Radsport
Schwerer Unfall beendet deutsche Meisterschaft in Dudenhofen
Martin Salmon, der Einheimische, war am Sonntagmittag kurz nach 15 Uhr gerade im ersten Keirin-Halbfinale ausgeschieden. Tim Herzog, ebenfalls vom RV 08 Dudenhofen, hatte zuvor schon das U19er Keirin-Finale erreicht, dann passierte dieser so heftige Sturz, wie ihn Bahnarzt Dr. Helmut Ofer in den 50 Jahren, die er in der Badewanne als Rennarzt arbeitete, nach eigenen Worten „noch nie“ erlebte: Zwei Rennfahrer fliegen über die Bande und ziehen sich glücklicherweise nur Prellungen zu, sechs Zuschauer müssen verletzt behandelt werden, zwei davon mit dem Heli in die Klinik geflogen werden. Die Meisterschaften werden abgebrochen. (Lesen Sie dazu Bericht und Kommentar im überregionalen Teil.) Vor dem Abbruch hatten zwei Dudenhofener eine Gold- und eine Bronzemedaille gewonnen.
Den Meistertitel für den RV 08 Dudenhofen holte Lara-Sophie Jäger, und für sich natürlich das Meistertrikot: Mit Alessa-Catriona Pröpster und Anastasia Kuniß gewann sie den Teamsprint. „Die Umstände des Sieges, naja, schade, dass Cottbus nicht starten konnten. Wir wollten alle noch mal fahren. Alessa, Anastasia und ich wussten auch, dass wir eine deutlich schlechtere Zeit in der Qualifikation gefahren waren, waren zwei Sekunden langsamer. Aber ich sag’ mal so, später fragt niemand mehr, wie der Sieg zustande kam.“ Nach Platz fünf im Zeitfahren kam sie auf Platz sechs im Keirin. „Da wäre mehr drin gewesen, ich habe aber die Nerven verloren und meine eigene Taktik über Bord geworfen“, sagte sie. Dann aber, am Sonntag, verließ sie die Heimbahn doch noch mit einem Sieg. Sie gewann den Lauf um Platz fünf im Sprint. „Das Viertelfinale gegen Anastasia war knapp, die Taktik gut, mein Trainer zufrieden, aber es fehlte der Bums auf den letzten Metern“, so ihr Urteil.
Lokalmatadorin Jäger
Das ganze Jahr über war schon abzusehen, dass sie nicht Topform unterwegs ist. Ein entzündeter Zahn und die Antibiotika-Einnahme schwächten ihr Immunsystem, hinzu kam der Umzug von Erfurt nach Kaiserslautern und mentale Probleme. Jäger: „Ich weiß jetzt trotzdem, wo ich stehe für den geplanten Neuaufbau.“ Unter den Hut muss sie auch die Ausbildung bei der Polizei in Kienbaum kriegen, die im September weiter geht.
Lara-Sophie Jäger spürte den Status der Lokalmatadorin. „Die Fans haben mich und alle grünen Trikots der Rheinland-Pfälzer angefeuert“, besonders aber freute sie sich über drei Kinder, einen Jungen und zwei Mädchen. „Das war krass, das kannte ich noch nicht. Sie hatten Plakate für mich und Alessa gemalt, du schaffst das, stand da und eine Goldmedaille war auch drauf“, erzählte Jäger: „Ich hatte nach dem Lauf schon Tränen, aber als sie auf mich zukamen, um mich zu trösten, musste ich noch mehr weinen, weil das so süß war.“
Herzog Dritter
Von der lautstarken Unterstützung ließ sich auch Tim Herzog antreiben. Er ist keiner, der auf großem Fuß lebt, aber er steht auf großen Füßen (Schuhgröße 48 , in Sportschuhen sogar 49), und das am liebsten auf dem Podium. Im 1000-m-Zeitfahren hat er das geschafft: Dritter in 1:04,64 Minuten hinter Benjamin Bock (Gera, 1:03,19) und Leonidas Rekowski (Chemnitz, 1:03, 60).
Danach musste er leiden. Und wie! „Mir ist fast der dröhnende Kopf geplatzt, der Magen spielte verrückt, in die Beine schoss das Laktat, ich konnte mich kaum mehr bewegen“, sagte der 17-Jährige, als er wieder stehen konnte. Nach dem siebten Platz im Sprint haderte er mit dem Viertelfinale, in dem er morgens um 10.30 Uhr als Erster auf die Bahn musste und total nervös war, nun aber zeigte er sich neu motiviert. „Die Zeit war gut, auch wenn ich sie mir besser wünschte. Aber die Tagen hier summieren sich, die Erholung wird zum Problem.“ Interessant: Sein Vater war als Helfer an der Startmaschine eingeteilt. „Aber absichtlich nicht an der, aus der ich startete, das hätte mich vielleicht zu sehr abgelenkt“, sagte Herzog, der nach dem Rennen umso froher war, dass der Vater ihm beistand und dann auch Fotos vom Podest schoss. Seit drei Jahren fährt er für den RV 08 Dudenhofen und lebt im Internat am Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern. „Man lernt jedes Jahr dazu, ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung“, sagte er. Das Keirin-Final, für das er sich qualifiziert hatte, wurde nicht mehr ausgetragen.