Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Schwerd-Preis: Zwei Anpackerinnen auf dem Siegertreppchen

Sehr gut in der Schule und vielfältig interessiert: Smilla Hell (links) und Amira Akta.
Sehr gut in der Schule und vielfältig interessiert: Smilla Hell (links) und Amira Akta.

Smilla Hell und Amira Akta sind gerade für ihre schulischen Leistungen und ihr soziales Engagement ausgezeichnet worden. Als etwas Besonderes sehen die beiden Gymnasiastinnen aus Speyer ihre zahlreichen Aktivitäten allerdings nicht. Vielmehr wollen sie auch anderen Mut machen, sich einzusetzen und das Leben in die eigene Hand zu nehmen.

„Schon als ich klein war, hatte ich breitgefächerte Interessen“, erzählt Amira Akta, Schülerin des Edith-Stein-Gymnasiums. Gemeinsam mit Smilla Hell vom Gymnasium am Kaiserdom hat sie beim Friedrich-Magnus-Schwerd-Preis 2023 den ersten Platz belegt. Als Preisverleiher hat der Lions-Club Speyer traditionsgemäß besonders leistungsstarke und sozial engagierte Schüler und Schülerinnen der Stadt ausgezeichnet. Die mit dem höchsten Preisgeld von 500 Euro bedachten jungen Frauen stachen durch ihre Vielfältigkeit hervor, hieß es in ihren Würdigungen. Ihre Schulnoten sind zwar überdurchschnittlich, trotzdem würden sie nicht als „Streber“ abgestempelt, worüber sie sehr froh seien, sagen Hell und Akta.

Die guten Noten kommen aber nicht von ungefähr. „Wenn man im Unterricht aktiv ist, muss man zu Hause nicht mehr viel machen. Ich denke, das hat aber auch damit zu tun, wie man sich in der Schule fühlt“, so Amira Akta. Derselben Meinung ist auch die Speyererin Hell. Auf die Unterstützung ihrer Freunde und Familie können beide jedenfalls zählen.

Alltag voll mit Terminen

„Ich brauche nicht so lange wie andere, um etwas zu lernen, und interessiere mich für viele Themen“, berichtet Smilla Hell. Die 16-Jährige ist auf dem ersten Platz des Landespreiswettbewerbs für Mathematik gelandet, besucht eine Arbeitsgruppe für englische Literatur und hat in der Schule zwei zusätzliche Fächer belegt. Geige, Klettern und der Besuch einer LGBTQ-Gruppe, die sie selbst gegründet habe, kämen bei ihr in der Freizeit hinzu, berichtet sie. „Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, mit denen man über so etwas reden kann. Das hatte ich eben nie und hätte es mir gewünscht“, begründet die Elftklässlerin die Idee zur Jugendgruppe, bei der alle Geschlechter und Orientierungen gleichwertig seien. Ach ja, und Nachhilfe gebe sie nebenher auch noch, erzählt sie.

Der Alltag der 18-jährigen Akta ist ähnlich vollgepackt mit Aktivitäten. Durch den deutsch-türkischen Hintergrund ihrer Eltern ist die Speyererin auf die ungleichen Lebensverhältnisse auf der Welt aufmerksam geworden. Als Jugendbotschafterin der Organisation Mary’s Meals setze sie sich für mehr Gerechtigkeit ein. Ziel der Organisation ist es, dass jedes Schulkind einmal am Tag eine warme Mahlzeit zur Verfügung gestellt bekommt. Außerdem ist die Zwölftklässlerin Stufen- und Kurssprecherin, spielt Geige und ist im Bogenschützenverein tätig. Über ihre Selbstständigkeit sagt sie: „Ich bin so aufgewachsen, dass ich schaue, selbst klarzukommen.“ Um sich teilweise selbst zu finanzieren, arbeite sie am Wochenende als Kellnerin. Zudem versucht sie sich an Poetry-Slam und fährt Inliner. „Viele fragen mich, wie ich das alles hinbekomme. Das kann ich nicht verstehen. Wenn ich Zeit für mich selbst brauche, nehme ich mir die auch“, sagt Hell über ihren prallgefüllten Alltag. Die beiden Preisträgerinnen sind sich einig: Sie haben lieber einen vollen Terminkalender, als dass sie sich langweilen.

Erste Pläne für die Zukunft

Manche Mitschüler und Mitschülerinnen aus ihrem Jahrgang würden sich bereits sozial engagieren, jedoch sei das eher die Minderheit. „Wir sind schon auf einem gutem Weg, dass sich das Interesse verbreitet“, so Akta über ihre Mitschüler. Das Problem sei jedoch, dass die meisten nicht wüssten, wie man anfängt. „Wenn man aber mal angefangen hat, ist es eigentlich ganz einfach“, fügt Hell hinzu. Hoffnung haben sie noch: „Ich war erstaunt, wie schnell man Menschen findet, die helfen“, erzählt Amira Akta über ein selbst gestemmtes Projekt, bei dem sie nach Helfern und Helferinnen Ausschau gehalten hatte.

Einen groben Plan für ihre Zukunft haben die beiden auf jeden Fall schon: Smilla Hell würde gerne Naturwissenschaftlerin werden und am liebsten Professorin an einer Universität. Amira Akta plant, mit einer Hilfsorganisation nach Afrika zu reisen und anschließend Eventmanagement zu studieren. Davor steht bei beiden Schülerinnen aber noch das Abitur an.

x