Speyer
Schlechte Nachrichten von der Autobahn
Schlechte Nachrichten von der A61 gibt’s derzeit fast täglich. Zum Beispiel in den Verkehrsmeldungen im Radio. Dass zwischen der Rheinbrücke und dem Kreuz Mutterstadt im August der Standstreifen gesperrt und die Fahrbahn verengt worden ist, sorgt nämlich immer wieder für neuen Stau. Wer aus dem Badischen nach Speyer will – und andere Möglichkeiten als die Nutzung der A61-Rheinquerung hat er seit der Sperrung der Salierbrücke 2019 kaum – braucht oft ganz viel Geduld. Hintergrund der Einschränkungen sind Baugrunduntersuchungen im Hinblick auf den geplanten sechsstreifigen Ausbau der Strecke, wie die zuständige Projektgesellschaft Deges aus Frankfurt gemeldet hat.
So weit, so schlecht – aber immerhin verständlich. Ganz und gar nicht verständlich ist aber, dass in dem einen Monat an der Rheinbrücke noch kein Arbeiter tätig war. „Ich als einfacher Bürger kann das nicht nachvollziehen“, so ein entrüsteter Pendler gegenüber der RHEINPFALZ. „Das sind unglaubliche volkswirtschaftliche Kosten, die dadurch entstehen“, ergänzt eine Frau, die zwei- bis dreimal pro Woche aus Hockenheim in die Domstadt fährt, um ihre Mutter in einem Pflegeheim zu besuchen.
Doch, es wird gebohrt
Doch, es wird gebohrt, betont auf Anfrage eine Pressesprecherin der Deges, einer Projektmanagementgesellschaft von Bund und Ländern. Zwei Bohrgeräte seien dafür von montags bis freitags, 7 bis 18 Uhr, an der Gesamtstrecke im Einsatz. In dieser Woche komme ein drittes hinzu. „Da die Arbeiten punktuell stattfinden, sind sie jeweils nur an den aktuellen Bohrstellen sichtbar“, so die Sprecherin. Dann kommt der dicke Hund: Im Bereich um Speyer seien zwar schon einige Löcher in den Boden getrieben worden, „im direkten Umfeld der Rheinbrücke ist jedoch noch keine Bohrung erfolgt“.
Womöglich kann ein Projekt dieser Größe nicht minutiös gesteuert werden, und womöglich muss die Baustelleneinrichtung eine gewisse Zeit vorab erfolgen. Aber mehr als einen Monat, und das an einer derart neuralgischen Stelle? Wenn es wirklich einmal zum seit weit mehr als einem Jahrzehnt geplanten Ausbau der A61 kommt, lässt das nichts Gutes erwarten. Wobei: Schlimmer werden kann es eigentlich kaum. Zu allem Übel wird auf die RHEINPFALZ-Anfrage hin auch noch mitgeteilt, dass die Arbeiten nicht wie bisher angekündigt Mitte September, sondern erst Mitte November fertig sein sollen. Und: „Sollte sich eine Verzögerung ergeben, werden wir darüber kurzfristig informieren.“
Begründung steht aus
Eine zumindest mittelfristige Antwort auf die Zusatzfrage, warum die Sperrung an der Brücke so früh erfolgen musste, blieb die Deges zunächst indes schuldig. Die Anfrage datiert von Montagnachmittag, und am Dienstag liefen dazu bis Redaktionsschluss bei der Deges noch Absprachen, so die Pressesprecherin.