Schwetzingen RHEINPFALZ Plus Artikel Schloss in Flammen

Feuerwerk in Schwetzingen.
Feuerwerk in Schwetzingen.

„Schloss in Flammen“: Alexander Soddy dirigiert Festliche Operngala des Mannheimer Nationaltheaters vor der Kulisse des Schwetzingen Schlosses.

Nach zwei Jahren covidbedingter Zwangspause stand jetzt ein Barockschloss (diesmal das Schwetzinger) wieder in Flammen am Ende eines Festkonzerts. Die Rede ist von dem in Zusammenarbeit mit der Agentur Yellow Concerts veranstalteten Operngala mit abschließendem Synchronfeuerwerk zum Spielzeitende, die bis zum Ausbruch der Seuche einen festen Bestandteil im Programm des Mannheimer Nationaltheaters bildete.Optimisten mögen von Rückkehr zur Normalität sprechen, erneut steigende Infektionszahlen könnten dagegen nachdenklich stimmen. Wie dem auch sei, im Schlosspark schien die Welt an dem Abend heil zu sein. Unter klarem Himmel und bei sommerlich lauwarmer Temperatur herrschte beste Stimmung, zu der freilich auch der Moderator, das kurpfälzische Original Christian Chako Habekost seinen Beitrag geleistet hat mit pfiffig unterhaltsamen Plaudereien.

So berichtete er unter anderem über Äußerungen von Komponisten über ihre Kollegen, etwa von Camille Saint-Saens und Jules Massenet über einander oder von Richard Strauss, der Verdis „Aida“ schlicht als „Indianermusik“ abgekanzelt hatte; und Tschaikowsky schrieb seinerseits ebenfalls höchst abfällig über Verdi. Zu Chako Habekosts Sammlung gehörte auch die Feststellung eines französischen Kritikers aus dem 19. Jahrhundert, Offenbach hätte sich auf eine Gattung geworfen (gemeint war die Operette), die mit Musik genauso viel zu tun habe, wie ein Affe mit einem Menschen. Fazit: Es ist bis heute kein noch so wüster Unsinn gesagt oder geschrieben worden, der sich nicht mit einem Zitat aus prominenter Quelle stützen lässt.

Dirigent der Spitzenklasse

Endlich zur Musik: Bestritten hatten das Programm mit Ausschnitten im ersten Teil aus französischen, im zweiten aus italienischen Opern drei Solistinnen und zwei Solisten des Mannheimer Opernensembles und das Nationaltheater-Orchester. Die musikalische Leitung übernahm der (nach sieben Spielzeiten) scheidende Generalmusikdirektor Alexander Soddy, der übrigens die künstlerische Leitung der Mannheimer Akademiekonzerte in der kommenden Saison noch behalten wird.

Er schaltete und waltete am Pult in der Art des Dirigenten der Spitzenklasse. Mit exemplarisch klarer, flexibler, sehr eleganter Zeichengebung sorgte der britische Maestro gemeinsam mit dem ihm sehr willig folgenden, mit vitalem Impuls aufspielenden Nationaltheater-Orchester, für Spannung und expressiven Nachdruck des musikalischen Duktus, bei stets wachem Gespür für Feinheiten der Phrasierung, Artikulation und Akzentuierung.

Spektakulär und fantasievoll

Was für die reinen Orchesterstücke des Programms – Vorspiel zu Bizets „Carmen“, Verdis Ouvertüre zur „Macht des Schicksals“ („La forza del destino“) und Mascagnis Intermezzo aus „La cavalleria rusticana“ – gleichermaßen galt, wie für die Arien und Duetten der Sänger. Beeindruckend exakt stimmte außerdem zum Schluss des Konzerts auch die Koordinierung mit dem von den beiden Pyrotechnikern Renzo Cargnelutti und Thomas Fischer diesmal außergewöhnlich spektakulär und fantasievoll eingerichteten Synchronfeuerwerk zu Franz von Suppés Operettenouvertüren zu „Dichter und Bauer“ und „Leichte Kavallerie“ sowie zur obligatorischen Zugabe: Marsch Nr. 1 aus Edward Elgars „Pomp and Circumstance“.

Last not least die Sänger. Als vorzügliche Vokalisten profilierten sie sich alle. Mehr als bemerkenswerte gestalterisch künstlerische Akzente mit wahren Herztönen setzte Astrid Kessler in der Arie der Micaela aus „Carmen“, der Antonia aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Offenbach und in Puccinis „Bohème“ und „Madame Butterfly“. Wer tenoralen Glanz schätzt, wurde von Irakli Kakhidze großzügigst bedient in der „Blumenarie“ aus „Carmen“, in der Arie aus dem letzten Akt von Puccinis „Tosca“ und Duetten aus „La Bohème“ und Verdis „Aida“ Kessler und in der „Aida“ Jelena Kordic, die zuvor auch als Carmen und in der Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“ gefallen hatte, waren ihm exzellente Partnerinnen.

Sopranistin Frédérique Friess wusste für sich einzunehmen in Ausschnitten aus Verdis „Il Trovatore“ und Massenets „Cid“. Durch seinen sonoren Bariton imponierte seinerseits Nikola Diskic in Arien und Duetten aus Ambroise Thomas' „Hamlet“, Bizets „Perlenfischern“, ebenfalls Verdis „Trovatore“ und Puccinis Frühwerk „Edgar“.

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