SPEYER
Schwimmen: Speyers Wassersportler im Trockendock
Jochen Winkler ist der „Local Hero vom Mönchsbusch“. Das hat ihm seine App erzählt. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Beim Running Cup der Speyerer Sportvereine, organisiert vom Hockeyclub, macht er im eigenen Lager, dem des Wassersportvereins, mächtig Druck.
„Laufen ist eigentlich gar nicht unseres“, betont Winklers Frau Annette Dinies. Die Sportliche Leiterin des WSV lacht und setzt nach: „Schwimmer sind keine Läufer.“ Kapiert. Trotzdem hat sich der Verein durchgerungen, beim Running Cup mitzumachen. Organisiert hat das – Jochen Winkler. „Ich bin nur durch Annette zum WSV gekommen“, erklärt er. Kein Schwimmer also. Ergo: Läufer. Und was für einer.
1200 Kilometer reichen für das Mittelfeld
60 bis 70 Kilometer pro Woche läuft Winkler, so wie etwas über eine Handvoll anderer Teilnehmer, die unter der Flagge der Wassersportler an den Start gegangen sind. „Momentan bin ich Zweiter“, weist Winkler auf die interne Rangliste hin, nicht ohne den Hinweis: „Es geht nicht um Tempo, sondern um Distanz.“
Selbige kann sich beim WSV in Gänze durchaus sehen lassen. 1200 Kilometer liefern die Laufenden in der Woche ab. Kein schlechter Schnitt für die, die nicht laufen wollen. Mit dem Wert ist der WSV allerdings nur im Mittelfeld der Running Cup-Wettbewerber, wie Winkler weiß.
Ganz schön unter Druck
62 Läufer haben sich insgesamt für den WSV angemeldet. Die meisten sind keine Aktiven. „Viele Masters rennen durchgehend. Auch viele Eltern machen mit“, informiert Dinies. Sogar ein derzeit in München ansässiger Schwimmer rennt mit; ebenso eine Synchronschwimmerin, die aufgrund ihres Studiums zurzeit in Rotterdam wohnt. „Bei ihr verfolge ich immer die Laufwege. Das ist spannend, wenn man selbst schon in der Stadt gewesen ist“, verrät Dinies.
Die passionierte Schwimmerin nimmt ihre Nordic-Walking-Stöcke zur Hand, um Kilometer zu machen. Einige Nachbarinnen tun es ihr gleich. „Da steht man schon ganz schön unter Druck, wenn man auf unserer Running Cup-Liste sieht, was die anderen laufen“, meint Dinies und grinst. Winkler kann das verstehen, denn es gibt tatsächlich Spezialisten in der Gruppe. Thomas Kleinböhl beispielsweise oder Georg Löhner, die ihre 15 Kilometer unter 4:45 Minuten je Kilometer rennen.
Früher Fußballer
Winkler hat vor gut zehn Jahren mit dem regelmäßigen Laufen angefangen. „Früher war ich Fußballer, jetzt möchte ich mich damit einfach fit halten“, betont der Speyerer. Einen nochmaligen Schub hat der Running Cup gegeben, gibt er zu. Den lebt er auf seinen ausgewählten Strecken im Dudenhofener Wald oder auf Feldwegen rings um Dudenhofen aus.
Mit der Aktion als WSV etwas Gemeinsames bewerkstelligen zu können, findet Winkler toll. Das von allen unterschriebene Ziel lautet: „Den Running Cup bestmöglich abschließen.“
Hoffen auf offene Schwimmbäder
Und dann? „Dann laufe ich immer noch weiter“, sagt Winkler. Seine Frau hofft dagegen darauf, dass wenigstens der Außenbereich im städtischen Schwimmbad öffnen kann, damit alle WSV-ler wieder zu dem übergehen, wofür sie geboren sind: schwimmen.
Offener Brief eines Schwimmtrainers
Ich bin Angestellter in leitender Position und im Homeoffice. Als private Abwechslung und auch um „runter“ zu kommen, bin ich ehrenamtlicher Trainer von Kindern einer Leistungsgruppe Schwimmen. Diese Tätigkeit beanspruchte bis Corona den größten Teil meiner Freizeit, es machte Spaß und ich arbeite in dieser Tätigkeit sehr gerne mit Kindern und Jugendlichen. Nachwuchskräften etwas fürs Leben mitzugeben zu dürfen, bei Erfolgen Strahlen und Lächeln zu sehen, das ist eine tolle Sache und entschädigt auch mich für die dann gerne aufgebrachte Zeit. Aber das ist nun auch schon sehr lange nicht mehr.
(...) Ehrenamt war eine große Stütze unserer Gesellschaft, aber so wurde dies zerstört und viel Ehrenamtler mussten sich neu orientieren. Ob sie zurückkommen, bleibt abzuwarten. Es geht aber (...) nicht um mich, sondern um junge Menschen! Nun ist es fast ein Jahr her, März 2020, die Sportanlagen schlossen, aber auch nicht alle. Seitdem hatten wir gerade mal sieben Wochen vernünftiges Training. (...) Da kann man von Sport oder gar Leistungsarbeit nicht sprechen.
Vorstellungen genommen
Was ihr mir damit angetan habt, (...) darüber möchte ich nicht so viel schreiben. Mein ganzes Leben wurde umgekrempelt und einen Hauptteil meiner erfreuenden Freizeit geraubt! Ich möchte eher darüber schreiben, was den Kindern angetan wurde. Sportlern, (...) die eine durchaus tolle Zukunft vor sich hatten. (...) Das macht jeden Trainer sprachlos.
Neben der Schule, welche durchaus sehr wichtig ist, haben die Sportler auch ihre Freizeit danach ausgerichtet. Am Anfang haben die Kinder noch geweint und waren niedergeschlagen, weil kein Sport, (...) kein Training, keine Träume, keine Visionen mehr da waren. Nun haben sie resigniert! (...) Viele und auch richtig gute Talente haben aufgegeben, leider. Ein Jahr „ohne“ Training: Da wurden alle Vorstellungen von sportlichen Erfolgen genommen. (...) Kurzgefasst: Eine ganze Generation an Nachwuchstalenten wurde vernichtet. Frage keiner in etlichen Jahren, wo der sportliche Nachwuchs bleibt oder warum viel weniger in hoher Qualität vorhanden ist. (...) Alles was Jahre vorher aufgebaut wurde, ist zerstört.
Sportler leiden sehr
An regionale Meisterschaften oder Deutsche Meisterschaften ist nun nicht mehr zu denken. Kinder treffen sich privat und in der Schule. Aber (...) trainieren dürfen sie nicht. Tolle Konzepte liegen vor. Andere Vereine mit gleichen oder geringerem Niveau dürfen auch trainieren, sogar fast ohne Pause, viele aber auch nicht. Gleichberechtigung gibt es da nicht.
Wie stellen sich die Verantwortlichen Politiker und Betreiber der Sportstätten das vor? Warum wurden die Sportstätten für leistungsambitionierte Sportler so lange geschlossen? Wie lange soll das anhalten? Vieles ist nun wieder möglich. Aber warum kein Training? Ändern Sie etwas daran, denn die talentierten Sportler leiden sehr darunter, nach eigenen Berichten ebenso wie unter dem Schulausfall.
So nicht mit jungen Menschen umgehen
(...) Sie wissen es doch, wie wichtig Sport in der Freizeit und auch qualifizierte sportliche Betätigung für den Geist und Körper von jungen Menschen sind. Denn Sport mit seinen sozialen Kontakten ist ganz wichtig für die Entwicklungen der Heranwachsenden. Wenn es von den Politikern und Sportstättenbetreibern gewollt wäre (...), wäre ein Training größtenteils möglich gewesen! Ich möchte mit dieser Nachricht eine Lanze brechen für die jungen Menschen, denn so kann man mit ihnen nicht umgehen (...).