Speyer Schnelle Jäger sind ausgeflogen

Drei Wanderfalken-Brutpaare auf eher engem städtischem Raum – damit war Speyer eine Besonderheit. In diesem und vorigem Jahr seien es aber nur noch zwei Paare gewesen, berichtet Sven Ofer vom Natur- und Vogelschutzverein Dudenhofen.
Der bekannteste „Kinderstuben“-Standort in einem Domturm sei unbesetzt geblieben, so der Experte, der die Speyerer Tiere im Auftrag der Vogelwarte Radolfzell auch beringt. Es habe am Dom in dieser Saison jedoch ein Experiment mit einer „Fotofalle“ gegeben. Das habe gezeigt, dass in der Paarungszeit erwachsene Wanderfalken vorbeigeschaut hätten. „Sie sind aber nicht geblieben.“ Erfolgsmeldungen in Sachen Nachwuchs hat es hingegen vom Turm der Pfarrkirche St. Joseph (drei Junge) sowie von einem Kamin des Mineralwolle-Herstellers Saint-Gobain Isover G+H im Industriegebiet Süd gegeben, wo im Frühjahr ein Junges geboren wurde. Die Eltern blieben ihrem Nistplatz treu – wobei die Ausnahme Dom die Regel bestätige, so Ofer. Einen Grund für das Fernbleiben des Falkenpaares kennt er nicht. Es hätten sich auch andere Vögel den 120-auf-80-Zentimeter-Nistkasten angesehen, ihnen sei er aber offenbar zu groß gewesen. Wanderfalken sind als Greifvögel besonders geschützt und bekannt für ihre Schnelligkeit bei der Jagd: Sie jagen im Sturzflug mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde kleinere Vögel. „Es mussten wieder einige Tauben dran glauben“, berichtet die Pfarrsekretärin von St. Joseph. Hier ist jetzt nach dem Ausfliegen der Jungen wieder die Turmtür auf 60 Meter Höhe geöffnet. Sie bleibt mit Rücksicht auf die Jungvögel von Anfang März bis Ende Juni verschlossen. Für eine Beringung der Tiere müsse er jeweils den richtigen Zeitpunkt erwischen, sagt Ofer. „Sie dürfen nicht zu klein und nicht zu groß sein.“ Bei St. Joseph sei er zu spät gekommen. Das erwachsene Paar, das alljährlich Nachwuchs produziere, nutze den benachbarten Gedächtniskirchen-Turm als „Ausguck“ mit. Bei Isover hat Ofer 2003 auf Wunsch des Unternehmens den Nistkasten auf einer 40 Meter hoch gelegenen Plattform 20 Meter unterhalb der Kaminspitze angebracht. Die Firma überwacht an dieser Stelle ihre Abluft, so Werksleiter Georg Müller. „Super, dass der Kasten so regelmäßig besetzt ist“, freut er sich. (pse)