Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel „Schwarz wird groß geschrieben“

Arbeitet unter anderem als Respect Coach beim Jugendmigrationsdienst in Köln: Pamela Aryeh. Foto: BUGSSTEFFEN
Arbeitet unter anderem als Respect Coach beim Jugendmigrationsdienst in Köln: Pamela Aryeh.

2009 zog es die Speyerer Abiturientin Pamela Aryeh in die weite Welt: Bei einem Praktikum in der Rita-Marley-Foundation in Ghana wollte sie die Heimat ihrer Mutter besser kennenlernen. Heute ist Pamela eine hochpolitische junge Frau, die sich gegen Rassismus engagiert. Auf einer Podiumsdiskussion hat sie über ihre Erfahrungen als „Schwarze Deutsche “ gesprochen und klar Stellung bezogen.

Nach dem Abitur für die Universität in eine andere Stadt wechseln: Das kennen viele junge Menschen. Pamela ging nach ihrem Aufenthalt in Ghana nach Köln, zum Studium der Afrikanistik und Erziehungswissenschaften. Doch neben einem akademischen Titel bekam sie auch Einblicke in Fragen, die sie unterschwellig schon lange beschäftigt hatten. „Erst dort habe ich Worte für meine Erfahrungen in Speyer und Ghana gefunden“, sagt sie. Ihre Mutter Gloria lebt seit 35 Jahren in Deutschland, fühlt sich bei Besuchen in ihrer Heimat dort aber immer noch genauso zuhause. Pamela hingegen war auf der Suche, fühlte sich manchmal verloren. In einer pfälzischen Kleinstadt heranzuwachsen, war nicht immer leicht. Manchmal habe sie sich unwohl gefühlt, erinnert sie sich, „ein subtiler Alltagsrassismus, ich konnte es nicht benennen“. Gelegentlich sei auch das N-Wort gefallen. Doch auch die Reisen nach Ghana wühlten sie auf: Die Kultur war ihr über ihre Mutter zwar vertraut, die Sprache ihrer Verwandten aber fremd. Und egal, ob in Deutschland oder in Ghana, eine Frage ist immer dieselbe: „Woher kommst du?“, sagt Pamela. „Und meine Antwort irritiert immer. Ich bin in Deutschland geboren, Punkt.“

Heimat ist das Gefühl von Zugehörigkeit

Das Studium und der Blick auf die eigene Biografie machten sie zur Aktivistin. In Köln stellte sie auf einmal fest, dass es noch anderen so geht wie ihr. Also besuchte sie viele Veranstaltungen, gründete eine „Women of Colour“-Gruppe. „Es ist wichtig, die Vielfalt an Lebenserfahrung sichtbar zu machen“, sagt sie. Seit drei Jahren arbeitet sie bei der Caritas in einer sozialen Einrichtung, ist ehrenamtlich im Vorstand des Antidiskriminierungsbüros von Köln. Und jüngst saß sie beim Afrikafestival in Würzburg, einem der größten Festivals für afrikanische Musik in Europa, zum Thema „Afro Deutschland Positiv“ auf dem Podium. Wo Rapperin Leila Akinyi mit krassen Statements Kante zeigte und Model Josefine Giesner sich gerade an das Thema herantastete, blieb Pamela cool. Und dennoch ganz klar: „Heimat muss nicht an einem Ort sein, es ist das Gefühl von Zugehörigkeit.“ Mit weißer Hautfarbe genieße man andere Privilegien. Deshalb sollte man sich hinterfragen, welche postkoloniale Struktur man weitertragen wolle, lautet ihr Appell.

Selbst beim Arzt wird nach der Herkunft gefragt

„Schwarz gehört groß geschrieben, schließlich ist es eine sozialpolitische Kategorie“, erläutert sie. Es sind vermeintliche Kleinigkeiten im Alltag, die sie entnerven: Wenn sie aufgrund ihrer Hautfarbe bei einer Routineuntersuchung beim Arzt befragt wird, woher sie kommt. „Ich will mich nicht immer erklären müssen.“ Die ständige Herkunftsfrage könne ganz schön schwierig, auch verletzend sein, gibt sie zu bedenken – schließlich ist sie in Deutschland geboren und aufgewachsen, hat einen deutschen Pass. Ihr Freund hingegen ist Norweger und entspreche damit schon optisch eher dem Klischee, hat aber nur die norwegische Staatsangehörigkeit. Diese Konstellation könne Beamte bei einer Passkontrolle durchaus überraschen, erzählt sie schmunzelnd.

Doch so fundiert sie auch debattiert und argumentiert: Die ständigen Diskussion können ermüden. „Ich möchte nicht nur Antirassismus-Expertin sein“, sagt sie. Vielleicht gehen ihre nächsten Aktivitäten zum Thema Identität eher in Richtung Theater oder Kunst. Eventuell steht der nächste Umzug an. Sie will auch nicht ausschließen, einmal nach Speyer zurückzukommen. „Wer weiß?“, sagt sie lachend. „Speyer hat viel Potenzial. Und ich liebe Speyer.“

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