Speyer
Schnell und zentral: Neue Polizeieinheit bearbeitet 1500 Anzeigen pro Monat
Der Grund für die große Anzahl an Strafanzeigen auf Speyerer Polizeischreibtischen ist deren zentrale Bearbeitung in der Stadt für das gesamte Polizeipräsidium Rheinpfalz. Die neue Einheit bei der Kriminalinspektion 1 gibt es seit dem 1. Januar 2024. Sie ist heute – wie auch die Zentrale Bußgeldstelle – im Behördenhaus zwischen Maximilianstraße und Kleiner Pfaffengasse angesiedelt. Am 1. Juli vergangenen Jahres hat Silke Horbach die Leitung des Kommissariats übernommen, wie sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ berichtet. „Wir sind 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, teilt die Neustadterin mit. Bevor sie ihre neue Position bei der Zentralen Anzeigenbearbeitung angetreten hat, war Horbach als Schutzpolizistin in ihrer Heimatstadt tätig.
„Monatlich gehen circa 1500 Strafanzeigen bei uns ein“, informiert die Kommissariatsleiterin. Durchschnittlich dauere es 14 Tage, bis eine bei der Einheit erfasste Strafanzeige abschließend bearbeitet ist. Von den erwähnten fast 26.000 Anzeigen, die seit Anfang 2024 bereits in der Einheit abgearbeitet wurden, sind nach Auskunft von Horbach bis Ende Juli 20.673 an die Staatsanwaltschaften Frankenthal oder Landau gegangen. Knapp 3000 Anzeigen wurden an andere Polizeidienststellen zur dortigen Bearbeitung weitergereicht, und der Rest ist zum großen Teil noch offen.
Online-Wache immer besetzt
„Wir sind für die einfache Kriminalität und die Massenkriminalität zuständig“, erklärt Horbach. Zur einfachen Kriminalität zählen unter anderen einfache und fahrlässige Körperverletzung, üble Nachrede, Verleumdung, Diebstahl und Betrugsdelikte; letztere machen allein ungefähr die Hälfte aller Strafanzeigen aus. Straftaten, die einfach gelagert sind und in großer Anzahl vorkommen, werden als Massenkriminalität bezeichnet. Mehr als 17.000 Strafanzeigen seien in der Online-Wache unter www.portal.onlinewache.polizei.de/de/rp/ gestellt worden, 7000 weitere auf den Dienststellen im Polizeipräsidium Rheinpfalz. Die Online-Wache ist dem Landeskriminalamt unterstellt und rund um die Uhr besetzt.
„Viele Strafanzeigen haben mit Streitigkeiten unter Nachbarn zu tun“, sagt Horbach. Bei manchen Fällen werde deutlich, dass einige Personen sehr unter der Situation litten. In vielen Fällen würden die Anzeigen an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet – sobald gegebenenfalls fehlende Informationen durch Telefonate mit den Beteiligten eingeholt werden konnten. Denn auch das gehöre zum Job bei der Zentralen Anzeigenbearbeitung, erläutert die Kommissariatsleiterin.
Belastend für die Mitarbeiter seien insbesondere Fälle, bei denen kein Straftatbestand vorliege, aber die Betroffenen gleichwohl einem Leidensdruck ausgesetzt seien. „Wenn jemand sich zum Beispiel durch intensive Blicke eines Nachbarn bedroht fühlt, dann ist das allein noch keine Straftat“, teilt Horbach mit. In Fällen, in denen eine Mediation, also eine Streitschlichtung, helfen könnte, stelle die Polizei für Nachbarn den Kontakt mit Mediatoren her.
Anzeigen zu Straftaten, die schwerer wiegen als leichte Kriminalität, werden in den zuständigen Dienststellen bearbeitet, betont Silke Horbach. „Dazu zählen zum Beispiel schwere und gefährliche Körperverletzung sowie häusliche Gewalt“, informiert sie. Außerdem kümmern sich die Kollegen um Fälle der Jugendkriminalität. Denn dabei seien intensivere Ermittlungen nötig, die besser vor Ort erfolgen würden.
Schnelle Bearbeitungszeit
„Durch die zentrale Bearbeitung der Strafanzeigen für das Polizeipräsidium in Speyer sind wir effizienter geworden“, ist Horbach überzeugt. Das zeige sich nicht zuletzt an der schnellen Bearbeitungszeit von durchschnittlich zwei Wochen. Außerdem seien durch die Konzentrierung dieser Aufgabe in Speyer die Kollegen in den Dienststellen vor Ort entlastet worden. Dadurch hätten diese mehr Zeit für aufwendige Vorgänge.
Gegenwärtig sei bei der zentralen Anzeigenbearbeitung auch noch die Papierakte im Einsatz, teilt die Kommissariatsleiterin mit. „In den nächsten Monaten werden wir das System dann komplett von analog auf digital umstellen“, kündigt sie an. Davon sei eine weitere Effizienzsteigerung zu erwarten. Bei einigen Straftaten komme es besonders darauf an, dass das Ermittlungsverfahren zügig abgeschlossen werden könne.
Die Arbeit werde der neuen Einheit aber so schnell nicht ausgehen, ist Silke Horbach überzeugt. Sie beschreibt die Tätigkeit als attraktiv aufgrund flexibler Arbeitszeit – trotz 40-Stunden-Woche. „Bis zu 60 Prozent der Zeit kann man im Homeoffice arbeiten“, informiert sie. Aktuell seien mehr als die Hälfte im Team Frauen; etliche seien in Teilzeit beschäftigt. Nicht jede oder jeder sei übrigens Polizeibeamter. Auch Rechtsanwaltsgehilfen und Bürokaufleute seien unter den Kollegen vertreten.
Zur Sache
Zu den am häufigsten zu bearbeitenden Anzeigen gehören Fahrraddiebstähle. Die Polizei gibt Tipps zur Prävention: Der beste Schutz ist ein gutes und sicheres Fahrradschloss. Das Rad sollte immer irgendwo angeschlossen und nicht einfach nur abgeschlossen werden – und das am besten an einem gut einsehbaren Ort. Sind mehrere Radler zusammen unterwegs, sollten mehrere Drahtesel zusammen angeschlossen werden. Wichtige Daten des Fahrrades sollte man aufbewahren, neben einem Bild auf jeden Fall die Kaufquittung, außerdem sollte man sich die Seriennummer aufschreiben. Weitere Informationen gibt es unter www.polizei-beratung.de.