sit-in auf der Sonnenbrücke

Sonnenbrücke: zuerst die Stufe, dann das Geländer.
Sonnenbrücke: zuerst die Stufe, dann das Geländer.

„Ein Rätsel bleiben die Stufen, der Auftritt oder die Sitzbank auf beiden Seiten vor der Brüstung.“ Das stand am Mittwoch in der RHEINPFALZ. Es ging um die Sonnenbrücke, der Zier der Altstadt, deren Brüstung nicht hoch genug ist. Die Stadt muss nachbessern und dabei sehr genau auf den Denkmalschutz achten. Unter anderem die geheimnisvollen Stufen haben ihren Anteil am Problem: Wer draufsteigt, hat noch weniger Schutz. Geht hier das Gleichgewicht verloren, „droht“ der Speyerbach.

Florian Benner, der Ingenieur der Stadtverwaltung, der fast alles über die Sonnenbrücke weiß außer den Zweck der Stufen, ist nicht der Erste, der die Frage aufgeworfen hat. Die Speyerer Stadtführerin Ingrid Kolbinger kennt das von ihren Touren, die auf und über die Brücke führen – und sie hat Antworten: „Jakob Schäfer, der ehemalige Vorsitzende des Kanuclubs und Nachfahre von Schiffern, erzählte mir, dass auf diesen Bänken die Hafenarbeiter saßen und auf ihren Lohn warteten“, berichtet sie. Ganz in der Nähe der Sonnenbrücke führt die Schiffergasse in Richtung des alten Hafens.

„Hasenpfühler Zunftordnung“ hilft weiter

Zudem gebe es schriftliche Überlieferungen dazu. Im Buch „Speyer und seine Brücken – einst und jetzt“, das 1987 unter anderem von der damaligen Stadtarchivarin Katrin Hopstock herausgegeben wurde, wird auf die „Hasenpfühler Zunftordnung“ aus dem Jahr 1702 verwiesen. Darin sei vermerkt: „Trüge es sich zu, dass ein Schiffer, an dem die Ordnung wäre abzufahren, deshalb nicht fahren wollte, dass es keine ganze Fahrt und vollkommene Ladung ist, so mögen die anderen Mitzünftigen nach altem Gebrauch auf der Sonnenbrücke um solche Fahrt werfen.“

Kolbinger erklärt sich dies als amtliche Aufforderung zum Glücksspiel, sprich zum Würfeln um den Auftrag. „Aliae iactae sunt“, kommentiert sie humorvoll und in Latein („Die Würfel sind gefallen“). Ihr Nachsatz zu den Stufen ist dann Pfälzisch: „Nix Genaues weß mer net!“ Eines ist allerdings klar: Wenn es heute noch die Speyerer Schiffer gäbe, hätten spätestens die Corona-Verordnungen deren Ansammlungen auf dem Steinbänkchen ein Ende bereitet ...

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