Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Schwierige Bewertung

Ferdinand Wiesmann: Starb 1924 in Speyer.
Ferdinand Wiesmann: Starb 1924 in Speyer.

Am Beispiel der Ereignisse vom 9. Januar 1924 in Speyer, zeigt sich, wie schwierig es ist, geschichtliche Ereignisse angemessen zu bewerten.

Unser Blick auf die Geschichte ist immer vom herrschenden Zeitgeist beeinflusst. Noch weit in die Nachkriegszeit hinein war eine positive Bewertung des Attentats auf die Separatisten üblich. Kritische Aspekte wurden ausgeblendet. Heute hat sich die Sichtweise gedreht. Die Attentäter gelten vielen als Wegbereiter der Nazi-Gräuel. Auch das ist eine vom Zeitgeist geprägte, nicht immer faire Sichtweise, weil sie die Geschehnisse mit der Brille des 21. Jahrhunderts betrachtet. Es sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass die öffentliche Meinung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nationalistisch getränkt war, wie man es sich heute kaum noch vorstellen kann. Was einige „linke“ Politiker damals von sich gaben, würde heute so manchem „Rechten“ die Schamesröte ins Gesicht treiben. Widerstand gegen die Separatisten wurde quer durch die politische Landschaft gutgeheißen. Zu welcher Katastrophe übersteigerter Nationalismus in Deutschland führen sollte, konnten sich damals die wenigsten ausmalen.

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