Speyer
Schwetzingen: Sophie Junker, ein aufgehender Stern am (Barock)Opernhimmel, singt im Rokokotheater
Am Sonntag beginnt mit „Die getreue Alceste“ von Georg Caspar Schürmann das Festival „Winter in Schwetzingen“ des Theaters Heidelberg. Die Titelrolle in der 300 Jahre alten deutschen Oper singt die junge belgische Sopranistin Sophie Junker. Karl Georg Berg traf sie bei den Proben.
Frau Junker, ist „Die getreue Alceste“ von Georg Jakob Schürmann Ihre erste Begegnung mit der deutschen und deutschsprachigen Barockoper?
Ich habe zwar schon öfters Musik mit deutschen Texten gesungen, zum Beispiel Kantaten von Bach, aber noch nicht ein so langes Werk in einem altem Deutsch. Es ist Arbeit, aber ich fühle den Fortschritt.
Was ist Ihr Eindruck von der Oper?
Es ist ein sehr herausforderndes Stück. In unserer Fassung, die das im Original mehrstündige Werk kürzt, gibt es viele kurze Schnitte und den Wechsel der Stimmungen. Die Musik erinnert an viele Komponisten der Zeit, mal an Bach, mal an Händel, auch an Purcell. Sie ist vielfältig in der Harmonik. Sie verlangt viel, es macht aber auch sehr viel Spaß.
Ist es Ihre erste Zusammenarbeit mit Christina Pluhar, der Dirigentin?
Ja, das ist eine große Ehre für mich. Sie arbeitet mit viel Leidenschaft, Aufmerksamkeit und Energie. Man spürt ihre große Liebe zur Musik. Wir sind hier überhaupt ein tolles Team als Ensemble, es ist eine schöne Freundschaft während der Proben an dieser Produktion entstanden.
Was sind die besonderen Herausforderungen der Partie der Alceste?
Ich bin fast 90 Prozent der Oper auf der Bühne und agiere auch sehr intensiv, wenn ich nicht singe und die anderen Personen ihre Arien haben. Das ist sehr herausfordernd, hochexpressiv zu spielen und dann bei meinen Gesangsstücken wieder die Stimme zu öffnen: mit Herz singen, aber auch die richtige Distanz zu wahren.
Sie haben schon in vielen Barockopern gesungen. Bevorzugen Sie szenische oder konzertante Aufführungen?
Beides. Ich liebe es, auf der Bühne zu spielen, ich lerne dabei sehr viel.
Sie singen auch Musik des 19. und 20. Jahrhunderts, aber sehr viel Barockmusik. Ist das ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit?
Ich fühle mich nicht als Barock-Spezialistin. Es kommt zu mir, weil meine Stimme für diese Musik gut passt. Aber ich genieße es. Man muss versuchen, sein eigenes Profil als Sängerin zu finden. Die Alte-Musik-Szene ist eine kleine Welt und sehr familiär. Das ist schön. Und es ist schön, auf eher kleinen Bühnen eher intime Stücke zu singen, Stücke, die in der Gestaltung viele Freiheiten ermöglichen. Ich liebe es, frei zu sein.
Sie haben ja in London und Innsbruck Preise für Barockmusik gewonnen.
Ja, das hat mir viel geholfen, es war gut, es zu tun. Es gibt ja nicht so viele Wettbewerbe für barocke Musik.
Worin liegt für Sie der besondere Reiz von barocker Musik?
Wie gesagt, die barocke Musik ist eher intim und erlaubt viele Freiheiten in der Entwicklung und Gestaltung einer Partie, weil eben vieles im Notentext nicht so festgelegt ist wie bei späterer Musik. Ich nutze diese Freiheit, um eigene Farben zu kreieren und eigene Marken beim Singen zu setzen. Barockmusik erlaubt es auch, die eigene Stimme schön zu präsentieren. Und besonders in den Dacapoteilen die Partie zu verzieren. Ich liebe Ornamente sehr und freue mich immer darauf, mich in den Zierfiguren entfalten zu können.
Wie sind Sie eigentlich zum Singen gekommen?
Mein Vater ist Gesangslehrer und bei uns zu Hause wurde immer viel gesungen. Ganz wichtig war es, dass es Spaß macht. Und mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich habe in Belgien, von woher ich komme, angefangen zu studieren, und bin zum Studium weiter nach London gegangen. Von dort habe ich meine Karriere gestartet.
Gibt es Traumrollen für die Zukunft?
Ich würde gerne mehr Mozart singen, ich singe noch nicht genug Mozart. Eine große Traumrolle ist die Cleopatra in Händels „Giulio Cesare“, auch Poppea würde mich reizen. Dazu kommen Rossini-Rollen und Adina in Donizettis „Liebestrank“. Ein Oper, die mich sehr berührt, ist Poulencs „Dialog der Karmeliterinnen“. Da habe ich schon die Constance gesungen, würde auch gerne mal die Blanche sein.
Im kommenden Jahr erscheint Ihre erste Solo-CD mit Musik für La Francesina, die Sie im Sommer auch in Halle bei den Händel-Festspielen vorstellen. Was ist darauf zu hören?
La Francesina, also die Sängerin Élisabeth Duparc, war eine Muse von Händel, die in Opern und Oratorien von ihm sang. Sie war für ihren leichten, trillernden Sopran bekannt und unter anderem die erste Semele. Es war ein große Entdeckung für mich, die Musik zu singen, die für sie komponiert wurde. Davon gibt eine Auswahl auf der CD. Es gibt Parallelen zwischen ihr und mir. Auch ich habe französische Wurzeln und bin nach London gegangen. Die CD soll eine klingende Visitenkarte von mir sein.
Termine
Premiere der „Getreuen Alceste“ im Rokokotheater des Schwetzinger Schlosses ist am 1. Dezember um 18 Uhr. Jan Eßinger inszeniert das Werk, Christina Pluhar leitet das Philharmonische Orchester Heidelberg. Der „Winter in Schwetzingen“ bringt bis zum 31. Januar elf Mal die Oper und zahlreiche Konzerte im Schwetzinger Schloss. Infos unter www.winter-in-schwetzingen.de