Speyer
Sie darf Speyers Geschäftswelt in der Arbeitszeit erleben
Janine Regauer kommt aus Waldsee, aber sie kennt und schätzt Speyer seit ihrer Kindheit. „Natürlich bin ich mit meiner Oma hierher zum Flanieren gekommen und nicht nach Ludwigshafen, wo ich zur Schule gegangen bin“, sagt sie und schmunzelt. So wie sie sollten alle Besucher und Kunden „gerne nach Speyer“ kommen, in die Stadt mit guter Gastronomie und vielen Traditionsgeschäften. „Das macht Speyer für mich aus“, sagt Regauer.
Dafür, dass das so bleibt, setzt sie sich jetzt auch beruflich ein. Ihr Chef Mario Daum beschreibt ihre Aufgabe damit, dass sie stärker mit den Innenstadt-Akteuren in Kontakt bleibt als das in der Vergangenheit der Fall war, deren Anliegen schnell weitergibt und innerhalb der Stadtverwaltung ein Bewusstsein für deren Belange schafft. So entstehe gar nicht erst eine negative Stimmungsspirale.
Es dauert nicht lange, dann streift die Argumentation den Aufreger der zu Jahresbeginn verdoppelten städtischen Parkgebühren. „Am Anfang war das das Hauptthema, aber es hat sich gelegt“, so Regauer. Wirtschaftsförderer Daum sieht nach dem Nachbessern mit 30 bis 60 Minuten Gratis-Parken ab Juli „das Thema vom Tisch“.
Im „Domhof“ gelernt
Regauer ist 33 Jahre alt, hat im Hotel „Domhof“ eine kaufmännische Ausbildung gemacht, danach im Vertrieb und zuletzt bei der Handwerkskammer der Pfalz gearbeitet. Diese Erfahrungen und der Abschluss ihres berufsbegleitenden Studiums zur Verwaltungsökonomin 2023 waren laut Stadtverwaltung optimale Voraussetzung für ihren Wechsel zur Wirtschaftsförderung dieses Frühjahr. Öffentliches Lob gab es von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD): Regauer gehe aktiv auf Geschäftsinhaber zu und nehme damit eine „wichtige Schnittstellenfunktion zwischen Handel und Verwaltung ein“.
Sie werbe für eine „einladende Stadt“, betont Regauer. Mehr Grün in der City sei eines ihrer Anliegen. Außerdem werbe sie für die geplanten Speyer-Gutscheine und werde am neuen Ansiedlungsmanagement der Wirtschaftsförderung beteiligt sein. Bei Leerständen sollen mögliche Mieter angeschrieben werden, um eine gute Nachnutzung zu fördern. Hintergrund: „Es ist herausfordernder geworden, gute Geschäfte zu bekommen.“ Herausfordernd sind mitunter auch die Kontakte zu Hauseigentümern: Auf ein erstes Anschreiben der Stadt wegen Leerständen hat laut Daum nur ein kleiner Teil reagiert.
„Schon etwas verändert“
Dass die Stadt mehr für den Handel tun will, hat auch mit dem Wandel im Einkaufsverhalten zu tun: Vor allem das Internet macht dem stationären Handel zunehmend Konkurrenz. Regauer erklärt das auch mit der Zeit der Pandemie und ist glücklich, dass es Gegentendenzen gibt. „Wenn man durch eine Stadt wie Speyer geht, dann hat das einen Einfluss. In mir hat es schon etwas verändert, ich erledige jetzt mehr Dinge vor Ort und will diese Einstellung auch weitergeben.“
Unendlich viel Zeit im Job hat Regauer nicht angesichts ihrer 65-Prozent-Stelle, und sie kennt als Mutter einer siebenjährigen Tochter natürlich auch privat das oft knappe Zeitbudget etwa für Einkäufe. Daher ist sie froh, wenn sie in ihrer Freizeit, die sie am liebsten in „unserem Dörfchen Waldsee“ verbringt, auch mal durchatmen kann. Ihr Partner ist dort in der Feuerwehr aktiv, ihre Tochter tanzt im Karnevalverein, sie selbst schminkt die Kinder vor närrischen Auftritten. Ein Hund, zwei Hasen, ein großer Garten und eine „riesengroße Familie“ sind ihre weiteren Eckpfeiler fürs Wohlfühlen.